Die Synagogen-Orgel schweigt nicht mehr

Ab Sonntag feiern auch die Juden in Saarbrücken das Chanukka-Fest – acht Tage lang. Jeden Abend wird eine Kerze angezündet und damit etwas mehr Licht in die Dunkelheit gebracht. In diesem Jahr gibt es zum Fest etwas ganz Besonderes, zu dem nicht nur die Gemeindemitglieder in die Synagoge eingeladen sind.

Die Orgel der Saarbrücker Synagoge ist ein faszinierendes Instrument - und eigentlich dürfte es sie gar nicht geben. In ihr sind sowohl deutsche als auch typisch französische Register eingebaut, erklärt Bernhard Leonardy. "Sie ist ein Mischinstrument, das es nur in unserer Region gibt", schwärmt er.

Bernhard Leonardy ist Kantor der Basilika St. Johann und einer der profiliertesten Organisten der Region. Dass sie grenzüberschreitend Baustile vereint, ist aber nicht die einzige Besonderheit dieser Orgel. Das Erstaunlichste ist, sagt Benjamin Chait, der Kantor der Synagogengemeinde Saar, dass an diesem Ort überhaupt eine Orgel steht.

Im "traditionellen Gottesdienst", erklärt der Mann, der auch für die Seelsorge in der Gemeinde zuständig ist, komme die Orgel nicht vor. Am Sabbat sei Arbeit verboten, und das Spielen der Orgel sei Arbeit.

Dass die Saarbrücker Synagoge eine der wenigen Synagogen weltweit ist, die eine Orgel hat, liege daran, dass die Gemeinde sehr liberal war, als das Haus in den 1950er-Jahren gebaut wurde, sagt Chait. Bis in die 1980er-Jahre hinein sei die Orgel im Gottesdienst gespielt worden. Danach habe die Gemeinde beschlossen, traditioneller zu werden.

Weil Gotteshaus und Orgel zeitgleich - quasi füreinander - gebaut wurden, sei der Klang ebenfalls etwas Besonderes, sagt Leonardy. Er hat sich mit dem Instrument vertraut gemacht, weil er am kommenden Montag ab 18.30 Uhr ein Konzert in der Synagoge gibt. Das erste Konzert in der Synagoge überhaupt, wie Chait sagt.

Während des Chanukka-Festes trifft sich die Gemeinde von diesem Sonntag bis zum nächsten Sonntag jeweils um 18 Uhr zum Gottesdienst.

Am Montag spielt Leonardy danach traditionelle Chanukka-Melodien. Das Ganze sei ein Experiment, sagen die beiden Kantoren. Und beide hoffen, dass es gelingt und weitere Konzerte folgen. Für Nicht-Juden, sagt Leonardy, sei das Konzert ein guter Anlass, in dieses Gotteshaus zu kommen. "Die Synagoge", sagt er, "die von außen bewusst abweisend gebaut worden ist, ist von innen ganz anders."