Der Stadtkenner vom Amt 62

Jeder Straßenbaum, jeder Kanaldeckel und jede Litfasssäule stehen im digitalen Stadtplan des Saarbrücker Geodatenamtes. Dieses Wissen ist schnell per Knopfdruck abrufbar – ein Angebot, das jeden Monat tausendfach genutzt wird.

60 000 Gebäude gibt es in Saarbrücken, 90 000 Gräber und sieben Blumenstraßen - das hört sich nach überflüssigem Wissen für lustige Quizrunden an, kann aber sehr wichtig werden. Zum Beispiel für Stadtplaner, die nicht ins Blaue schaffen wollen und die Stadt kennen sollten wie ihre Westentasche. So kommt es, dass etwa 5000-mal im Monat, also etwa 250-mal an jedem Werktag, Mitarbeiter der Stadtverwaltung auf die Datenbank ihres Vermessungs- und Geoinformationsamtes zugreifen. Aus der eher gewöhnlichen Amtsnummer "62" wird die herausragende Bedeutung dieses Amtes als interner Dienstleister für Planungen und Ausführungen nicht ersichtlich.

Geodaten gab es immer schon, nur musste man sie früher aus Akten und Karten herauslesen und mühsam in Beziehung setzen. Dank Computer sind Erfassung und Pflege des Bestandes viel leichter. Man erfährt auf Knopfdruck, wozu man früher einen Tag ins Archiv steigen musste. So zeigt das Kommunale Informationssystem (KIS) auf Anhieb Denkmäler, Wahlbezirke, Stadteigentum oder Bäume. Auf Wunsch filtert das System sogar Art, Alter und Gesundheitszustand der Bäume heraus, was für Pflege und Verkehrssicherung bedeutsam ist. Mit einer Computersimulation kann ganz dosiert Hochwasser nach Saarbrücken geleitet werden - und der Planer erkennt, welche Bereiche die Fluten zuerst erfassen. Relevant im Alltag sind vor allem die Verläufe von Straßen und Grundstücksgrenzen. Wer sie renovieren beziehungsweise verändern will, verschafft sich eine Draufsicht, in der Kanaldeckel, Kabelschächte, Gittermasten, Laternen, Hydranten, Hausanschlüsse, Fernwärmeschieber, Poller, Ampeln, Werbetafeln und Parkscheinautomaten enthalten sind. Jedes dieser Elemente kann als eigene Ebene auf die Stadtkarte gelegt werden. Bis zu 700 Ebenen kann der Nutzer übereinanderlegen und eine Saarbrücker Karte mit allem verfügbaren Wissen über die Stadt erstellen. Wichtig ist natürlich, dass alle Informationen auf tagesaktuellem Stand sind und dass jede Veränderung mitgeteilt und eingepflegt wird. Das erledigen überwiegend die 32 Mitarbeiter des Stadtamtes 62. Ziel ist es aber, dass andere Abteilungen an der Fortschreibung des Systems beteiligt werden. Beispiel: Wenn die Gartenbauer eine Eiche setzen, dann können sie den Zuwachs selbst in die Karte eintragen.

Ehrenbürger von Tbilissi

Vermessungsdirektor Gerhard Laux leitet das Amt seit 1992. Der 58-Jährige stammt aus Wadern-Bardenbach, ist aber längst Saarbrücker. Bekannt wurde der leidenschaftliche Sänger und Segler durch seine Aufbauarbeit in der Partnerstadt Tbilissi (Georgien), wo er nach dem Zusammenbruch der sozialistischen Planwirtschaft den Aufbau von Kataster und Grundbuch in die Wege leitete. Aus dem Nichts erwarb die Bevölkerung dadurch gesichertes Eigentum und brachte die Stadt zum Leben. Gerhard Laux wurde zum Tbilisser Ehrenbürger ernannt.

Zu den Aufgaben des Amtes zählt die Beobachtung und Bewertung des Grundstücksmarktes der Landeshauptstadt. Ein jährlicher Grundstücksmarktbericht gibt Auskunft über Umsätze und Preise, auch gestaffelt nach Stadtteilen. Gerhard Laux ist auch Vorsitzender des Gutachterausschusses, einer öffentliche Einrichtung aus unabhängigen, weisungsfreien und sachverständigen Gutachtern. Der Ausschuss wird auch für Privatpersonen tätig. Wegen der zunehmenden Zahl von Scheidungen, Erbschaften sowie strittiger "Sozialfälle" werde der Ausschuss entsprechend stärker zu Rate gezogen, so der Vorsitzende.