Die Tradition wachhalten

Mehr als 200 Jägersfreuder kamen am vergangenen Samstag zum Bergmannsfest auf das ehemalige Grubenareal. Immer wieder war der alte Bergmannsgruß „Glück Auf“ zu hören.

Bis 1988 prägten die zwei rostroten Fördergerüste der Grube Jägersfreude das Bild am Ausgang des Sulzbachtals. Dann wurden sie abgerissen. Mit ihnen verschwanden die Schachthallen. Zeitzeugen eines florierenden Bergbaus auf dem Areal sind heute noch die Kompressorenhalle und das Fördermaschinenhaus. In ihrem Schatten fand am Samstag ein Bergmannsfest statt. Organisiert wurde es von der Jägersfreuder Grubenwehrkameradschaft. Deren Vorsitzender Ludwig Schmitz erklärte: "Wir wollen uns auf historischem Grund in gemütlicher Runde an die Zeit erinnern, als der einheimische Kohlebergbau Tausenden Familien über Generationen hinweg eine sichere Lebensgrundlage bot." Und er ergänzte: "Früher haben die Väter zu ihren Kindern gesagt: Solange sich die Räder drehen, haben wir immer Essen auf dem Tisch."

Mit dem Lied "Glück Auf" eröffneten die Sänger der Grubenwehrkameradschaft das Fest. Auf die "guten alten Zeiten" gingen Pastor René Unkelbach und Pfarrer Herwig Hoffmann in einer kurzen Andacht ein. Sie erinnerten an die Tradition des Bergbaus in Jägersfreude und sprachen über die Tugenden der Bergleute, wie Kameradschaft, Zuverlässigkeit und Vertrauen. Diese seien auch in Zukunft wichtig.

"Der Bergbau hat die Region viele Jahrzehnte geprägt und zahlreiche technische Höchstleistungen erbracht" betonte der Schirmherr des Festes, der frühere Dudweiler Bezirksbürgermeister Hermann Schon. Der Bergbau habe vielen Menschen Brot und Arbeit gegeben, aber auch tiefe Wunden geschlagen, so Schon weiter.

"Solche Feste sind wichtig. Mit ihnen wird die historische Leistung der Bergleute für die Entwicklung unseres Landes in Erinnerung gehalten und vor allem auch weitergetragen", betonte Uwe Conradt. Der CDU-Landtagsabgeordnete war der Festredner. Er lobte die Grubenwehrkameradschaft für die Organisation und sagte: "Das Fest sollte zu einer Tradition werden."

Mehr als 200 Jägersfreuder kamen zum Bergmannsfest auf das ehemalige Grubenareal. Immer wieder war der alte Bergmannsgruß "Glück Auf" zu hören. Auch eine Abordnung des befreundeten Bergmannsvereins "Glück Auf - Jeanne d'arc" aus St. Avold war da. Stolz trug der 76-jährige Jean-Marie Hoff die Vereinsfahne. "Ich war 34 Jahre off da Grub, 32 davon unter Tage", erzählte Hoff. Neben dem Chor der Grubenwehrkameradschaft sorgten die Riwwerbrings vom Heimat- und Kulturverein Dudweiler-Nord sowie die Lerchensänger von der Kulturgemeinschaft Pfaffenkopf für die musikalische Umrahmung.

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Hintergrund Die goldenen Zeiten für Jägersfreude begannen Anfang des 18. Jahrhunderts mit dem Bau einer Eisenschmelze. Sie erhielt 1749 den Namen Blechhammer, heutiger Spitzname des Ortes. Der Name Jägersfreude geht auf ein Jagdhaus von Fürst Ludwig von Nassau-Saarbrücken zurück, das er 1776 baute. Der Bergbau begann Mitte des 18. Jahrhunderts. Er erreichte 100 Jahre später nach dem Bau der Eisenbahn 1852 nennenswerte Förderzahlen. Rekord-Fördermenge waren 1 585 000 Tonnen 1966. Eine Verringerung der Produktion um 500 000 Tonnen 1967 bedeutete für eine der wertvollsten Fettkohlegruben des Landes das Aus. Am 28. Juli 1968 wurde die Grube stillgelegt. ll

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