Die Rathäuser in Narrenhand

Saarbrücken. In die Höhle der Löwen wagte sich Saarbrückens Neu-Bürgermeister Ralf Latz am Fastnachtssamstag. Sein verwegener Plan: Er wollte die bei der Marktfaasend auf dem St. Johanner Markt versammelten Karnevalsvereine und deren Verbündete vom beabsichtigten Sturm auf das Rathaus abhalten

Saarbrücken. In die Höhle der Löwen wagte sich Saarbrückens Neu-Bürgermeister Ralf Latz am Fastnachtssamstag. Sein verwegener Plan: Er wollte die bei der Marktfaasend auf dem St. Johanner Markt versammelten Karnevalsvereine und deren Verbündete vom beabsichtigten Sturm auf das Rathaus abhalten. Schließlich sei die Stimmung vor der mobilen Bühne, auf der die Latzegallis von den Grünen Nelken Dudweiler Karnevalshits präsentierten, doch gerade so gut.

Doch Latz' Plan schlug fehl, und so musste er sich, als Freibeuter verkleidet, beeilen, auf die Rathaustreppe zu kommen, wo er seiner Genossin, der Oberbürgermeisterin Charlotte Britz, zur Seite stehen wollte. Tatsächlich schaffte er es vor den 13 Karnevalsgesellschaften, die auf dem Weg vom Markt über den Umweg Betzenstraße noch möglichst viele Mitstürmer einsammeln wollten. Auf dem Podest fanden sich Albert Kindel und Björn Busch ein. Sie gehören der Großen Saarbrücker Karnevalsgesellschaft "M'r sin nit so" an, die in diesem Jahr das stolze närrische Jubiläum 14 Mal elf Jahre feiert und deshalb den Karnevalistensturm anführt.

Kindel eröffnete die Redeschlacht: "Nun, Charlotte, isses so weit, jetzt steht die ganze Narrenschar bereit. Nun steht ihr da wie Puppe, jetzt kriener enner off de Jubbe. Mir Narren wollen diese Stadt regieren, ihr Politiker sollt euch verdünnisieren." Hexe Britz dachte aber nicht daran, sich einfach so zu verdünnisieren und konterte: "De Schlüssel wollt ihr jetzt hann, do sinner bei mir awwer falsch drann. Ich glaab ihr sinn nit ganz dicht, de Schlüssel genn ich eich doch nicht. Euer Treiben werd ich unterbinden, per Gesetz, ihr müsst von hier verschwinden." Doch die Narren kannten die Schwäche der Rathauschefin: Wenn sie schunkelt - und das tut sie nur allzu gerne - vergisst sie, den Feuerbefehl für die Konfetti-Kanone zu geben. Also spielten die Musikzüge aus Dudweiler und Gersweiler ein paar Melodien im Dreivierteltakt, um sie ins Wanken zu bringen.

Tatsächlich rückte Britz nach kurzem Rededuell den begehrten Schlüssel raus, und Busch jubelte: "Ihr lieben Narren freut euch mit mir, und seht in meiner Hand den Schlüssel hier. Mir stelle das Rathaus jetzt uff de Kopp, mit einem dreifach ,Alleh hopp!'" Gut so, denn die mehr als 500 Karnevalisten froren schon arg. Kaum in Fest- und Hauberrissersaal angekommen, schunkelten sie sich aber zur Musik der Jesse-Lehn-Combo warm.

Theres in Fesseln

Zeitgleich streckte in Klarenthal Bezirksbürgermeister Claus Theres in seinem Rathaus die Waffen. Er übergab den Rathausschlüssel an die Quassler, die selbstverständlich auch im Jubiläumsjahr fünf Mal elf Jahre ihr Rathaus stürmten. Im Gegensatz zur Oberbürgermeisterin musste sich Theres sogar von den hübschen Gardemädchen anbinden lassen. Klar, dass der Gefangene aber dennoch mit den Karnevalisten im eroberten Rathaus feiern durfte.

Angeführt von ihrem Vorsitzenden Uli Schacht stürmten auch die Kesselflicker ihr Rathaus. In Anlehnung an das Sessionsmotto "Hollywood" wird der Stadtteil, wie es in Leuchtschrift am Rathaus zu lesen stand, jetzt vermutlich bis Aschermittwoch "Hollykessel" heißen. Die Wiedergeburten von Michael Jackson, allesamt Mitglieder der Kesselflickergarde, und der akrobatische Tanz des Tanzmariechens Morena Rinoldo brachten den Altenkessler Karnevalisten den entscheidenden Vorteil gegen die Verteidiger des Verkehrs- und Verschönerungsvereins.