Der unbedingte Wille zum Jazz

Saarbrücken. "Ich wollte diese Musik unbedingt machen, weil sie das Zentrum meiner Kreativität ist." Heute kein Problem, wenn die Begabung für ein Musikstudium reicht. Als Georg Ruby 1979 das Fach Jazz studieren will, ist es eins. Es gibt den Studiengang schlichtweg nicht. Mit fünf hatte er angefangen, Klavier zu spielen, ab dem 13. Lebensjahr erste Banderfahrungen gesammelt

Saarbrücken. "Ich wollte diese Musik unbedingt machen, weil sie das Zentrum meiner Kreativität ist." Heute kein Problem, wenn die Begabung für ein Musikstudium reicht. Als Georg Ruby 1979 das Fach Jazz studieren will, ist es eins. Es gibt den Studiengang schlichtweg nicht.Mit fünf hatte er angefangen, Klavier zu spielen, ab dem 13. Lebensjahr erste Banderfahrungen gesammelt. Er nimmt an der Musikhochschule in Köln neben dem Klavier- das Klarinettenstudium auf, da er glaubt, für eine klassische Pianistenlaufbahn zu kleine Hände zu haben. Wie sich herausstellt, eine glänzende Idee, denn da lernt er "alle Leute kennen, die Jazz-affin sind, aber das Fach nirgendwo studieren können", erzählt er.

Nachdem er mit Freunden die Jazz-Haus-Initiative gegründet hat, "rutscht er als Pianist immer mehr in den Jazzbereich". Die Stadt Köln kommt zur Hilfe, stellt als Raum den mittlerweile legendären "Stadtgarten" zur Verfügung. Festivals werden organisiert. Ruby tritt mit eigenen Projekten an die Öffentlichkeit (das Geld verdient er an einer Musikschule), macht sich als Solopianist einen Namen, dazu als Chef des Kölner Blue Art Orchestra, mit dem er 1997 den Deutschen Orchesterwettbewerb gewinnt.

Als Folge dieser "kulturellen Initiativen im Jazz-Haus haben wir erreicht, dass 1984 in Köln der erste deutsche Studiengang für Jazz eingerichtet wurde", sagt Ruby nicht ohne Stolz. Heute zeichnet Professor Georg Ruby, der gerne in der Eifel zu Hause ist, verantwortlich für den Jazz-Studiengang an der Hochschule für Musik (HfM) Saar in Saarbrücken, auf einer Dreiviertel-Stelle, da er im selben Maß Musiker sein möchte, wie er Hochschullehrer ist. Seit Jahren betreibt er das Kölner Label JazzHausMusik, ist als Solopianist und mit seinem Trio "Village Zone" unterwegs.

Jetzt wurde Rubys CD "Deuxième Bureau", die er mit einem der weltweit angesehensten Bassklarinettisten, Michel Pilz aus Luxemburg, herausgebracht hat, vom wichtigsten Jazzmagazin New Yorks, "The New York City Jazz Rekord", zur Platte des Jahres ausgelobt. "Eine herausragende Nachricht, obwohl Europa dabei ist, in punkto Improvisationskonzepten den USA den Rang abzulaufen", kommentiert Ruby die Auszeichnung.

Er hat sich dem Genre Jazz-Improvisation verschrieben, und gerade die speziellen Konzepte dieses Albums wurden honoriert: freie Improvisation, musikalische Interaktion zwischen Bassklarinette und Klavier, das spielerische Verweben verfremdeter Klänge, zum Beispiel durch das "präparierte Klavier", die im Dialog mit einem anderen Instrument eine außerordentliche Wirkung erzielen.

Wie muss ein Mensch sein, der diese Art von Musik macht? Ruby bezeichnet sich als sehr organisiert und diszipliniert. Das müsse man in diesem stark selbst organisierten Geschäft sein. Auch beim Komponieren profitiere er davon.

Die 15 Titel des Albums "Deuxième Bureau" entstanden live auf der Bühne. Das funktioniere nur, wenn die Akteure innerhalb dieses Genres aufeinander eingespielt seien, erläutert Georg Ruby. Dazu seien Hörerfahrungen ebenso wichtig wie extrem schnelles Reagieren auf die Impulse des Kollegen. "Nur so entsteht der kreative Dialog".

georgruby.de