"Der Saarländer kann alles"

Das historische Werk "Das Saarland. Geschichte einer Region" und Detlev Schönauers "Heimatbuch" übers Saarland wurden am Mittwoch in der Reihe "Bücher in der Staatskanzlei" vorgestellt und diskutiert.

Saarbrücken. Wenn in der Staatskanzlei über unser Land geredet wird in diesen Wochen, dann geht es nicht selten ums Sparen. Am Mittwochabend allerdings wurde nicht gespart - zumindest nicht mit schönen Worten über unser Land. Schließlich ging es nicht um Schuldenbremse und Beamtenpensionen, sondern, wie es Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer gleich zu Beginn sagte, um den "Nabel Westeuropas, für den wir uns ja zu Recht halten". Zu dieser Nabelschau hatte sich die Regierungschefin die Autoren Detlev Schönauer und Johannes Schmitt sowie die SZ-Redakteurin Ilka Desgranges in die Staatskanzlei eingeladen.

Desgranges' Aufgabe war es, als Moderatorin zwei Bücher zusammenzubringen, die zwar beide das Saarland zum Thema haben, die auf den ersten Blick aber Welten trennen. Da ist zum einen das eben erst aus der Druckerei gelieferte Buch "Das Saarland. Geschichte einer Region", herausgegeben im Auftrag des Historischen Vereins für die Saargegend mit dem Anspruch, "wissenschaftlichen Ansprüchen zu genügen" und doch einem breiten Publikum Lust auf die Geschichte des Landes zu machen. So erklärte es Johannes Schmitt, der das Werk mit Hans-Christian Herrmann herausgegeben hat. Schmitt räumte ein, dass es schwer ist, insbesondere junge Menschen für die Geschichte des Landes zu interessieren, aber "den mühsamen Weg" zu gehen sei lohnend, denn "wir können keine Zukunft gestalten, ohne zu wissen, wo wir stehen und wo wir herkommen".

Detlev Schönauers Weg zum Leser ist alles andere als mühsam. Der Kabarettist erklärt das Saarland aus der Sicht eines Kneipenwirts - nein, diesesmal nicht als Jacques, sondern als Willy - mit viel Humor und Statistik. Bezogen auf die Bevölkerung sei das Saarland nicht nur das Land mit der höchsten Kneipen- und Vereinsdichte. Es gibt hier auch die meisten Autos und Autobahnen pro Kopf, den höchsten Krankenstand aller Bundesländer und die niedrigste Geburtenrate. Wobei die Saarländer durchaus wissen, wie das mit dem Kindermachen funktioniert - die meisten Seitensprünge gibt es nämlich im Saarland. Leider "wird nirgendwo so früh gestorben wie hier", fügt Schönauer hinzu, aber auch das wertet er positiv: Dass Saarländer früher abtreten als andere Deutsche liege wohl "am lockeren französischen Lebenswandel".

Schönauers Fazit:"Der Saarländer kann alles." Er müsse sich dessen nur bewusst werden. Schmitt formulierte das so: Aus dem Bewusstsein seiner Geschichte heraus könne der Saarländer durchaus Selbstbewusstsein entwickeln. "Wir müssen Saarland- themen mehr in Lehrpläne bringen."

Johannes Schmitt

"Manchmal fehlt es den Saarländern an Selbst- bewusstsein."

Detlev Schönauer

Auf einen Blick

Neue Saarland-Literatur ist auf dem Markt: Zwei Bücher, die unterschiedlicher nicht sein könnten, aber mindestens zwei Dinge gemeinsam haben, wie SZ-Redakteurin Ilka Desgranges zu Beginn der Buchpräsentation am Mittwochabend feststellte: In beiden Büchern taucht der ehemalige saarländische "Tatort"-Kommissar Max Palü auf, in beiden Büchern geht es um Identität.

"Das Saarland. Geschichte einer Region" ist im Röhrig-Verlag erschienen. Das Buch haben Johannes Schmitt und Hans-Christian Herrmann im Auftrag des Historischen Vereins für die Saargegend herausgegeben. Neun Regionalhistoriker schildern, wie sich das Land in über 200 Jahren entwickelt hat.

"Saarland, ein Heimatbuch" ist in einer bundesweiten Reihe des Conbook-Verlags erschienen. Der Verlag kam auf den Kabarettisten Detlev Schönauer zu. Der gebürtige Mainzer hat über "Kohle, Schwenker und Saarvoir-vivre" geschrieben. ols