Letzte Videothek in Saarbrücken : Die Letzten machen das Licht aus

Warum die einzig noch verbliebene Videothek in Saarbrücken schließt und was danach mit ihren vielen DVDs passiert.

Das war's. Tom Stutz tut es furchtbar leid für seine Stammkunden, aber es ist einfach nicht mehr zu machen. "Die Chefin hat im richtigen Moment die Reißleine gezogen", wie er sagt, "rechtzeitig, so dass sie nicht draufzahlen muss."

Vor rund einem Jahr haben wir darüber berichtet, dass der Video Star in der Hohenzollernstraße als letzte Videothek in Saarbrücken vom Internet und den Streaming-Diensten wie Netflix, Amazon Prime und Co. sich nicht in die Knie zwingen lässt und wacker die Nase in den Wind hält. Im Großen und Ganzen sei die Situation seitdem auch kaum anders, sagt Mitarbeiter Stutz, der sich wie Geschäftsführerin Birgit Preis in allen betrieblichen Angelegenheiten prima auskennt.

Langsam, aber sicher ginge der Aufwand dann doch an die Substanz. Seit acht Jahren konnten sie die Preise für die Ausleihe nicht mehr erhöhen, ohne der mächtigen Konkurrenz von der digitalen Datenautobahn vollends das Feld zu überlassen. Die Kosten stiegen trotzdem. Früher konnte der Video Star durch Monate wie den Dezember, in denen sich die Leute mit einem guten Film hinter dem Ofen verkriechen, quasi ein Polster anfressen, aber diese Zeiten sind vorbei. Wer streamt, muss gar nicht mehr aus dem Haus, auch nicht zum Video holen. Die Spontankunden, die im Vorbeigehen mal schnell eine DVD ausgeliehen hatten, blieben nach und nach weg. Jetzt ist nur noch die "sautraurige" Stammkundschaft da, so Stutz.

Als nächstens wären die warmen Monate gekommen - eine Horrorzeit für Videotheken. Ein anderes Landeslokal mit einer billigeren Miete und verkürzte Öffnungszeiten hätten da auch nicht mehr viel gebracht.

So gibt es den Video Star nur noch bis zum 30. Juni offiziell, wahrscheinlich wird schon früher Schluss sein. Die Ausleihe läuft sogar nur noch bis Ende Mai. Für alle, die Filme zurückbringen müssen, ist danach dann noch ein paar Tage geöffnet. Damit bleibt auch genügend Zeit, all denen Ärger zu machen, die glauben, sich auf den letzten Drücker noch eine DVD auszuleihen und einfach nicht mehr zurückbringen zu müssen. Da hilft auch nicht das Argument, die Silberlinge landeten ohnehin in irgendeinem Keller, wer will die schon? Aber nein, einen kleinen Abverkauf an die Kunden gab es bereits, und den großen Rest übernimmt ein Interessent - Tom Stutz, für den es ab Juli mit einem eigenen Delikatessenladen samt Bistro in Ottweiler weitergeht, behält für sich, wer das ist. Zu guter Letzt räumen er und Birgit Preis auf, schließen ab, und die Zeit der Videotheken in Saarbrücken ist vorbei.