Die einen feiern, die anderen demonstrieren

Saarbrücken. Nirgendwo anders in Saarbrücken wird der Frauentag wahrscheinlich so international begangen wie in der "Folschder Cafétass". "Wir haben hier in der Regel Besucherinnen aus 15 bis 20 verschiedenen Ländern", sagt Jutta Tremezaygues, eine der Mitarbeiterinnen des Caritas-Kontaktzentrums auf der Folsterhöhe

Saarbrücken. Nirgendwo anders in Saarbrücken wird der Frauentag wahrscheinlich so international begangen wie in der "Folschder Cafétass". "Wir haben hier in der Regel Besucherinnen aus 15 bis 20 verschiedenen Ländern", sagt Jutta Tremezaygues, eine der Mitarbeiterinnen des Caritas-Kontaktzentrums auf der Folsterhöhe.70 Frauen aus allen Stadtteilen trafen sich gestern Vormittag in der "Cafétass", um hier gemeinsam den 8. März bei einem "Alle-Welt-Frühstück" zu feiern. Nicht nur an den selbstgemachten Speisen, die die Teilnehmerinnen von zu Hause mitgebracht hatten, konnte man die internationale Herkunft erkennen. Auf dem üppigen Büfett reihten sich unter anderem pakistanische Fischteigtaschen neben türkischen Börek, russischen Krautspezialitäten und deutschen Nussecken und sorgten für überraschende Geschmackserlebnisse.

Manche Frauen waren auch in traditioneller Kleidung aus ihrer Heimat erschienen. Wie haben sie früher dort den Internationalen Frauentag erlebt?, haben wir einige Besucherinnen gefragt. "Wir hatten früher am 8. März Feiertag und mussten nicht zur Arbeit gehen, das war toll!", erzählt Anna Gawsow, die vor 14 Jahren nach Deutschland kam und seitdem auf der Folsterhöhe wohnt. Sie stammt aus dem Archangelsgebiet in Nordwestrussland, das früher zur Sowjetunion gehörte. Dort war der Frauentag so eine Art Muttertag, erzählt sie. "Die Männer schenkten den Frauen Mimosen oder rote Nelken, Rosen gab es in dieser Jahreszeit ja nicht", erklärt Gawsow. "Das Thema Emanzipation spielte an dem Tag keine Rolle, aber die Männer haben immer das Kochen übernommen, meiner hat mir immer Plov gekocht, ein besonders leckeres asiatisches Gericht."

"In Syrien haben wir vom Frauentag nichts gemerkt, bei uns hat man nur Muttertag und Vatertag gefeiert und sich dazu Geschenke gemacht", berichtet Amal Abdallah, die seit 19 Jahren mit ihre Familie auf der Folsterhöhe lebt.

Ivonne Prokupez ist in Argentinien aufgewachsen und hat anschließend fünf Jahre in Spanien verbracht. Auch in Argentinien verwöhnen die Herren ihre Gattinnen am Internationalen Frauentag mit Blumen und Essen, erinnert sie sich. Auf der "Brücke der Frauen" in Buenos Aires werde an diesem Tag aber auch immer abends ein großes Fest mit klassischem Orchester, Ballett und Feuerwerk veranstaltet.

Die Feministinnen wiederum organisierten parallel Demonstrationen für gleiche Rechte. Doch in Argentinien gingen die meisten Frauen lieber zum Brückenfest, während sie im spanischen Baskenland vor allem demonstrierten.

"In der Türkei ist es verschieden", erzählt Mahfuhza Bicen aus St. Johann. Viele Menschen nähmen an Demos teil, andere feierten. "Mein Mann hat mir heute Morgen einen Kuss gegeben und mir dann Glückwünsche zum Frauentag ausgesprochen", erzählt sie lächelnd. Am Abend, ist sie sich sicher, werde er bestimmt noch eine Überraschung mit nach Hause bringen.