„Der Wackenberg genießt seinen Aufstieg“

Nach 36 Jahren hört Armin Kuphal bei der Stadtteilzeitung „Wackenberger Echo“ auf. Der Saarbrücker Soziologe kennt das Wohngebiet und seine Bewohner sehr gut – und hat einen Wandel miterlebt.

Wenn Armin Kuphal den Wackenberg in St. Arnual beschreibt, kommt er ins Schwärmen: "Ein wunderbarer Stadtteil, der abseits des Durchgangsverkehrs liegt. Es gibt einen großen alten Spielplatz und alten Baumbestand. Alles ist ganz ruhig." Kuphal wohnt zwar nicht dort, kennt das Viertel mit der markanten Kaserne von 1918 aber wie seine Westentasche. Als Sozialarbeiter des Vereins Pädagogisch-Soziale Aktionsgemeinschaft (Pädsak) kam er in den 1970er-Jahren in diesen Stadtteil. Der promovierte Soziologe war so "mitten im Leben". Es sei das "Privileg meines Lebens, dass ich beide Berufe nebeneinander ausüben konnte und sich beide wunderbar ergänzt haben", sagt er. Seit zwei Jahren ist Kuphal im Ruhestand. Die Siedlung habe über die Jahre an Wert gewonnen, sei ordentlicher geworden: "Der Wackenberg genießt seinen Aufstieg." Graffiti? Fehlanzeige.

Die Kehrseite: Auch für Mieter, die finanziell besser gestellt sind als die angestammten Wackenberger, werden Wohnungen attraktiv - und die Mieten steigen. "Da ist ein Träger wie die Pädsak sehr wachsam", verhindern könne man es aber nicht.

Finanzielle Probleme kennt auch der Verein selbst. Zwar sei das Verhältnis zur Stadt und zum Regionalverband als Geldgebern gut, zurzeit handele die Pädsak mit ihnen einen Fünfjahresvertrag aus. Da aber EU-Fördergelder künftig wegfallen, wird es allein zwei Stellen für Arbeitslose, die anderen Jobsuchenden Know-how beim Kochen vermitteln, ab kommendem Jahr wohl nicht mehr geben. Für dreieinhalb Stellen komme die Stadt auf, "ansonsten müssen wir die gesamte Beschäftigungsschiene aus Spenden und Drittmitteln bezahlen". Aus den vielen Projekten der Pädsak hebt Kuphal die Bildungsarbeit hervor.

Ein Beispiel: Das Interesse an einer Führung durch den Weltkriegs-Bunker unter dem Wackenberg sei überwältigend gewesen. "Es ist ein schönes Erlebnis, Menschen in ihrer unmittelbaren Umgebung Dinge zu zeigen, die sie so noch nicht wahrgenommen haben", erklärt Kuphal. Das führe dazu, dass die Menschen stolz auf ihr Viertel sind und es als lebenswert empfinden.

Kuphals Steckenpferd ist das "Wackenberger Echo". Die Stadtteilzeitung erscheint seit 1976, wird kostenlos auf dem Wackenberg und an Behörden verteilt. Darin stehen Geschichten über Einheimische, Nachrufe, Politisches ebenso wie Alltägliches. Kuphal war bisher der Hauptverantwortliche. Er sieht das "Wackenberger Echo" als eine Art Tagebuch. "Die Themen wandern mir zu", verrät der erfahrene Blattmacher, denn "überall lauern Storys". Dass die Wackenberger sich und ihre eigene Lebenswelt im "Echo" wiederfinden, ist Kuphal besonders wichtig. Regelmäßig zieht auf der Suche nach Schnappschüssen durch die Siedlung, in der rund 2500 Menschen wohnen. Im Laufe der Jahre hat er dabei einen Mentalitätswandel bemerkt: "Ganz am Anfang sind die Wackenberger davongelaufen, wenn ich mit der Kamera kam. Es war für sie fremd, abgebildet zu werden." Inzwischen fragten die Bewohner eher kritisch nach, wenn sie kein Bild von sich in der Stadtteilzeitung finden. "Das ist doch schön, wenn jemand so ein Bewusstsein des eigenen Wertes entwickelt", sagt der Sozialarbeiter.