Die Geschichte einer Flucht

Saarbrücken. "Deine Mutter liebt Dich mehr als du die See!" Wer's der Schreckschraube glauben mag! Zigarren-Stumpen in der Schnauze, schnarrende Stimme und ein Enterhaken als Hand - kein Wunder, dass der kleine Robinson von dieser Mutter weg will. Zumal sein Vater, ein Jack Sparrow-Haudegen von einem Seeräuber, auch nicht besser ist

Saarbrücken. "Deine Mutter liebt Dich mehr als du die See!" Wer's der Schreckschraube glauben mag! Zigarren-Stumpen in der Schnauze, schnarrende Stimme und ein Enterhaken als Hand - kein Wunder, dass der kleine Robinson von dieser Mutter weg will. Zumal sein Vater, ein Jack Sparrow-Haudegen von einem Seeräuber, auch nicht besser ist.

Und eklig behandelt wird der Sprössling von seinen Rabeneltern auch noch. Robinson will nämlich zur See. Um aber ihren siebten und jüngsten Sohn nicht auch noch ans Meer zu verlieren, sperren ihn Mami und Papi einfach in seinem Zimmer ein. Doch Robinson ist ein fantasievolles Kerlchen, und so macht er kurzerhand seinen Teddy zur Galionsfigur, hisst den Kopfkissenbezug und sticht mit seinem Bett in See. Er segelt über stürmische Ozeane, besteht gefährliche Abenteuer, erleidet Schiffbruch und strandet auf einer einsamen Insel. Dort befreit er einen gewissen Freitag, der schon seit Jahren in einer Mottenkiste eingesperrt ist. Ob die beiden Freunde werden? Und ob Robinson tatsächlich von Zuhause weg kommt? "Robinsons andere Insel" ist ein Stück des Amerikaners George Isherwood, das im Jahr 1651 spielt und damit die Geschichte von Daniel Defoes "Robinson Crusoe" vorweg nimmt.

Witziges Familienstück

Am Sonntag ist Premiere im Theater Überzwerg (ÜZ), wo das für Kinder wie Erwachsene gleichermaßen witzige Familienstück für Menschen ab sechs Jahren jetzt zum zweiten Mal zu sehen ist. Bei der ersten Aufführung 1992 schaute überraschend Isherwood persönlich vorbei - der Beginn einer Freundschaft, als deren Folge Isherwood (Jahrgang 1947, seit 1989 Autor und Regisseur des Kölner "N.N. Theaters", er lebt heute auf einem Hausboot in Amsterdam) öfter selbst am ÜZ Regie führte. Unter anderem bei seinen eigenen Stücken "Shakespeares greatest Hits" (1995) und "Die schwarze Spinne" (1997), letzteres sogar eine Auftragsarbeit. Nun inszeniert erneut der künstlerische Leiter des ÜZ, Bob Ziegenbalg, und muss darauf achten, sich nicht zu wiederholen.

Was aber dadurch erleichtert wird, dass die Besetzung eine andere ist. Es spielen Sabine Merziger und Nicolas Bertholet, der in dieser Spielzeit neu im ÜZ-Ensemble ist: Der 28-Jährige ist gebürtiger Freiburger und arbeitete nach seiner Ausbildung in Hamburg. Bühnen- und Kostümbildnerin Ela Otto dagegen stand vor der Herausforderung, ein scheinbar normales Bett zu konstruieren, das seetüchtig auf den Wellen schaukelt. Und ein Kinderzimmer zu entwerfen, das als Ozean sowie als Insel taugt.

Für Ziegenbalg erzählt Robinsons Reise die Geschichte einer Flucht: "Wenn Eltern unerträglich werden, haben Kinder das Recht zu gehen!" kek

Premiere: Sonntag, 2. November, 15 Uhr. Infos, Karten, Termine: Tel. (0681) 854021.