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Die Bücherbande schlägt in Burbach zu

Noch ist der Burbacher offene Bücherschrank leer: Frank Schilling vom Kulturverein Burbach, rechts, und Christoph Endres von der Bücherbande wollen ihn füllen lassen. Foto: Endres
Noch ist der Burbacher offene Bücherschrank leer: Frank Schilling vom Kulturverein Burbach, rechts, und Christoph Endres von der Bücherbande wollen ihn füllen lassen. Foto: Endres FOTO: Endres
Saarbrücken. Seit zwei Jahren stellen sechs Freunde Schränke auf, aus denen man sich kostenlos Bücher nehmen darf, die andere Leute nicht mehr brauchen und deshalb in eben diese Schränke gestellt haben. Von SZ-Redakteur Martin Rolshausen

Es gab Rückschläge, ganz klar. Politiker würden in solchen Situationen sagen, es gebe da nichts zu beschönigen, würden dann aber doch erstmal ihren Wählern danken. Die Bücherbande spricht nicht von den Verlusten, sie macht einfach weiter. Begonnen haben die sechs Bandenmitglieder vor fast genau zwei Jahren. Da haben sie den ersten offenen Bücherschrank im Theater im Viertel am Landwehrplatz eröffnet. Es folgten fünf weitere an verschiedenen Orten in der Stadt.

In die offenen Bücherschränke kann jeder nicht mehr benötigte Bücher stellen. Wer möchte kann sich eins oder mehrere rausnehmen, sie irgendwann wieder zurückstellen oder einfach behalten. "Kostenlos, anonym und ohne jegliche Formalitäten" - so erklärt Christoph Endres, der inoffizielle Kopf der Bücherbande, das Konzept.

Sechs Schränke hat die Gruppe aufgestellt. Vier sind noch in Betrieb. Zwei musste man verlorengeben. Der eine steht in der "Hafenkneipe Dock IV" in der Dudweilerstraße. Das Dumme für die Bücherfreunde: Die Kneipe ist geschlossen.

Der Verlust des zweiten Schranks ist keinem vorläufig gescheiterten Gastronomiekonzept (einer Hafenkneipe mitten in einer Stadt ohne Meer) zu verdanken, sondern dem Sinn für Schönheit und Prinzipien, den der städtische Kulturdezernent Erik Schrader (FDP) entwickelt hat. Der wies die Bücherbande vor einem knappen Jahr an, den kurz zuvor erst im Hof der Stadtgalerie aufgestellten Schrank wieder zu entfernen.

Dass der Schrank wegmusste, begründete Schrader mit Optik und prinzipiellen Überlegungen. Der Stahlschrank passe nicht zum denkmalgeschützten Barock, sagte er. Genehmigt hatte den Schrank noch die Stiftung Saarländischer Kulturbesitz. Die hat die Galerie aber in die Hand der Stadt zurückgegeben und somit nichts mehr zu sagen.

Die vier verblieben Schränke, sagt Endres, "werden intensiv genutzt" - im Theater im Viertel, im Filmhaus, im Gebäude der Studentenvertretung Asta auf dem Uni-Campus und im Café der katholischen Hochschulgemeinde, ebenfalls an der Uni. Insbesondere im Theater im Viertel werden zurzeit mehr Bücher abgestellt als mitgenommen, aber das System funktioniere gut, versichert Endres.

Zusammen mit dem Kulturverein Burbach, der wie die Bücherbande 2011 gegründet wurde, stellen Endres und Co. am kommenden Freitag, 17.30 Uhr, den nächsten Schrank auf - und zwar im vom Verein betriebenen Kulturcafé in der Burbacher Straße 20.

kulturverein-burbach.de

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