Der Preis der Wahrheit

Wie sehr ist man der Wahrheit verpflichtet, wenn man Sophie Scholl heißt? Im Überzwerg spielt Nina-Mercedés Rühl eine Studentin, die in den Konflikt zwischen Wahrheit und Eigennutz gerät.

Sophie Scholl steht auf der Bühne, sie ist verzweifelt, zerrissen, traurig. Aber es ist nicht Sophie Scholl , die Widerstandskämpferin der "Weißen Rose" aus der Zeit des Nationalsozialismus, sondern eine Namensvetterin, die in einem tiefen, inneren Konflikt steht. Die junge Frau studiert Jura, steht kurz vor ihrem Examen, ist aber in einen Prüfungsbetrug verwickelt und soll vor Gericht aussagen. Und sie muss sich entscheiden, denn sagt sie die Wahrheit, riskiert sie ihr Studium. Aber ist die Lüge oder das Schweigen eine Option? Gerade wenn man Namensvetterin einer Heldin wie Sophie Scholl ist? Um diese Fragen dreht sich das Theaterstück "Name: Sophie Scholl ", das am Samstag im Theater Überzwerg Premiere feiert.

Auf der Bühne wird Sophie Scholl , die Studentin, genauso wie Sophie Scholl , die Widerstandskämpferin, von Nina-Mercedés Rühl verkörpert. Die junge Schauspielerin mit den langen, blonden Haaren arbeitet bereits seit September 2014 für das Theater Überzwerg , aber "Name: Sophie Scholl " ist ihr erstes Ein-Personen-Stück, sie wird ganz allein auf der Bühne stehen. "Das ist schon eine Herausforderung", sagt sie, "aber es ist auch toll, so konzentriert zu arbeiten. Man wird eins mit dem Stück", erzählt die Schauspielerin, die 2013 an der Theaterakademie Sachsen ihr Diplom abgelegt hat. Und sie kann in dem Stück zeigen, was sie kann, wenn sie sowohl die verzweifelte Studentin, als auch die junge Heldin darstellt. Ausgesucht wurde das packende, intensive Theaterstück von Rike Reiniger von der Regisseurin Stephanie Rolser und dem Dramaturgen Christoph Dewes. "Wir haben ein Theaterstück gesucht, das von einer einzigen Schauspielerin verkörpert werden kann. Dafür haben wir viel gelesen und ein Stück gefunden, das wirklich gut in die heutige Zeit passt, da es von dem wichtigen Thema Zivilcourage handelt", erklärt Stephanie Rolser, die bereits seit 2006 am Theater Überzwerg arbeitet. Außerdem sei das Stück sprachlich gut gearbeitet, "es imitiert keine Jugendsprache", erläutert Christoph Dewes. "Wir empfehlen es für Jugendliche ab der 10. Klasse", fügt er hinzu. Stephanie Rolser und die Schauspielerin Nina-Mercedés Rühl haben sich gemeinsam auf das Stück vorbereitet. "Zuerst haben wir viel über Sophie Scholl gelesen und dann waren wir auch gemeinsam im Gericht, bei der Verhandlung eines Betrugsprozesses", erzählt die Regisseurin. "Außerdem haben wir uns Filme über Sophie Scholl angeschaut. Ende November haben wir dann mit den Proben begonnen", berichtet sie weiter. Das weiße Bühnenbild, bestehend aus vielen, gebündelten Aktenstapeln, die von der Schauspielerin auf der Bühne immer wieder anders arrangiert werden können, stammt auch von ihr. Und wie Sophie Scholl , die Studentin, auch Sophie Scholl , die Widerstandskämpferin ist, und ob am Ende zwei Heldinnen auf der Bühne stehen, zeigt sich bei der Premiere am nächsten Samstag.

"Name: Sophie Scholl " von Rike Reiniger. Premiere am Samstag, 23.01.2016, 19.30 Uhr, Theater Überzwerg .

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