Die große Freiheit auf der Bühne

Saarbrücken/St. Ingbert. Die Schauspielerei sei schon immer ihre Leidenschaft gewesen, erzählt Ursula Ochs-Steinfeld. "Mit neun Jahren hatte ich mein Aha-Erlebnis: Ich spielte die böse Königin in Schneewittchen und erlebte die unglaubliche Faszination, lebendige Menschen auf der Bühne für andere Leute erfahrbar zu machen

Saarbrücken/St. Ingbert. Die Schauspielerei sei schon immer ihre Leidenschaft gewesen, erzählt Ursula Ochs-Steinfeld. "Mit neun Jahren hatte ich mein Aha-Erlebnis: Ich spielte die böse Königin in Schneewittchen und erlebte die unglaubliche Faszination, lebendige Menschen auf der Bühne für andere Leute erfahrbar zu machen." Trotz aller Leidenschaft für den Beruf der Schauspielerin wählte Ursula Ochs-Steinfeld einen anderen Beruf: Sie wurde Lehrerin und zwar "mit Leib und Seele". Parallel machte sie die Schauspielausbildung und legte vor der Deutschen Bühnengenossenschaft Frankfurt 1963 die Bühnen-Reifeprüfung ab. Eine glückliche Entscheidung, denn so musste sich Ochs-Steinfeld den Zwängen eines Theaterbetriebes nicht stellen und konnte dennoch auf der Bühne stehen. "Für mich ist Spielen Lust - mit drei "L" - also LLLust! Wenn man einmal Blut geleckt hat, ist - bei aller Mühe - die Lust am Spiel das Entscheidende", so Ursula Ochs-Steinfeld. Sie suchte also damals eine für sie geeignete Theatergruppe. Und dann gab es wieder einen Glücksfall. Denn wenige Monate davor hatten einige theaterbesessene junge Leute die "Kleine Bühne" an der St. Ingberter Volkshochschule gegründet - unter ihnen der St. Ingberter Albrecht Ochs, der damals in München Germanistik, klassische Philologie und Sprechwissenschaften studierte. Ursula wurde dem jungen Mann vorgestellt - und aus der gemeinsamen Theaterarbeit (Albrecht Ochs arbeitete als Regisseur bei der Kleinen Bühne) entwickelte sich nicht nur eine Beziehung zwischen den beiden, sondern auch eine bis heute andauernde Theater-Zusammenarbeit, bei der Ochs seine Frau auf der Bühne unterstützt, als ihr Manager fungiert und in der Regel die Regie übernimmt. "Ohne ihn wäre ich das alles nicht geworden", erklärt die Schauspielerin.Um die siebzig Produktionen haben die beiden auf die Beine gestellt, von klassischen bis modernen Stücken fast die ganze Weltliteratur bedient. Sie reichen von der "Medea" von Euripides bis zu den Autoren des Absurden Theaters. "Wir haben Thomas Bernhard schon gespielt, da hat noch niemand an Thomas Bernhard gedacht", erzählt Ursula Ochs-Steinfeld.

Viele Stücke wurden in St. Ingbert aufgeführt, legendär ist beispielsweise die Inszenierung des "Sommernachtstraums" von Shakespeare im Garten des St. Ingberter Kulturhauses. Dazu kamen zahlreiche Gastspiele, unter anderem im Wallgraben-Theater Freiburg. Oft stand Ursula Ochs-Steinfeld mit einem ganzen Ensemble auf der Bühne, dann wieder glänzte sie in Kammerspielen wie "Glückliche Tage" von Samuel Beckett oder "Wer hat Angst vor Virginia Woolf" von Edward Albee. Sie und ihr Mann organisierten im eigenen Haus (in dem es natürlich eine kleine Bühne gibt) jahrelang Lesungen und musikalische Abende. Trotz ihres langen Bühnenlebens sind Ochs-Steinfelds Energie und die Freude am Theaterspiel ungebrochen. Als Schauspielerin kann sie nicht nur die ihre Vielseitigkeit zeigen, sondern auch die Facetten des Lebens darstellen. "Das ist es, was mich reizt", sagt sie.

"Am Ziel", Schauspiel von Thomas Bernhard, mit Nicole Haag, Ursula Ochs-Steinfeld, Gereon Schäfer, Bühne: Katrin Fischer, Regie: Albrecht Ochs. Aufführungen: diesen Samstag, 20 Uhr im Theater im Viertel, Landwehrplatz 2, Tel. (06 81) 3 90 46 02 oder info@dastiv.de.

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