„Deutschland ist meine Heimat“

Im März 2005 begann Jocelyne Wolfram einen Deutschkurs am Goethe-Institut in Mannheim. Danach zog sie nach Saarbrücken, um Deutsch-Französisches Recht zu studieren. Inzwischen ist sie eingebürgert.

Auf dem Gesicht von Jocelyne Wolfram (30) liegt ein strahlendes Lächeln, als sie am 4. April den Festsaal des Rathauses St. Johann zur Einbürgerungsfeier betritt. An ihrer Hand hält sie ihren Ehemann Daniel (35). "Für mich ist die deutsche Staatsbürgerschaft eine Befreiung. Endlich brauche ich kein Visum mehr, wenn wir mal verreisen", sagt die gebürtige Kamerunerin Tage später.

Aus einem Umschlag zieht sie ihre deutsche Einbürgerungsurkunde: "Ich dachte, ich bring' sie mit!" Die Urkunde ist das Dokument ihres Gefühls: "Deutschland ist heute meine Heimat."

Im März 2005 kommt sie zum Studieren nach Deutschland. Der Vater riet dem jüngsten seiner zehn Kinder, die Welt kennenzulernen. "Er selbst studierte Medizin in Rennes in Frankreich." Die junge Frau beherzigt den väterlichen Rat: "Aber wenn schon Ausland, dann wollte ich gleich eine neue Sprache lernen. Französisch ist die Amtssprache in Kamerun. Also entschied ich mich für Deutschland."

Doch vier Monate bevor sie den Sprung in die Fremde wagt, stirbt ihr Vater. "Das war ein Schock. Ich hab' meine Familie in meiner Heimatstadt Yaoundé schweren Herzens zurückgelassen." Doch sie konzentriert sich auf ihr neues Leben, absolviert in Mannheim am Goethe-Institut einen Deutschkurs. "Danach wollte ich Jura studieren. Saarbrücken bot den Masterstudiengang in Deutsch-Französischem Recht. Mir gefiel die kleine, ruhige Stadt." Mit 400 Euro im Monat unterstützt sie ihr älterer Bruder, der in Kanada lebt. "Den Rest musste ich selbst verdienen." In den Semesterferien jobbt sie bei einem Autozulieferer, im Callcenter und einem Altenheim. Die Anfangszeit in der Fremde war nicht einfach. "Ich habe meine Familie vermisst, fühlte mich manchmal allein. Zu Beginn hat es mich sehr verletzt, wenn mich jemand wegen meiner schwarzen Hautfarbe angegriffen hat. Auch heute kommt es noch vor, dass mir Rassismus entgegenschlägt. Mittlerweile perlt das einfach an mir ab. Ich bin stolz, schwarz zu sein."

Ihren saarländlichen Ehemann Daniel lernte sie 2006 auf einer Party kennen. "2009 haben wir geheiratet", strahlt sie. 2012 machte sie den Master in Deutsch-Französischem Recht. Gerade pendelt sie zwischen Saarbrücken und Luxemburg und absolviert das zweijährige Aufbaustudium "Les cours complémentaires en droit luxembourgeois (CCDL)".

Die 30-Jährige kann sich vorstellen, nach ihrem Staatsexamen, in Luxemburg zu arbeiten, "aber ich will im Saarland leben". Wenn sie heute ihre Familie besucht, merkt sie, dass sie sich verändert hat: "Meine Mutter findet, dass ich mich viel zu schnell aufrege, aber mich nervt es, wenn einfache Sachen nicht klappen. Ein Beispiel? Ich musste einen neuen Pass beantragen. Vier Wochen war ich vor Ort. Die Behörde hat es nicht geschafft, mir in der Zeit einen Pass auszustellen. Der Karton, aus dem die Pässe gemacht werden, war aufgebraucht. Kein Karton, kein Pass", sagt sie kopfschüttelnd. "Ich mag es, dass in Deutschland alles geregelt ist. Wenn ich auf dem Bürgeramt etwas zu erledigen habe, klappt das auch."