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Der tragische Held

Armend Haliti (rechts) vom SV Saar 05 Saarbrücken, hier noch im Trikot von Borussia Neunkirchen, fühlt sich fit für 90 Minuten. Seine Erfahrung ist wichtig für die Abwehr der 05er. Foto: Spellbynder
Armend Haliti (rechts) vom SV Saar 05 Saarbrücken, hier noch im Trikot von Borussia Neunkirchen, fühlt sich fit für 90 Minuten. Seine Erfahrung ist wichtig für die Abwehr der 05er. Foto: Spellbynder FOTO: Spellbynder
Saarbrücken. In seinem ersten Spiel für Saar 05 Saarbrücken ließ Armend Haliti sich bei einer 2:0-Führung auswechseln. Am Ende hieß es 2:2. Im nächsten Spiel gegen seinen Ex-Club Hertha Wiesbach will er 90 Minuten durchhalten. Sebastian Zenner

Armend Haliti war beim Saisonauftakt des Fußball-Oberligisten des SV Saar 05 Saarbrücken so etwas wie der tragische Held. Auf der Internet-Plattform Wikipedia wird dieser wie folgt definiert: "Der tragische Held erleidet nach Aristoteles sein Unglück aus Gründen, die in ihm selbst zu finden sind." Bei Haliti war dieser Grund wohl die Vernunft. An diesem Samstag empfängt Haliti mit seinem neuen Club um 14.30 Uhr seinen Ex-Verein FC Wiesbach im Kieselhumes-Stadion.



"Rückblickend hätte ich es anders gemacht und mich irgendwie durchgeschleppt", gesteht Haliti. Der erfahrene Innenverteidiger ließ sich bei einer 2:0-Führung beim SV Morlautern nach 75 Minuten auswechseln. "Ich habe gemerkt, dass mein Körper schlappmacht und dachte, dass ich lieber für einen frischen Spieler Platz mache. Ich hatte zu der Zeit nicht geglaubt, dass noch etwas anbrennen könnte", berichtet er. Das stellte sich als Trugschluss heraus - die umgestellte Defensive geriet zunehmend unter Druck und kassierte in der Nachspielzeit sogar noch den 2:2-Ausgleich.

Haliti kam vor der Saison vom FV Diefflen. Dabei wollte er nach einer schweren Spielzeit bei Borussia Neunkirchen 2015 die Fußballschuhe an den Nagel hängen. Damals opferte er sich für seine Mannschaft und den Verein monatelang auf und kämpfte trotz einer Hüftverletzung bis zum Schluss erfolgreich gegen den drohenden Abstieg. Erst nach der Saison ließ er die überfällige Operation über sich ergehen. Kumpel Enver Marina konnte ihn für eine weitere Saison bei Saarlandligist Diefflen überreden.

Auch wegen der Erfahrung in Neunkirchen hörte der 27-Jährige jetzt auf seinen Körper und ließ sich auswechseln. Noch einmal wird dies wohl aber nicht wieder vorkommen. Schon gar nicht am Samstag. "Die Trainingswoche hat mir gutgetan. Ich fühle mich fit, und jetzt sollte es auch für 90 Minuten reichen", meint Haliti, der mit Wiesbach in der Saison 2012/2013 in die Oberliga aufstieg. "Seitdem hat der Verein eine tolle Entwicklung hingelegt", attestiert er seinem Ex-Club: "Ich sehe Wiesbach als Topkandidat für ganz oben." Zwar sei mit Saar 05 "einiges möglich". Doch: "Wir sollten uns nur keine falschen Hoffnungen machen. Vielen steckt die schwere Regionalliga-Saison noch in den Köpfen mit vielen negativen Erlebnissen", weiß Haliti und ergänzt: "Ich wäre mit einem guten einstelligen Platz schon zufrieden. Über etwas anderes mache ich mir keine Gedanken."

Auch über die nächste Saison macht sich Haliti noch keine Gedanken. Der Vertrag mit Saar 05 läuft ein Jahr. Eigentlich spielte er auch vor der aktuellen Saison mit den Gedanken an ein Karriereende. "Aber dann hat 05-Trainer Timon Seibert angerufen. Wir hatten gute Gespräche und er blieb echt hartnäckig", erklärt Haliti und muss schmunzeln: "Also habe ich für ein Jahr zugesagt und schaue danach, ob und wie es weitergeht."