Der Zirkus mit Bartabas und Igor

Die Brasserie in der Fröschengasse ist ein Stück Stadtgeschichte. Vor 44 Jahren wurde sie eröffnet. Damit ist sie eine der ältesten Kneipen in der Stadt. Aber die „Brass“ ist auch ein Ort, an dem Geschichten erzählt werden – die von Igor und Bartabas zum Beispiel.

Die Geschichte , wie Micha Weber Frank Zappa aus der Brasserie rausgeworfen hat, weil der Weltstar 1978 nach einem Konzert im Ludwigspark in der damals noch jungen Saarbrücker Kneipe eine Frau belästigt hat, wird immer wieder erzählt. Dass Micha Weber Künstlern, denen man anderswo die Tür vor der Nase zuschlug, Asyl gewährt hat, ist weniger bekannt.

Es sei 1980 gewesen, erinnert sich Micha Weber, als er mit einem Freund in Avignon beim Theaterfestival war. Was er dort erlebte, war beeindruckend. Besonders eine Gruppe um die beiden jungen Künstler Bartabas und Igor faszinierte ihn: der Cirque Aligre, ein Zirkus mit viel Akrobatik und mit Pferden, der weit entfernt war von dem, was man damals aus deutschen Manegen kannte.

"Ich habe Jochen Zoerner-Erb angerufen und ihm gesagt: Die musst du haben." Jochen Zoerner-Erb war damals Leiter des ebenfalls noch jungen Saarbrücker Perspectives-Festivals. Und zu dem wurde der Cirque Aligre dann 1981 auch eingeladen. "Die waren damals noch recht unbekannt, kurz danach waren die aber in Frankreich dann schon eine große Nummer", sagt Weber.

Und nicht nur in Frankreich. Durch ganz Europa tourte die Truppe in den folgenden Jahren. Aus dem Cirque Aligre wurde der Cirque Zingaro. In der Brasserie hängt noch das Zirque-Aligre-Plakat. Gegenüber ein großes Foto von der Baracke, in der die Artisten später ihr Programm zeigten. 1984, erinnert sich Micha Weber, waren die zu Zirkus-Stars gewordenen Aligre-Leute wieder in Saarbrücken. "Das Zelt wurde vor dem Staatstheater aufgebaut. Und die Vereinbarung war, dass sie die Duschen im Theater benutzen dürfen", erzählt der Brasserie-Wirt.

Als "Bartabas mit seiner Irokesenfrisur" dann aber ins Theater wollte, sei das dem Pförtner offenbar nicht ganz geheuer gewesen - er hat ihm den Einlass verwehrt.

"Ich habe damals auch noch am Markt gewohnt. Die haben dann bei mir geduscht. Und die Waschmaschine lief den ganzen Tag", erzählt Micha Weber. Die Geschichte ist ihm eingefallen, als er gehört hat, dass Igor in diesen Tagen in Metz ist.

Er gastiert dort mit dem Théâtre Dromesko, das er mit seiner Frau Lily - zunächst als Volière Dromesko - aufgebaut hat. Bartabas sei leider nicht mehr dabei, der habe ja dann irgendwann nur noch sein "Pferdeding" gemacht, sagt Micha Weber. Das allerdings sehr erfolgreich. Als Bartabas zum Perspectives-Festival 2009 seine "Pferdeoper" nach Saarbrücken brachte, lockte er damit rund 4000 Besucher ins E-Werk. Die Zahl beeindruckt Micha Weber allerdings nicht so sehr, wie das, was in den 80er Jahren passiert ist. Damals kamen noch nicht so viele Besucher, sagt er, aber man hat gemerkt: "Artisten sind in der Stadt". Igor und Bartabas seien nicht zu übersehen gewesen.

„Robust ging es früher manchmal beim Festival zu. Der Cirque Aligre stürmte 1981 den offiziellen Empfang“, hieß es in der SZ zu diesem Perspectives-Foto. Archiv-Foto: Hartung Foto: Hartung

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Auf einen BlickDas Théâtre Dromesko gastiert bis Samstag beim Festival Passages auf der Place de la République in Metz. Die Aufführungen sind am Montag, 11. Mai, 18 Uhr, am Dienstag, 12. Mai, 19Uhr, am Donnerstag, 14. Mai, 20.30 Uhr, am Freitag, 15. Mai, 20.30 Uhr, und am Samstag, 16. Mai, 18.30 Uhr.Karten gibt es unter Telefon 00 33 07 81 68 34 40, E-Mail billetterie@festival-passages.frfestival-passages.frdromesko.net