Der Traum: Ein Kinderkunsthaus

Im Mai werden wieder die Kinder ans Saarbrücker Schloss strömen zur Europäischen Kinder- und Jugendbuchmesse. SZ-Redakteurin Susanne Brenner wollte von Messe-Programmchefin Astrid Rech wissen, was uns dieses Jahr erwartet.

 (Vor-)Lesen macht Spaß, wie unser Archivfoto zeigt. Foto: Messe
(Vor-)Lesen macht Spaß, wie unser Archivfoto zeigt. Foto: Messe Foto: Messe
 Astrid Rech. Foto: iris Maurer
Astrid Rech. Foto: iris Maurer Foto: iris Maurer
 Das Plakat der Messe hat Mehrdad Zaeri gestaltet. Foto: Messe
Das Plakat der Messe hat Mehrdad Zaeri gestaltet. Foto: Messe Foto: Messe

Was ist für Sie das Besondere an ,,Ihrer'' Kinder- und Jugendbuchmesse?

Astrid Rech : Das Motto der Buchmesse ist ja ein immerwährendes: Bücher bauen Brücken. Wenn zu Beginn unseres Bücherfestes Menschen aus der ganzen Welt zusammentreffen, sich in Saarbrücken kennenlernen und am Ende als Freunde voneinander Abschied nehmen - dann ist das in jedem Jahr wieder ein ganz großes, wunderschönes Ereignis. In unserem relativ kleinen, überschaubaren Rahmen ist dieses Persönliche möglich. Zum 15. Mal gibt es die Buchmesse schon. Wahrscheinlich kann man unter den Besuchern heute schon Eltern finden, die selbst als Kinder hier bei Lesungen waren. Finden die noch das Gleiche vor? Oder haben sich Themen und Schwerpunkte der Kinder- und Jugendliteratur in diesen Jahren verändert?

Astrid Rech : Natürlich haben sich die Schwerpunkte - besonders die der Jugendliteratur - über die Jahre verändert. Kinder- und Jugendliteratur ist immer auch ein Seismograph der Gesellschaft. So nehmen in den letzten Jahren die Themen "Migration" und "Flucht" einen wichtigen Stellenwert ein, und auch das Thema "Cyberwelt" hat längst Einzug in die Kinderliteratur gehalten. Nach wie vor aber dominieren immerwährende Themen wie Freundschaft, Abenteuer, Familie und Erwachsenwerden.

Das Leitthema 2015 heißt "Kunterbunte Welt". Das scheint auf den ersten Blick etwas beliebig, hat aber durchaus Hintersinn. Was steckt dahinter?

Astrid Rech : Das Motto hat sich entwickelt gegen Ende des vergangenen Jahres, als Pegida auch im Saarland versuchte, Fuß zu fassen, und durch die unglaublichen, riesigen Gegendemos "Bunt statt braun" Paroli geboten bekam. Hier will die Messe anknüpfen und verstärkt werben für ein positives, friedliches Miteinander. Wir wollen dazu einladen, neugierig zu sein auf das, was wir noch nicht kennen. Das tun wir natürlich in erster Linie durch unsere Autoren und Illustratoren aus in diesem Jahr immerhin 22 Nationen. Erstmals laden wir gemeinsam mit dem Forum Ramesch zu einem großen Abschlussfest der Kulturen ein. Auch wenn Sie sicher gern sagen möchten: alles. Es gibt doch immer etwas, das einem besonders am Herzen liegt. Welche Veranstaltung ist das für Sie diesmal?

Astrid Rech : Da muss ich nicht lange nachdenken, denn diese Veranstaltung wird ein absolutes Highlight sein: Es ist uns gelungen, die große Bilderbuchillustratorin und Autorin Jutta Bauer zu einer Masterclass nach Saarbrücken einzuladen. Unter dem Titel "Einfach sein" lädt sie an zwei Tagen Studenten und Erwachsene zum intensiven Arbeiten ein. Verdanken dürfen wir diesen Besuch nicht zuletzt unserem langjährigen Künstlerfreund aus Barcelona Ignasi Blanch, den auch mit Jutta Bauer eine große Freundschaft verbindet.

Wie viele Kinder- und Jugendbücher haben Sie, grob gerechnet, im letzten Jahr gelesen, um die Auswahl für die aktuelle Buchmesse zu treffen?

Astrid Rech : Da kommt natürlich immer einiges zusammen. Es waren sicherlich zwischen 150 und 200 Titel, die durch meine Hände gingen.

In diesem Jahr vergibt die Buchmesse zum dritten Mal den deutsch-französischen Jugendliteraturpreis. Die Autoren werden sich sicher über ihr Preisgeld freuen. Aber was hat die Buchmesse selbst davon?

Astrid Rech : Die Buchmesse darf auch hier wieder als Brückenbauer tätig sein, denn - das schließt der Preis ein - die Bücher der Preisträger werden in die jeweils andere Sprache übersetzt. Wenn wir dann im zweiten Band von "Maulina Schmitt" des von mir hochverehrten Finn-Ole Heinrich lesen dürfen: "Das Buch wurde 2014 mit dem Deutsch-französischen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet", dann erfüllt auch uns das mit Stolz.

Wenn eine gute Fee käme, und Sie hätten für die Buchmesse so viel Geld, wie Sie wollen. Was würden Sie tun?

Astrid Rech : Wenn ich mir meine persönliche Bücher-Traumwelt ausmalen dürfte, dann sähe sie etwa so aus: Ein großes, buntes Haus inmitten eines riesigen Gartens. Dieses Haus wäre ein Kinderkunsthaus, in dem das ganze Jahr über ein engagiertes Team literarisch-künstlerische Veranstaltungen für Kinder anbieten könnte; und ein- oder zweimal im Jahr würde in dem riesigen Garten, in dem natürlich immer die Sonne scheint, eine Kinder- und Jugendbuchmesse mit den schönsten Neuerscheinungen aus aller Welt stattfinden. Autoren und Illustratoren würden gemeinsame Projekte planen und viele neue Bücher würden entstehen. Ein Traum eben…