„Der Wald zeigt mir, wo er hinwill“

Völklingen · Natur pur, das ist nicht das Ziel, sagt Forst-Fachfrau Sandra Hartmann, die den Völklinger Stadtwald betreut. Aber naturnah soll es zugehen. Dabei zählt für Hartmann vor allem die Pflege der Einzelbäume.

"Wir arbeiten mit der Natur", sagt Sandra Hartmann beim Besuch in der SZ-Redaktion. Aber Natur pur, das funktioniere nicht. Jedenfalls nicht im Völklinger Stadtwald, für den die 34-jährige Forstingenieurin seit Februar 2012 zuständig ist. Ein Wald, der bewirtschaftet wird - sprich: in dem Holz zum Verkauf eingeschlagen wird - und der vor allem der Erholung dient, bedürfe der Pflege, sagt Hartmann.

Da sind zum einen die "Erholungseinrichtungen": Bänke, Geländer, Treppen, Brücken, Schutzhütten. An denen arbeitet Hartmann derzeit mit ihrem achtköpfigen Team. Vier Wochen habe es gedauert, all das zu inventarisieren, zu überprüfen, ins Kontrollbuch einzutragen, berichtet sie. Jetzt werde alles, was morsch ist, erneuert. Bis September soll die Arbeit fertig sein.

Und dann ist da die Hauptsache: der Wald selbst. Der Baumbestand soll als "Dauerwald" wachsen. Also nicht, wie früher manchmal praktiziert, in einer Abfolge von Kahlschlägen und Neupflanzungen - zum Dauerwald gehört eine Mischung der Altersklassen. Neben großen, dicken Bäumen, Jahrzehnte alt, sollten immer auch Stämmchen mit wenigen Zentimetern Durchmesser und nur ein paar Metern Höhe wachsen. Und frische Sämlinge, gekeimt aus den Früchten der benachbarten Baum-Senioren. "Naturverjüngung" nennen Forstleute das: Der Wald sorgt selber für sein Fortbestehen.

Weil er dabei aber den Menschen nützen soll - als Holzlieferant und Erholungsraum - , sind menschliche Eingriffe nötig. "Es geht immer um den Einzelbaum", sagt Hartmann: Der soll sich so entwickeln können, dass er Stürmen trotzt und nach Jahrzehnten gutes Holz liefert. Das kann er nur, wenn er genug Platz, Licht, Luft, Wasser bekommt. Sämlings-Wildwuchs produziert erstmal viele dünne Stangen nebeneinander, die um die Wette in die Höhe schießen. Die Forstleute, sagt Hartmann, lesen daraus im Dienst der "Vorratspflege" die besten Exemplare aus - und fällen den Rest: "Für jeden Baum, der bleiben soll, muss ich ein bis drei Bedränger herausnehmen." So bleibe der Bestand stark und vital. Was ihn auch schütze gegen "Kalamitäten", also Krankheiten, Pilze oder Fraßfeinde wie den Borkenkäfer. So wachse zudem die biologische Vielfalt, weil gesunder Wald Lebensraum biete für viele Tieren und Pflanzen.

Diese Naturnähe ist nicht nur eine leere Formel: "Der Stadtwald ist PEFC-zertifiziert", sagt Hartmann. Das Kürzel steht für nachhaltige Waldbewirtschaftung nach international festgelegten Standards, deren Einhaltung ständig überprüft wird.

Zur Naturnähe gehört auch, zu fördern, was am jeweiligen Fleck besonders gut gedeiht, mal Buchen, mal Eichen, mal andere Baumarten: "Der Wald erzählt mir viel", sagt Sandra Hartmann, "er zeigt mir, wo er hinwill." Dazu gehört auch die Jagd: Rehe etwa fressen gerne Jungwuchs - zu viele Rehe können Wäldern ernsthaft schaden. > Weiterer Bericht folgt.

Zum Thema:

Auf einen BlickZum Waldfest am Völklinger Forsthaus am Simschel (Zum Wasserwerk 20) sind die Bürger am Samstag, 14., und Sonntag, 15. September, eingeladen. Sie können sich informieren über die Verwendung von Holz, über den Stadtwald, über Imkern und Sportfischen, können beim Drechseln und Motorsägenschnitzen zusehen. Für Musik sorgen die Brass Band Ludweiler und das Jagdhornbläserkorps Dietrichsberg. dd

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort