Die Kunst, neugierig zu bleiben

Dagstuhl. Themen, Farben, Materialien, Techniken: Auf eine bestimmte Richtung will sich die Malerin Marlene Reucher aus Saarbrücken nicht festlegen. Das beweist sie eindrucksvoll mit den Arbeiten, die sie in einer aktuellen Ausstellung im Schloss Dagstuhl präsentiert

Dagstuhl. Themen, Farben, Materialien, Techniken: Auf eine bestimmte Richtung will sich die Malerin Marlene Reucher aus Saarbrücken nicht festlegen. Das beweist sie eindrucksvoll mit den Arbeiten, die sie in einer aktuellen Ausstellung im Schloss Dagstuhl präsentiert.Während der Vernissage charakterisierte Professor Diether Breitenbach die Malerin in seiner Laudatio: "Was sie von Anfang an kennzeichnete, war ihre Neugier auf Neues sowie Lust und Mut zu experimentieren. Sie hat alle möglichen Materialien und Farben ausprobiert." Sie habe bisher über 1000 Bilder gemalt und sei über die Jahre zu einer der bekanntesten Malerinnen der Region geworden. Mit einer bemerkenswerten Leichtigkeit wechselt Marlene Reucher zwischen den Formaten, den Motiven und den Techniken. Sie benutzt oftmals Acrylfarben, weil sie, wie sie selbst sagt, am besten zu ihrer Arbeitsweise passen: "Ich habe mit der Aquarelltechnik angefangen. Aber das lag mir nicht. Ich male gerne in einem durch, was mit den Acrylfarben funktioniert."

Gerne beginne sie früh am Morgen schon mit dem Malen. Oftmals vergisst sie dabei die Zeit und arbeitet schon mal einige Stunden durch. Ihr Stil ist kraftvoll, stark und von einer spontanen, gestischen Arbeitsweise geprägt. Dies führt sie mit einer leuchtenden, vitalen Farbigkeit weiter. Die Themen für die Arbeiten reichen von der Beschäftigung mit allem Tierischen über Natureindrücke bis hin in die Mythologie und klassische Literatur.

In der Ausstellung in Dagstuhl ist unter anderem eine Reihe von neun großformatigen Bildern zu sehen, die jeweils eine der griechischen Musen zeigt. So beispielsweise in kräftigen ausdrucksstarken Farben die Muse Kalliope. Ihre abstrahierte Gestalt zeigt Reucher in einem starken Rot. Ihr Attribut, die Schreibtafel, ist in temperamentvollen schwarzen Strichen stilisiert. Es ist eine der jüngeren Arbeiten von Marlene Reucher. In diesen beschäftigt sie sich intensiv mit der Mythologie. Doch auch auf dieses große Themenfeld hat sie sich nicht festgelegt. Eindrücke aus der Provence, der Frühling, Rosenranken - die Farben und Techniken wechseln mit den Themen. Seit gut 30 Jahren beschäftigt sich Reucher intensiv mit der Malerei. Und hat ihre Neugierde, ihre Innovationsfreude nicht verloren. Sie greift bei ihren Bildern gerne zu unterschiedlichen Techniken und Formaten. Sie nutzt Farbschichtungen und -überlagerungen. Kratz-, Schab- oder Reibespuren machen die unteren Schichten wieder sichtbar und erzeugen eine flache, reliefartige Oberfläche. Collagen oder Styropordrucke gehören ebenfalls zum vielfältigen Repertoire.

Die Vielschichtigkeit der Arbeiten macht neugierig. Sie laden ein, sich intensiv darauf einzulassen, in den Dialog mit den Bildern zu treten. Zwar meist abstrakt, sind dennoch häufig die Titel der Arbeiten in der Darstellung zu erkennen. Insgesamt 35 Bilder zeigt Marlene Reucher im großen Flur des Leibnitz-Zentrums (Schloss Dagtsuhl).

Die Ausstellung mit den Reucher-Bildern ist noch bis Freitag, 9. März zu sehen. Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag neun bis 16 Uhr, Freitag neun bis 14 Uhr, Anmeldung: Telefon (0 68 71) 90 50.

www.dagstuhl.de

"Sie hat alle möglichen Materialien und Farben ausprobiert."

Diether Breitenbach

Zur Person

Marlene Reucher wurde im Jahr 1933 in Völklingen geboren. Zu malen oder kreativ zu gestalten, das machte ihr bereits als Kind großen Spaß. Im Lehrerseminar entdeckte sie dann das Zeichnen von Karikaturen für sich. Sie zeichnete viel und außergewöhnlich, aber: "Ich hatte in Kunst immer die schlechteste Note. Vielleicht, weil ich schon da abstrahiert habe", gesteht Marlene Reucher.

Über die Noten kann sie mittlerweile natürlich lachen. Sie zeigte ihre Arbeiten in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen, hat eigene Kataloge veröffentlicht. Das Interesse an ihren Bildern ist groß.

In ihrem früheren Leben musste sie die Malerei zunächst zurückstellen, Familie und das Geschäft des Ehemannes standen im Mittelpunkt. Doch 1982 fand Marlene Reucher wieder zu ihrer alten Leidenschaft zurück. Sie besuchte Malkurse, bildete sich bei nationalen und internationalen Künstlern fort.

Marlene Reucher

Trotz vieler Ausstellungen und jahrzehntelanger Erfahrung ist sie vor jeder Ausstellung aufgeregt und freut sich auf die Reaktionen der Besucher. "Das Gefühl, wenn den Leuten meine Bilder gefallen, ist kaum zu beschreiben", gibt Marlene Reucher gerne zu. Denn von einer Leidenschaft ist die Malerei viel mehr für sie geworden: "Die Malerei ist zu meinem Leben geworden." syr