Der neue Spaßbad-Vertrag

Alt-Saarbrücken. Zur großen Entwarnungs-Pressekonferenz in Sachen Spaßbad Calypso hatten am Mittwochvormittag Saarbrückens Bürgermeister Ralf Latz, SPD, und der Geschäftsführer des Calypso-Eigentümers, der Gesellschaft für Kommunalanlagen und Beratung Saarbrücken (KBS), Manfred Dörr, eingeladen

Alt-Saarbrücken. Zur großen Entwarnungs-Pressekonferenz in Sachen Spaßbad Calypso hatten am Mittwochvormittag Saarbrückens Bürgermeister Ralf Latz, SPD, und der Geschäftsführer des Calypso-Eigentümers, der Gesellschaft für Kommunalanlagen und Beratung Saarbrücken (KBS), Manfred Dörr, eingeladen.Mit von der Partie waren Vertreter des neuen Calypso-Betreibers, der vivamar GmbH, darunter Geschäftsführer Harald Gabriel und Betriebsleiterin Julia Krooß. Tenor der Veranstaltung: kein Grund zur Beunruhigung. Im Calypso bleibt - zumindest 2012 - im Wesentlichen alles beim Alten, und wenn sich was ändert, dann nur zum Besseren.

Die Preisliste, mit der am 1. Januar die vivamar-Ära im Calypso begann, bestätigt das. Alles kostet genau so viel wie beim alten Betreiber, der früheren Spaßbad Saarbrücken (S&S) GmbH, die zuletzt als Calypso GmbH firmierte. Einziger Unterschied: Mit der 500-Euro-Bonus-Karte erhalten die Kunden jetzt 15 statt bisher 12,5 Prozent Rabatt, und mit der neuen 750-Euro-Bonus-Karte gibt's sogar 20 Prozent.

Vivamar will die Preise möglichst lange halten, versicherte gestern Geschäftsführer Harald Gabriel - vorausgesetzt, dass die Energiekosten nicht explodieren.

Vivamar hat alle 90 Angestellten des alten Betreibers übernommen, bezahlt sie unverändert weiter und will sogar noch acht weitere Leute engagieren, die überwiegend in der Gastronomie arbeiten sollen.

Die KBS, so erläuterte Dörr, hat für insgesamt rund 330 000 Euro vom alten Betreiber die Rechte am Namen Calypso gekauft, dazu ein Außenbecken, das der alte Betreiber gebaut hatte und das Inventar des Bades. Vivamar hat das Bad für fünf Jahre gepachtet und wird der Stadt das Inventar abkaufen. Über die Pacht verriet Dörr lediglich: "Die hat sich im Wesentlichen nicht verändert."

Die Stadt wird auch vivamar mit einem Betriebskostenzuschuss von rund 700 000 Euro jährlich unter die Arme greifen. Trotzdem - das betonte Latz - spart die Stadt durch den neuen Vertrag mit vivamar jährlich rund 300 000 Euro. Denn viele kostspielige Zusatzbestimmungen aus dem Vertrag mit dem alten Betreiber stehen im neuen Vertrag mit vivamar nicht mehr drin, erläuterten Dörr und Latz.

Dafür muss die Stadt allerdings auch eine Gegenleistung bringen - und zwar bei den Zeiten, in denen Teile des Calypso für Schulen und Vereine zur Verfügung stehen.

Laut Latz soll 2012 noch alles beim Alten bleiben. Ab 2013 allerdings müssten Schulen und Vereine zumindest für einen Teil der Zeit, die sie bisher im Calypso verbrachten, in städtische Bäder ausweichen. Darüber, wie das genau ablaufen soll, verhandeln die Vereine seit rund einem Jahr mit Saarbrückens Sport- und Sicherheitsdezernent Harald Schindel.

Das Prozedere für Investitionen ins Calypso ist, wie Dörr erläuterte, im Vertrag mit vivamar grob vereinfacht folgendermaßen geregelt: Wenn vivamar eine Investition, Modernisierung oder Sanierung für notwendig hält, beantragt vivamar diese Investition bei der KBS. Die prüft, ob die Investition nötig und in ihrem Sinn ist - und wenn ja, macht die KBS das Geld locker.

Anschließend steigt automatisch die Pacht, weil vivamar nach der Investition ja eine wertvollere Immobilie zur Verfügung hat.

Die KBS gehört komplett der Stadt Saarbrücken, und Bürgermeister Ralf Latz ist der Vorsitzende des Beirates.

Meinung

Raus aus dem Schwitzkasten

Von SZ-RedakteurJörg Laskowski

Gut so. Die Stadt hat endlich einen jener Verträge abgelöst, die vielen Bürgern seit 1998 schwer im Magen liegen. Erinnern wir uns: Ab Januar 1999 verpachtete Saarbrücken 14 Parkhäuser für 50 Jahre an die Firma Q-Park - und bekam die Pacht für die ersten zehn Jahre auf einmal. Für diese rund 25 Millionen Euro ließ die Stadt das Calypso bauen - und zwar von der Spaßbad Saarbrücken (S&S) GmbH, die das Bad anschließend auch betrieb, dafür jährlich rund 900 000 Euro Pacht zahlte und von der Stadt rund 800 000 Euro Betriebskostenzuschuss kassierte. Diese Verkettung erregte seither immer wieder die Gemüter.

13 Jahre später signalisiert nun der neue Calypso-Vertrag, den Bürgermeister Ralf Latz und KBS-Geschäftsführer Manfred Dörr jetzt vorstellten: Saarbrücken will raus aus dem Schwitzkasten. Jetzt stimmt die Richtung.

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