„Die Pflege ist gut aufgestellt“

Beim dritten Pflegekongress stellte der saarländische Pflegebeauftragte seinen ersten Bericht vor. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) erläuterte die Pflegereform. Dabei wurden auch Bedenken laut.

Die rund 34 000 Pflegebedürftigen im Saarland werden in der Regel gut versorgt. Zu diesem Ergebnis kommt der Pflegebeauftragte Jürgen Bender in seinem ersten Bericht, den er gestern auf einem Pflegekongress, an dem auch Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU ) teilnahm, vorstellte. Die Beschwerden, die ihn erreichten, seien meist auf die Fehler Einzelner zurückgegangen, sagte Bender. In 330 Fällen schaltete er sich ein, bis auf zwei "Fehlschläge" sei immer eine Lösung gefunden worden.

Dennoch machte er in den vergangenen zwei Jahren vier Probleme aus: den Personalmangel, die überhandnehmende Dokumentationspflicht, mangelnde Weiterbildung des Personals und Defizite bei der Kommunikation zwischen Heimen und Angehörigen. Zumindest in den ersten beiden Punkten habe sich bereits etwas getan, erklärte Bender. Im Mai 2014 hatten sich die Heime mit Pflegekassen und Sozialhilfeträgern auf zehn Prozent mehr Personal bis Ende 2016 geeinigt - "für saarländische Verhältnisse enorm", sagte Bender. Zudem wurde im November 2014 ein Projektbüro zur Vereinfachung der Pflegedokumentation eingerichtet. Laut Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU ) beteiligen sich bislang rund 20 Prozent der Heime an dem Projekt.

Auch sie zog gestern eine positive Bilanz: "Die Pflege im Saarland ist gut aufgestellt." Ein Fachkräftemangel drohe nicht: Zwischen 2010 und 2014 habe sich die Zahl der Auszubildenden in den Altenpflegeberufen mehr als verdoppelt.

Einig waren sich alle Teilnehmer des Kongresses, dass die Pflegereform, die 2017 in Kraft tritt, sinnvoll und überfällig ist. Doch Gröhe erklärte auch: "Die Umstellung wird ein Kraftakt für die Pflegeeinrichtungen." Etwa eine halbe Million Menschen mehr als bisher sollen dann Leistungen aus der Pflegeversicherung erhalten. Vor allem Menschen mit Demenz sollen profitieren. Doch es gibt auch Bedenken. So warnte Bender, die Reform bedeute einen "gewaltigen Umbruch" und warb dafür, sie in einem Pilotprojekt im Saarland zu testen: "Ich will die alten Menschen nicht im Chaos versinken sehen." Das lehnte Gröhe jedoch ab: Das System sei bereits in 4000 Fällen erprobt worden.

Die Vorsitzende der AOK Rheinland-Pfalz/Saarland, Irmgard Stippler, warf Gröhe zudem vor, die Reform sei nicht nachhaltig finanziert. Die zusätzlichen Einnahmen aus der Erhöhung des Beitrags zur Pflegeversicherung um 0,5 Prozentpunkte würden nicht ausreichen. Gröhe räumte ein: "Der Bestandsschutz wird teuer - rund vier Milliarden Euro." Also die Zusicherung, dass jene, die heute schon Leistungen beziehen, nicht schlechter gestellt werden. Diese Übergangsregelung lasse sich jedoch aus Rücklagen finanzieren.

Ursula Hubertus, Präsidentin des Landespflegerates, mahnte zudem, dass sich die Arbeitsbedingungen in der Pflege verbessern müssten. Denn auch wenn sich die Ausbildungszahlen verdoppelt hätten, gelte nach wie vor: "Viele junge Menschen bleiben nicht im Beruf." Hier sieht Gröhe auch die Arbeitgeber in der Pflicht, Tariflöhne zu zahlen, um den Beruf attraktiver zu machen, denn: "Das Thema Pflege geht uns alle an."

App zum Thema Pflege: Unter dem Stichwort "Pflegemappe" können sich Interessierte eine neue App rund um das Thema Pflege im Saarland herunterladen.

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