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Der „schwarze Tag“ lässt ihn nicht los

Luisenthal. Horst Lui hat das Luisenthaler Grubenunglück von 1962 überlebt. Die Erinnerung lässt den 81-Jährigen bis heute nicht los. Am Freitagmorgen, bei der Gedenkfeier am Barbara-Mahnmal, hat er davon berichtet. Von SZ-MitarbeiterFrank Bredel

Der 7. Februar 1962 gilt als "schwarzer Tag für den Bergbau und das Saarland", denn am Freitag vor genau 52 Jahren kamen bei einem schweren Grubenunglück in Luisenthal 299 Bergleute ums Leben. Zum Gedenken an die Verstorbenen legen die Mitglieder des Bergmannsvereins Glück auf 1963 Luisenthal jedes Jahr einen Kranz am Barbaradenkmal im Völklinger Stadtteil nieder. Auch die Ruhrkohle AG (RAG) und die Stadt Völklingen beteiligen sich an der Gedenkfeier mit einem Kranz. "Am 7. Februar 1962 kam es morgens gegen 7.50 Uhr zu einer Schlagwetterexplosion im Alsbachfeld", berichtet Armin Schmitt (55), Vorsitzender des Bergmannsvereins. "Letztendlich konnten 80 Verletzte gerettet werden, und für 299 Bergleute gab es leider keine Hoffnung mehr."

Horst Lui überlebte die Katastrophe: "Ich war damals selbst unter Tage und sollte eine Leitung umbauen", sagt der Rentner. "Ich beschloss aber, vorher noch etwas zu essen. Die Baustelle war lediglich 100 Meter entfernt." Die Entscheidung, erst später zu seinem Arbeitsplatz zu gehen, rettete Lui das Leben, denn als er sich auf den Weg machen wollte, hörte er nur einen lauten Knall und wurde zusammen mit einem Kollegen 15 Meter durch die Luft geschleudert. "Ich machte mich direkt auf die Suche nach Verletzten, und auf dem Weg kamen mir viele Männer entgegen mit starken Verbrennungen. Das erste, was ich am Unfallort sah, war ein Rumpf mit Beinen; der Oberkörper war abgerissen", berichtet er.

Nachdem er Dutzende Verunglückte geborgen hatte, musste der damals 29-Jährige noch seinen Bruder finden. "Die Toten waren aufgrund von abgetrennten Körperteilen nicht mehr zu identifizieren. Mein Bruder hatte eine Kriegsverletzung in der Höhe des Hosenbundes. Und so durchsuchte ich 38 Männer, bis ich ihn fand und über Tage brachte", berichtet der 81-Jährige, noch heute tief betroffen. Volle zehn Tage half er dem Rettungstrupp, die Leichen zu bergen, bis er schließlich mit einem Nervenzusammenbruch ins Krankenhaus eingeliefert wurde.

Die Erinnerungen an diesen Tag lassen Lui nicht mehr los. Die Gedenkstunde in Luisenthal ist für ihn ein unverzichtbarer Moment der Erinnerung.


Armin Schmitt, Vorsitzender des Luisenthaler Bergmannsvereins, Emilio Forner und Gerhard Schweitzer (von links) bei der Kranzniederlegung in Luisenthal. Foto: Becker & Bredel
Armin Schmitt, Vorsitzender des Luisenthaler Bergmannsvereins, Emilio Forner und Gerhard Schweitzer (von links) bei der Kranzniederlegung in Luisenthal. Foto: Becker & Bredel FOTO: Becker & Bredel