Die Straße als gute Schule

Dota Kehr wurde als Kleingeldprinzessin bekannt und gehört heute zu den wichtigsten deutschen Liedermacherinnen. Am Freitag kommt sie nach Saarbrücken. SZ-Redakteurin Susanne Brenner hat sie vorher interviewt.

Sie gehören zu den wenigen Sängerinnen in Deutschland, die eine ganz eigene poetische Sprache haben. Ihre Texte spielen auf eine Art mit Klang, wie man es vor allem im französischen Chanson kennt. Wo haben Sie das gelernt?

Dota Kehr: Ich habe viel brasilianische Musik gehört und war fasziniert vom Klang des brasilianischen Portugiesisch - vor allem von der rhythmischen Phrasierung, aber auch von der Art, die Vokale zu setzen. Irgendwie wollte ich das ins Deutsche übertragen, ohne dabei die anderen Aspekte zu vernachlässigen: Originalität, Inhalt, Reim, Natürlichkeit etc. Ich finde Portugiesisch, Englisch oder auch Französisch schönere Sprachen zum Singen, aber da ich nur in meiner Muttersprache in der Lage bin, Texte zu schreiben, die meinem Anspruch genügen, muss ich mich wohl mit dem Deutschen arrangieren.

Ihre Zeit als Straßenmusikerin ist schon ein Weilchen her. In wiefern oder wie sehr profitieren sie heute noch von den Erfahrungen dieser Zeit?

Dota Kehr: Ich habe gelernt, Leute zu unterhalten. Gute Lieder schreiben ist wichtig, aber bei einem Konzert kommt es auch darauf an, mit dem Publikum zu kommunizieren. Alles, was nach der Straßenmusik kam, war einfacher. Ich mag es, Dynamik machen zu können, und mit einem Mikrofon habe ich die Möglichkeit, auch leise Lieder zu singen. Das geht auf der Straße nicht.

Sie sind eine der wenigen auch politischen Sängerinnen im Land. Nervt es Sie, dass Politik der jüngeren Generation scheinbar so wenig wichtig ist?

Dota Kehr: Das finde ich gar nicht. Ich sehe sehr viele Menschen, die mit den herrschenden Zuständen nicht einverstanden sind und sich mit viel Engagement für Dinge einsetzen, wie eine andere Flüchtlingspolitik , soziale Teilhabe für Benachteiligte oder Umweltschutz. Die politischen Parteien haben halt nicht viel Zulauf bei der jungen Generation und das wohl zurecht.

Mit den Arrangements für Streicher und der üppigen Besetzung bekommen Ihre Lieder auf der aktuellen CD eine ganz neue Farbe und Stimmung. Ist das die neue Dota oder einfach nur ein Schritt auf Ihrem Weg?

Dota Kehr: Der Klang der Band hat sich gewandelt und ist eigener und vielseitiger geworden. Das macht sehr viel Freude und ist eine große musikalische Herausforderung. Was als nächstes kommt, beziehungsweise wie das nächste Studioalbum klingen wird, kann ich noch nicht sagen. Wir beginnen gerade erst, daran zu arbeiten.

Sie sind Mutter zweier kleiner Kinder - wie verbinden sie das mit dem Leben auf Tournee?

Dota Kehr: Gut.

Viel Zeit haben Sie in Ihrem Leben schon in Südamerika verbracht, Ihre Musik ist auch stark davon beeinflusst. Wird die Reiselust weniger, wenn man Familie hat oder sind Sie immer noch auf Weltenbummelei?

Dota Kehr: Ich gehe gerne auf Tour. Als Tourist hingegen war ich noch nie gerne unterwegs. Wenn ich Zeit in Brasilien verbracht habe, dann habe ich dort länger gewohnt, einen Alltag gehabt und Freunde gefunden.

Eigentlich sind sie aktuell mit großer Besetzung auf Tournee. Nur nach Saarbrücken und in zwei andere Städte kommen Sie allein mit Jan Rohrbach. Nicht, dass wir das nicht auch schön fänden. Aber: Haben die hier nicht genug bezahlt?

Dota Kehr: Wenn Sie so direkt fragen, ja, das Touren mit den Streichern ist sehr kostspielig. Wir wollen allen angemessene Gagen zahlen und müssen ein großes Auto mieten. Wenn wir in Frankfurt, Freiburg oder Berlin spielen, können wir mit 400 bis 800 Konzertbesuchern rechnen. Das ist in Saarbrücken nicht zu erwarten - aber vielleicht werden wir ja von den Saarbrückern überrascht. Dann kommen wir nächstes Mal mit Band und Streichern wieder. Versprochen!

Konzert am Freitag, 12. Dezember, 20 Uhr, im Kleinen Klub (Eingang Neugässchen). Karten bei allen bekannten VVK-Stellen und auf www.garage-sb.de