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„Die geschürte Angst vor der Demografie“

Saarbrücken. Der demografische Wandel ist in aller Munde – und mit ihm kommt ein drastischer Einschnitt in unser Sozialsystem. Dies ist nicht nötig, meint Professor Gerd Bosbach. Bei einem Vortrag in Saarbrücken relativierte er die Prognosen. hej

Die Geburtenrate geht zurück, die Lebenserwartung steigt. Es sieht schlecht aus für die Zukunft. Aufgrund der Überalterung wird es große Probleme mit der Rente und dem Gesundheitswesen geben. Professor Gerd Bosbach kann über solch negative Darstellungen nur den Kopf schütteln. Der Mathematiker stemmt sich gegen die in seinen Augen provozierte Furcht und künstliche Dramatisierung, die durch die Demografie-Thematik heraufbeschworen wird. "Natürlich ist das Altern ein Problem. Aber wir sind eine immer reicher werdende Gesellschaft, welche dies bewältigen kann", sagte Bosbach bei einem Vortrag am Montag vor 100 Zuhörern im Haus der Stiftung für Demokratie in Saarbrücken.

"Die geschürte Angst vor der Demografie" betitelt er seine Ausführungen, in denen er zunächst zurückblickt. Schon in der Weimarer Republik sprach der Chef-Demograf laut Bosbach von einem "Volk ohne Jugend". Und Altbundeskanzler Konrad Adenauer sagte 1953 angesichts der niedrigen Geburtenrate: "Dann sterben wir ja aus." Deutschland schien ohne drastische Einschnitte in das Sozialsystem keine Zukunft zu haben. "Seit dem sind die Sozialleistungen gestiegen, die Arbeitszeit wurde verkürzt und der Wohlstand ausgebaut. Genau das Gegenteil war also der Fall", erklärt Bosbach.

Der 60-Jährige arbeitete von 1988 bis 1991 im Statistischen Bundesamt und weiß, wie man Zahlen für seine Zwecke nutzen kann. Alleine die lange Zeitspanne der zugrunde liegenden Statistik für die Bevölkerungsberechnung verstimmt ihn. Denn die düsteren Aussichten gehen auf eine Berechnung des Statistischen Bundesamtes für das Jahr 2050 aus 2003 zurück. "Wissen sie, was sich seit 1964 alles verändert hat? In der Periode davor waren sogar zwei Weltkriege. 50 Jahre sind doch kein überschaubarer Zeitraum, das ist moderne Kaffeesatzleserei", kritisiert der Mathematiker.

Trotzdem hat er sich die 50-Jahres-Prognose angeschaut und relativiert viele Annahmen. Beispielsweise was die erwerbsfähigen Personen angeht. So wird bei den Berechnungen nicht berücksichtigt, dass sich das Renteneintrittsalter nach hinten verschiebt. Es wird also länger in das System einbezahlt. Zudem steigt durch die technischen Möglichkeiten die Produktivität pro Person. Erhält diese einen Anteil davon, wird mehr in das System einbezahlt. So geht er Punkt für Punkt durch und nimmt den stürmischen Aussichten weiter Wind aus den Segeln.

Seiner Meinung nach profitieren viele Leute von der Demografie-Angst. Unternehmen, die bei Privatversicherungen der Arbeitnehmer weniger Lohnnebenkosten zahlen müssen. Die Privatversicherer, die staatlich bezuschusst werden. Und auch die Politiker, die mit der Demografie eine Ausrede parat haben, falls etwas nicht so läuft. Für Bosbach ein Unding, gegen das er weiter ankämpfen will.