Der Wille zur Kunst fährt in die Parade

Was als spannender Thriller beginnt, scheitert durch die Anleihen aus der antiken Tragödie. Eveline Sebaa überzeugt mit ihrem Stück „Steinbruch“, das am Freitag Premiere feierte, nicht ganz, zeigt aber Mut zum Experiment.

Ein Mann schubst zwei Frauen in die Ecke eines Zimmers. Ihre Köpfe stecken, damit sie nichts sehen können, unter Tüchern, an den Händen sind sie gefesselt. Wie ein Thriller beginnt das Theaterstück "Steinbruch", mit dem sich Eveline Sebaa, ein Neuzugang für die Saarbrücker Freie Szene am Wochenende im Theater im Viertel vorstellte. Die Regisseurin, Dramatikerin und Poetin, die seit ein paar Jahren in Saargemünd lebt, wohnte und arbeitete vorher in Köln.

Von dort hatte sie nun ihre Theatergruppe, das "TannenZapfenStreichQuartett in mollnatur" zu einem Gastspiel nach Saarbrücken hergeholt. Worum es geht in "Steinbruch" erfährt man vorab aus dem Programmheft: Ein Manager, der gerade entlassen wurde und seine Wohnung verlieren wird, rächt sich, indem er die Frau seines Chefs entführt und deren zufällige Besucherin gleich mit. Der Täter sieht sich als Opfer, will die Frauen demütigen. Die wiederum halten zusammen und bieten durchaus mal Paroli. Erst redet er von Lösegeld, am Ende sind die Frauen im Zimmer tot. Ein Mann sieht rot, ein Mann dreht durch, also.

Doch dem spannenden Thriller, den man erwarten könnte, fährt hier der Wille zur Kunst in die Parade. Denn Sebaa will ihr "Schicksal" aus der heutigen Finanzkrise mit einem Hauch antiker Tragödie überhöhen. So nennt sie die Protagonisten nicht nur Tantalos, Juno und Iris, sie mixt auch munter die Sprachstile. Übergangslos reden die drei mal im hohen Tragödien-Ton, mal wie im derbsten B-Movie, oder sprachspielerisch wie in experimenteller Lyrik. Das wirkt allerdings weniger schlüssig als manieriert. Während das Bühnenbild und die Kostüme, ganz in Schwarz und Weiß, durch diese Reduktion überzeugen, vermisst man bei den Darstellern Jessica Sinapi (Juno), Frank Baumstark (Tantalos) und Heike Huhmann (Iris) doch oft Zwischentöne zwischen Zurückgenommenheit und - vor allem bei Tantalos - Brüllen. Heißt es nicht zu Recht: Kunst beinhaltet immer das Risiko zu scheitern. Sebaa zeigt Mut zum Experiment, deshalb sollte man gespannt sein, was wir von diesem neuen Talent in der Freien Szene Saarbrückens noch zu erwarten haben.