Deutsch-Nachhilfe für ausländische ÄrzteÄrzte-Sprachkurse sind stark gefragt

Deutsch-Nachhilfe für ausländische ÄrzteÄrzte-Sprachkurse sind stark gefragt

Saarbrücken. Sein Name: Nikolaos Boussios. Sein Alter: 39. Seine Mission: den Ärztemangel im Saarland zu bekämpfen. Seine größte Hürde: die deutsche Sprache. Boussios kommt aus Griechenland. Er ist Nuklearmediziner und wird ab dem 1. April in einer radiologischen Praxis in Saarbrücken arbeiten

Saarbrücken. Sein Name: Nikolaos Boussios. Sein Alter: 39. Seine Mission: den Ärztemangel im Saarland zu bekämpfen. Seine größte Hürde: die deutsche Sprache.

Boussios kommt aus Griechenland. Er ist Nuklearmediziner und wird ab dem 1. April in einer radiologischen Praxis in Saarbrücken arbeiten. Gerade einmal dreieinhalb Monate Zeit hat er, um sich auf seine neue Arbeit in Deutschland vorzubereiten. Keine leichte Aufgabe - doch Boussios meistert sie mit Bravour. Fachwörter und schwierige Begriffe kommen ohne Probleme über seine Lippen. Denn Nikolaos Boussios hat einen Intensiv-Sprachkurs für Ärzte absolviert.

Deutsche Praxen und Kliniken befinden sich in einem misslichen Zwiespalt: Einerseits herrscht im medizinischen Bereich ein Fachkräftemangel, der viele ausländische Ärzte anlockt. Andererseits fehlen diesen oft die Deutschkenntnisse, um sich mit Patienten und Kollegen verständigen zu können (die SZ berichtete). Wegen der großen Nachfrage sind nun die ersten Sprachkurse speziell für Ärzte entstanden.

Boussios hat einen Intensiv-Einzelkurs im Carl-Duisberg-Centrum (CDC) erhalten. Das bedeutet: Acht Stunden Deutschunterricht pro Tag mit zwei Lehrerinnen, die ihm die deutsche Grammatik beibringen und ihm helfen, seinen Wortschatz zu erweitern. Dazu kommen Übungen, die er für seinen Job braucht. "Patientengespräche, medizinische Begriffe, Aminosäuren, Ärzteblätter und Kollegengespräche", zählt der Nuklearmediziner auf. Ein hartes Stück Arbeit, doch Boussios hat sich durchgebissen. "Die deutsche Sprache ist zwar kompliziert, aber sehr gut organisiert", findet er. Den speziellen Arzt-Deutschkurs bietet das CDC an, weil es den Fachkräftemangel der Kliniken mitbekommt. "Die Nachfrage ist da", sagt Ellen Awais vom CDC. "Das hören wir auch von unseren anderen Häusern in Deutschland."

In seiner Heimat hatte Boussios drei Jahre lang als Oberarzt in der Radiologie einer Uniklinik gearbeitet. Wegen der Wirtschaftskrise wurde sein Vertrag aber nicht verlängert, eine andere Stelle fand er nicht. Der Umzug nach Deutschland ging sehr schnell. Ein Freund von ihm arbeitet in Homburg als Arzt. An ihn schickte er von Griechenland aus eine Bewerbung. Dieser leitete sie an eine Personalberatung weiter. "Eine Stunde später rief mich eine Dame von der Personalberatung an", erzählt der Grieche. "Vier Tage später hatte ich mein Bewerbungsgespräch in Saarbrücken - noch auf Englisch." Das war kurz vor Weihnachten. Schon Mitte Januar zog er nach Deutschland, seine Frau und die vier Kinder musste er erst mal zurücklassen. Sie sollen ihm bald nachfolgen.

"Saarbrücken ist eine schöne Stadt", sagt Boussios. Besonders die Nähe zu Frankreich und Luxemburg gefalle ihm. Es gibt jedoch noch eine weitere, große Hürde, die er bewältigen muss: "Der Dialekt hier ist so schwer. Wenn ich im Zug sitze, verstehe ich gar nichts", sagt er und lacht. Kann er denn schon etwas auf Saarländisch sagen? Nikolaos Boussios nickt und sagt: "Ei jo." Wie kommt es, dass das DWSaar nun einen Sprachkurs für Ärzte anbietet?

Horzella: Seit dem vergangenen Jahr steht der Kurs "Deutsch für den Beruf" auch bereits Berufstätigen offen, vorher nur Arbeitssuchenden, die vom Jobcenter vermittelt wurden. Die saarländische Krankenhausgesellschaft ist dann auf uns zugekommen, da sie einen deutlichen Bedarf an Sprachkursen für Ärzte hat.

Worin unterscheidet sich der Ärzte-Sprachkurs von einem normalen Sprachkurs?

Horzella: Der Kurs behandelt berufsspezifische Inhalte wie Gespräche mit Patienten, Befunde und Arztbriefe. Dabei unterstützen zwei Ärzte die Deutsch-Dozentin. Der Unterricht findet nach der Arbeit statt, nämlich abends und am Wochenende. Zum Schluss sollen die Teilnehmer auf das C1-Sprachniveau kommen, also fortgeschrittene Sprachkenntnisse vorweisen können.

Wie wird das Angebot aufgenommen?

Horzella: Die acht Plätze sind belegt, der Kurs ist somit ausgebucht und wir hatten noch weitere Anfragen. Ich rechne fest damit, dass wir das Angebot wegen der hohen Nachfrage in Zukunft ausweiten werden.