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Die Alternative zur Schlossallee

Alina Herr und Alexander Komar sind von ihrem Spiel überzeugt und hoffen auf finanzielle Unterstützung. Foto: Komar/Herr
Alina Herr und Alexander Komar sind von ihrem Spiel überzeugt und hoffen auf finanzielle Unterstützung. Foto: Komar/Herr FOTO: Komar/Herr
Saarbrücken. Das Pädagogen-Pärchen Alina Herr und Alexander Komar will mit einem Brettspiel die Diskussion zum bedingungslosen Grundeinkommen anregen. Zur Umsetzung fehlt es den zwei Saarbrückern aber noch an Geld. Sarah Umla

Rote, schwarze und grüne Spielsteine liegen über gelben Steinchen auf einem Spielbrett gestapelt. Alina Herr und Alexander Komar halten jeweils fünf Aktionskarten in der Hand. Neben dem Spielbrett liegt ein weiterer Kartenberg - es sind Situationskarten. "Auf ihnen stehen Dinge, die dein Leben einfach beeinflussen, die du nicht aufhalten kannst", erläutert Herr. Damit meint die 24-Jährige Schicksale, wie ein Unfall oder die plötzliche Kündigung des Arbeitsplatzes.

Das Brettspiel der beiden Pädagogen trägt den Namen "Gesellschafts-Spiel" und soll das bedingungslose Grundeinkommen (BGE) für alle erfahrbar machen. "Uns kam die Idee während des Monopoly-Spielens, was ja das kapitalistische Spiel ist. Wir wollten das Gegenteil dazu schaffen", sagt Komar. Beim BGE handelt es sich um ein gesellschaftliches Konzept, das allen Bürgern einen monatlichen Grundbetrag zur Verfügung stellt, unabhängig davon, ob die Person berufstätig ist oder nicht. "Wir sind davon überzeugt, dass es dann mehr Gründer geben und sich deutlich mehr Leute zum Beispiel im Sozialen engagieren würden", sagt der 30-Jährige.

Das Pädagogen-Pärchen aus Saarbrücken ist schon seit mehreren Jahren von dem Konzept überzeugt. Seit Juni arbeiten sie aktiv an dem Spiel. Ihnen war es vor allem wichtig, dass es kein Buch oder Computerspiel ist - die Haptik sei wichtig. "Es geht um die Diskussion, um das gemeinsame am Tisch sitzen", erläutert Komar. "Wir wollen niemanden von dem BGE überzeugen, sondern zur Diskussion anregen", fügt Herr hinzu. Das "Gesellschafts-Spiel" ermögliche den Spielern, sich auszuprobieren, sich selbst zu entfalten, kreativ zu sein und auch Risiken einzugehen. Insgesamt geht das in vier Bereichen: Soziales, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur. Jeder Spieler entscheidet selbst, wie und wofür er sich engagiert. Und wer gewinnt? "Die Gesellschaft", antwortet Komar schmunzelnd. Es gebe eigentlich mehrere Möglichkeiten, Gewinner zu küren. Vier Gewinner für die vier Bereiche - und natürlich wer insgesamt die meisten Karten ausgespielt hat.

Die Feinheiten des Spiels seien noch nicht alle ausgeklügelt, aber im Sommer soll das "Gesellschafts-Spiel" dann im Online-Shop erhältlich sein. "Davor brauchen wir aber noch jede Menge Unterstützer", sagt Herr. Mindestens 12 500 Euro benötigen Komar und Herr, um 500 Spiele zu finanzieren, das sei aber sehr knapp bemessen. "Der Idealfall wären natürlich 17 500 Euro, dann könnten wir 1000 Spiele produzieren", erklärt die 24-Jährige.

Die Finanzierung soll über eine Crowdfunding-Kampagne sichergestellt werden. Wer eine kleine Summe spendet, bekommt auch ein Dankeschön - und zwar das Spiel. "Wir erhalten durch Crowdfunding auch Rückmeldung von den Leuten", sagt Komar. Die Kampagne zeige, wie das Spiel bei den Menschen ankomme. "Wir wollten auch von keinem einzelnen Sponsor abhängig sein, Freiheit ist uns sehr wichtig", meint der 30-Jährige.

Und das "Gesellschafts-Spiel" soll auch nicht das letzte gemeinsame Projekt gewesen sein. Derzeit beschäftigt sich das Pädagogen-Paar mit den Themen Coaching und Persönlichkeitsentwicklung, ob es wieder ein Spiel wird, ist jedoch noch offen.

das-gesellschafts-spiel.de

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