Der politische Wille zum Rad fehlt

Saarbrücken. Der ADFC hatte sich zu seiner Mitgliederversammlung den Luxemburger Verkehrsdezernenten François Bausch und die Saarbrücker Baudezernentin Dr. Rena Wandel-Hoefer eingeladen, um mit ihnen darüber zu diskutieren, wie der in beiden Städten vergleichsweise geringfügige Anteil des Radverkehrs erhöht werden könnte

Saarbrücken. Der ADFC hatte sich zu seiner Mitgliederversammlung den Luxemburger Verkehrsdezernenten François Bausch und die Saarbrücker Baudezernentin Dr. Rena Wandel-Hoefer eingeladen, um mit ihnen darüber zu diskutieren, wie der in beiden Städten vergleichsweise geringfügige Anteil des Radverkehrs erhöht werden könnte. Beide Städte liegen nicht in der Ebene und beide müssen viele Berufspendler verkraften.

Wie der ebenfalls angereiste oberste Luxemburger Verkehrsplaner Ed Streitz setzt sich auch der ADFC schon lange dafür ein, den Radverkehr als System aufzufassen. Der ADFC beklagt: Zwar seien einige der Systemelemente wie die Öffnung von Einbahnstraßen in Gegenrichtung für Saarbrückens Radfahrer schon lange Realität, aber in anderen Bereichen, wie bei Öffentlichkeitsarbeit für das Radfahren, sei die Stadt untätig. In Luxemburg, so betonte Bausch, werde hingegen jede Maßnahme von intensiver, fantasievoller Öffentlichkeitsarbeit begleitet. Jedes Jahr werde so zum Beispiel eine Fahrradkarte neu aufgelegt, auf der das bisher umgesetzte Wegenetz und die Bauvorhaben für das kommende Jahr eingezeichnet seien.

Für die Umsetzung des ambitionierten Luxemburger Konzepts, mit dem der Radverkehrsanteil von einem auf zehn Prozent angehoben werden solle, stünden auf fünf Jahre verteilt über 15 Millionen Euro zur Verfügung.

Die 10-Prozent-Marke strebe auch Saarbrücken an, erklärte Wandel-Hoefer, sie könne allerdings bislang noch nicht über einen Fahrrad-Etat verfügen, sondern müsse den vor Jahren gestrichenen Etatposten notdürftig ersetzen. Der ADFC fordert deshalb, dass im nächsten Saarbrücker Haushalt wieder Geld für den Radverkehr eingestellt wird.

Bausch berichtete auch von Widerständen, die seinen Maßnahmen selbst in Luxemburg entgegenstanden, die aber dank einer parteienübergreifenden Zusammenarbeit ausgeräumt werden konnten. Mittlerweile würden die Bürger den Erfolg sehen und die Umgestaltung gerne mittragen.

Alle Diskussionsteilnehmer, darunter auch Gust Muller von der Lëtzebuerger Vëlos-Initiativ und ADFC-Sprecher Thomas Fläschner, waren sich einig, dass in allererster Linie der politische Wille wichtig sei, um den Stellenwert des Radfahrens zu erhöhen.

Der ADFC hofft nun, dass wenigstens die von Wandel-Hoefer angekündigte Umgestaltung der Dudweilerstraße bald vollzogen wird und die lange versprochenen Abstellanlagen am Hauptbahnhof installiert werden. red