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Die Nachbarinnen stinken wie Hühner "Meine Erwartungen wurden weit übertroffen!"

Die Nachbarinnen stinken wie Hühner "Meine Erwartungen wurden weit übertroffen!"

Saarbrücken. Die Nachbarinnen stinken wie Hühner, die Straßen sind voller Hundekot. "Schande über mich!" Es ist keine schöne Stadt, dieses "Tabataba", das der französische Dramatiker Bernard Marie Koltès in seinem gleichnamigen Stück anhand eines geschwisterlichen Streits schildert: Bruder und Schwester machen sich moralische Vorhaltungen

Saarbrücken. Die Nachbarinnen stinken wie Hühner, die Straßen sind voller Hundekot. "Schande über mich!" Es ist keine schöne Stadt, dieses "Tabataba", das der französische Dramatiker Bernard Marie Koltès in seinem gleichnamigen Stück anhand eines geschwisterlichen Streits schildert: Bruder und Schwester machen sich moralische Vorhaltungen.

Leider fanden sich am frühen Donnerstagabend nur sehr wenige Zuschauer im Kleinen Theater im Rathaus ein, wo das 1. Internationale Studententheaterfestival Saarbrücken mit zwei szenischen Lesungen in den vorletzten Tag startete.

War der Koltès des Théâtre Universitaire de Metz zwar statisch, aber dennoch ansprechend, konnte die Gruppe FIRS aus Gießen mit ihrem deutschsprachigen Beitrag "Apokalypse vom FIRS" des zeitgenössischen russischen Autors Vadim Levanov nicht recht überzeugen. Was nicht allein einer unglücklichen Stückauswahl und der daraus resultierenden, nicht minder unglücklichen Rollenverteilung zu schulden ist. Langatmig, holpernd: Der Situation, wie unbekannte Gäste mit dem Zynismus Neureicher in ein scheinbar verlassenes Haus eindringen und den dort lebenden verwirrten alten Hausdiener zu "entsorgen" planen, waren die Gießener nur teilweise gewachsen.

Am Anspruch verhoben, in dem Fall dem der Regie (Patricia Oster-Stierle, Olivier Lemarchand), hat sich leider auch "Le Pont", die französischsprachige Theatergruppe der Saar-Uni. Sie zeigte im gut besuchten Schlosskeller die Produktion "Un rêve de théâtre", eine Bearbeitung des gleichnamigen Stücks von François Bourgeat (Klavierbegleitung: Manuel Krass). Ein Regisseur träumt und lässt seine Schauspieler Szenen berühmter Dramatiker nachspielen, darunter Beckett, Dumas, Rostand - und Molière, der sich ständig ins Spiel im Spiel einmischt und die Illusion bricht. Eine auf bildungsbürgerliches Publikum zugeschnittene, köstliche Hommage ans Theater, die dessen Mechanismen vorführt; ein intellektuelles Fest für Theaterliebhaber wie Theaterhasser. Gemessen am Selbstverständnis "Le Ponts", als Brücke zwischen Deutschland und Frankreich, zwischen theoretischer und praktischer Vermittlung literarischer Texte zu fungieren: didaktisch gelungen. Künstlerisch leider gescheitert daran, allen 23 Darstellern (bei weiblicher Übermacht und sehr unterschiedlichem schauspielerischem Vermögen) gerecht werden zu wollen.Saarbrücken. "Meine Erwartungen wurden weit übertroffen!" freut sich Hispanistik-Professorin Janett Reinstädler. Auch Martin Haberstroh (Kulturagentur "arteatro") und Uni-Vizepräsidentin Patricia Oster-Stierle sind zufrieden mit Auslastung und Qualität des 1. Internationalen Studententheaterfestivals Saarbrücken, auch wenn die hiesigen Gruppen einen Publikums-Bonus verzeichneten. Kluge Termin- und Spielstätten-Politik: In Sachen Publikumsresonanz hätten sich, gegenüber dem Unitheaterfestival 2008, die zentralen Spielorte in der Stadt positiv ausgewirkt und zur Spielfreudigkeit beigetragen, auch musste nicht mit einer Fußball-EM konkurriert werden. Dank für die infrastrukturelle Unterstützung ernten Stadt und Regionalverband Saarbrücken. Vom Niveau der eingeladenen Produktionen aus der Großregion (Sondergast zum Auftakt: die katalanischsprachigen Länder) zeigen sich die Veranstalter angenehm überrascht, ebenso von der Solidarität aller Teilnehmer untereinander. Belohnter Mut zum Risiko, wurden die auswärtigen Inszenierungen doch quasi blind "eingekauft". Besonderes Lob ernten die Eigenproduktion der Uni Lüttich und die "poetische Kompromisslosigkeit" der Gruppe "Pèl Capell" aus Mallorca. Gegeneinladungen seien bereits ausgesprochen, der Wille zur Fortsetzung des Festivals besteht: Die Struktur mit zweiteiligen Abenden (Experimentelles, Vorträge, szenische Lesungen neben "großen" Inszenierungen) soll beibehalten werden. kek