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Die Altersarmut wächst dramatisch

Regionalverband. Rund 47 000 Menschen, die im Regionalverband einen Vollzeitjob haben, verdienen damit den deutschen Durchschnittslohn oder weniger. Laut einer neuen Modellrechnung besteht die Gefahr, dass viele dieser Menschen als Rentner staatliche Hilfe brauchen werden. Jörg Laskowski

Verborgene Katastrophe: Die Altersarmut im Regionalverband (RGV) wächst dramatisch - viel schneller als im Bundesdurchschnitt und schneller als im restlichen Saarland. Schon heute ist der Anteil der Altersrentner, die im RGV Grundsicherungsgeld beantragen müssen, mit rund 5 Prozent weit über doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt mit rund zwei Prozent. (Grundsicherung bezahlt der Bund über den RGV an Altersrentner und erwerbsunfähige Menschen.)

Der Trend in absoluten Zahlen: Im Oktober 2014 bezogen 5750 Menschen im RGV Grundsicherung - das sind rund doppelt so viele wie im Jahr 2005, als die Grundsicherung eingeführt wurde.
Ursache Niedriglohn

Verantwortlich dafür sind laut RGV-Direktor Peter Gillo die hohe Langzeitarbeitslosigkeit und der ständig wachsende Niedriglohnsektor. "Arbeitslose, Teilzeitbeschäftigte, Minijobber und Geringverdiener", so erklärt Gillo, "haben im Alter nur geringe oder gar keine Rentenansprüche und sind abhängig von Sozialleistungen."

Wie das zusammenhängt, zeigt die neueste Modellrechnung zur Rente - aufgestellt Ende Oktober vom "Institut Arbeit und Qualifikation" (IAQ) der Universität Duisburg-Essen: 2900 Euro brutto sind derzeit der deutsche Durchschnittsverdienst. Und bei 690 Euro liegt die im Bundesdurchschnitt gewährte sogenannte Grundsicherung, inklusive möglicher Zuschüsse zu Miete und Heizkosten. Wer 2015 in den Ruhestand geht und wenigstens 690 Euro Rente haben will - der muss 28,3 Jahre lang die 2900 Euro verdient haben.

Wer erst 2030 in den Ruhestand geht und die 690 Euro Rente haben möchte - der muss dann schon 31,6 Jahre lang die 2900 Euro verdient haben. Und wer nur die Hälfte verdiente, also 1450 Euro , der muss 63,2 Jahre lang gearbeitet haben, damit er 2030 die 690 Euro bekommt.

Im RGV sind diese Einkommensgruppen schon heute erstaunlich groß: 46 731 Menschen - das ist etwa die Hälfte derer, die einen Vollzeitjob im RGV haben - verdienen 3000 Euro brutto oder weniger. Das erklärte die Saarbrücker Arbeitskammer mit Verweis auf die Entgeltstatistik der Agentur für Arbeit von 2012.

Dort sind 100 078 Vollzeitjobs (ohne Lehrlinge) im RGV registriert, bei denen die Bezahlung bekannt ist. Nach dieser Statistik arbeiten im RGV 2213 Leute Vollzeit für unter 1000 Euro im Monat. 15 692 Leute arbeiten Vollzeit für 1000 bis 2000 Euro . Und 28 826 Leute arbeiten Vollzeit für 2000 bis 3000 Euro . (Zum Vergleich: Im ersten Quartal 2014 verdienten Vollzeitbeschäftigte im Saarland - laut Landesamt für Statistik - im Schnitt 3366 Euro , im Bundesschnitt 3595 Euro .)

Natürlich wohnen die 46 731 Menschen nicht alle im RGV. Ein Teil sind Einpendler. Nicht berücksichtigt sind in dieser Statistik die Menschen, die nur in Teilzeit arbeiten.

Schon im Juli 2013 hatten 7400 Bewohner des RGV einen Voll- oder Teilzeitjob, bei dem sie so wenig verdienten, dass sie nicht ohne zusätzliche Hartz-IV-Unterstützung auskamen. Auch sie werden nur ganz kleine Renten erhalten und sind damit Anwärter auf die Grundsicherung.
38 000 Hartz-IV-Empfänger

Aber wenn ein Rentner zum Pflegefall wird, reicht die Grundsicherung nicht mehr. Schon 2013 bekamen weitere rund 1400 Rentner im RGV "Hilfe zur Pflege", also Zuschüsse für Pflegeheim oder mobile Altenpflege.

Diese Zahl wuchs 2011 um 15 Prozent. 2012 gab der RGV allein für die "Hilfe zur Pflege" etwa 12 Millionen aus.

Außerdem lebt heute bereits rund die Hälfte der saarländischen Hartz-IV-Empfänger im RGV: etwa 28 000 Erwachsene und 10 000 Minderjährige. 70 Prozent der Hartz-IV-Empfänger des RGV sind Saarbrücker.

Meinung:
Einfach alles wegquatschen

Von SZ-RedakteurJörg Laskowski

Noch ist sie ja fast nicht zu sehen - die Altersarmut . Außer bei ein paar Ausnahme-Anlässen wie der Heiligabend-Aktion. Oder? Quatsch! Jeden Werktag ab 14.30 Uhr verteilt die Saarbrücker Tafel Lebensmittel an Bedürftige - pro Woche rund 20 Tonnen an rund 4500 Leute, sagt die Tafel. Das ist heftig - aber noch lange nicht das Ende. Das Nettorentenniveau vor Steuern liegt 2015 bei 48 Prozent, 2030 bei 43 Prozent. (Norbert Blüm wollte 64 Prozent.) Was auf den Regionalverband zukommt, zeigt die brandneue Rechnung der Uni Duisburg-Essen. Und die deckt sich mit einer Rechnung aus dem Bundesarbeitsministerium von 2012. Nur die Stellungnahme der Deutschen Rentenversicherung ist Mumpitz. Die behauptet nämlich - grob vereinfacht: Vielen heutigen Rentnern geht's gut, weil wir früher eine gute Rentenformel hatten - und deshalb wird in ferner Zukunft mit einer miesen Formel auch alles super laufen. Außerdem kassieren ja viele Rentner Kapitaleinkünfte, Miete und Pacht. Hä? Der Regionalverband wird bald das Gegenteil beweisen.

Zum Thema:

HintergrundDie Deutsche Rentenversicherung Bund erklärt, die Beispiele des IAQ der Uni Duisburg-Essen seien "reine" Modellrechnungen: "Ein Durchschnittsverdiener, der sein Berufsleben lang gearbeitet und Beiträge gezahlt hat, wird auch künftig eine Rente bekommen, die deutlich über dem Grundsicherungsniveau liegt. Außerdem gibt die Höhe der gesetzlichen Rente alleine keine Auskunft über die Einkommenslage von Rentnerhaushalten. Rentnerhaushalte verfügen in vielen Fällen über Einkünfte aus weiteren Quellen, beispielsweise Betriebsrenten, Kapitaleinkünfte oder Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung."Das durchschnittliche Nettoeinkommen eines Rentner-Ehepaars im Westen liege bei "über 2500 Euro ", im Osten bei rund 2000 Euro . "Von den Altersrentenbeziehern, die die Regelaltersgrenze von derzeit 65 Jahren und drei Monaten erreicht haben, beziehen nur rund zwei Prozent zusätzlich Grundsicherung, weil Rente und weitere Einkommen zusammen unter dem Grundsicherungsniveau liegen." fitz