Die Angst von Schwulen und Lesben vor einsamem Leben im Alter

Die Angst von Schwulen und Lesben vor einsamem Leben im Alter

In herkömmlichen Seniorenheimen herrsche gegenüber schwulen und lesbischen Bewohnern ein diskriminierendes Klima, sagt Gert Rickart. Sein Verein „Buntes Leben im Alter“ möchte daher eine Mühle sanieren und ein Altersheim für Homosexuelle eröffnen.

Dass es Verbesserungsbedarf in der Pflege alter Menschen gibt, ist unumstritten; bei Homosexuellen kommt hinzu, dass viele ihre sexuelle Orientierung in konventionellen Altenheimen verstecken müssen, da sie dort in einem eher intoleranten heterosexuellen Umfeld leben. Dies geht aus einer Studie des Kölner Sozialwissenschaftlers Markus Schupp hervor. Für die Diskriminierung sei weniger das Personal verantwortlich, sondern die Mitbewohner. Altwerden sei für Lesben und Schwule häufig mit einem "sozialen Tod" im Altenheim verbunden.

Abhilfe schaffen könnten da Altenzentren, die nur von Homosexuellen bewohnt werden - doch die gibt es bisher kaum, und wenn, dann in "schwulen Hochburgen" wie Köln oder Berlin. Gert Rickart möchte etwas gegen diesen Zustand tun. Er hat den Verein "Buntes Leben im Alter" (BLiA) gegründet, dessen Ziel es ist, ein "Wohnprojekt für Lesben , Schwule und ihre heterosexuellen Freunde in einer denkmalgeschützten Mühle" einzurichten. Im Saarbrücker Treffpunkt des Lesben- und Schwulenverbands Deutschland informierte er jetzt über das Vorhaben. Er berichtete von den schlimmen Erfahrungen seiner Verwandten mit dem Leben im Alter: Sowohl bei seiner Tante als auch bei seiner Mutter habe er Vereinsamung und mangelnde Ansprache erlebt. Zusammen mit der misslichen Lage von Homosexuellen im Alter ergab sich für Rickart daraus, dass er etwas gegen diese Zustände unternehmen möchte. "50 bis 80 Prozent der Lesben und Schwulen wünschen sich eine gemeinschaftliche Wohnform im Alter", sagte er. Als erster Schritt müsse nun eine alte Mühle gekauft werden: Diese steht in Steinalben zwischen Kaiserslautern und Pirmasens, einem Ort mit guter Zuganbindung an beide Städte, der Bahnhof liege in Fußweite. Die Uni in Kaiserslautern sei innerhalb einer Viertelstunde erreichbar. Wie die etwa 350 000 Euro Kaufpreis aufgebracht werden, stehe noch nicht genau fest, möglicherweise könne das über eine Stiftung geregelt werden, meinte Rickart. Im zweiten Schritt müsse das Gebäude saniert und umgebaut werden in zwei barrierefreie Wohnungen und drei Wohnungen für Studenten - das Konzept beinhaltet auch das Zusammenleben von Jung und Alt. Ein kleineres, ebenfalls zum Komplex gehörendes Mühlhaus und die Scheune könnten später noch ausgebaut werden. In drei Jahren könnten die ersten Bewohner einziehen. Platz gäbe es dort für 15 bis 20 Personen. Rickart selbst lebt offen schwul in Steinalben. Das sei unproblematisch, meinte er. Natürlich würden Zugezogene leichter in die Dorfgemeinschaft hineinwachsen, wenn sie über die Kinder andere Eltern kennenlernten. "Diskriminierung habe ich aber eigentlich nicht erlebt", sagte Rickart, der ursprünglich aus Landstuhl stammt und lange in Saarbrücken und Berlin gelebt hat. Sein Verein BLiA suche nun noch Mitstreiter, die den Traum vom "bunten Leben im Alter" zu verwirklichen helfen.

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