Der Mann aus Marseille Parallelen zu einem Film-Klassiker

Riegelsberg. Eine Hose zu stehlen, das kann mit Schläue und Geschick gelingen. 15 Hosen auf einmal wegzutragen ist aber selbst für Berufsdiebe schwer. Und unmöglich für einen Menschen, "der bislang bei vermutlich allen seinen Beutezügen erwischt worden ist", wie Hauptkommissar Gerhard Balzert von der Polizeiinspektion Köllertal berichtete

Riegelsberg. Eine Hose zu stehlen, das kann mit Schläue und Geschick gelingen. 15 Hosen auf einmal wegzutragen ist aber selbst für Berufsdiebe schwer. Und unmöglich für einen Menschen, "der bislang bei vermutlich allen seinen Beutezügen erwischt worden ist", wie Hauptkommissar Gerhard Balzert von der Polizeiinspektion Köllertal berichtete.

In Marseille, seinem Geburts- und Wohnort, soll der als drogenabhängig geltende Mann mit insgesamt 25 Straftaten aktenkundig sein. In Deutschland fiel er seit dem Jahr 2003 schon fünf mal auf, zuletzt im vergangenen Juli in Saarlouis. Am Montag verschlug es den 35-Jährigen zum Stehlen nach Riegelsberg - übrigens mit der Saarbahn ab Saarbrücken Hauptbahnhof.

Wie die Köllertal-Polizei dank ihrer Französischkenntnisse und in aufwendiger Ermittlung herausfand, war der Südfranzose am Freitag um 22.45 Uhr mit dem Nachtzug von Marseille nach Metz gefahren, von dort mit einem weiteren Zug nach Saarbrücken. Ziel der Reise war die nicht mehr gültige Anschrift einer verflossenen Liebschaft. Der Tourist traf die Flamme von früher jedenfalls nicht mehr an und begab sich zum Trost auf eine zweitägige Kneipen- und Disco-Tour, in deren Verlauf er mutmaßlich 500 Euro durchbrachte - im Polizeibericht wurde dafür das schöne französische Wort "brûlée" benutzt, also "verbrannt".

Mit 25 Euro Restguthaben begab er sich am Montag, 13.55 Uhr, am Riegelsberger Stumpen vor ein Modegeschäft. Dort benahm er sich so auffallend ungeschickt, dass ihn etliche Leute ins Auge nahmen. Dann griff sich der Dieb 15 Markenjeans im Wert von 900 Euro vom Außenständer und lief damit in Richtung Kaufland, warum auch immer. Eine Angestellte des Modegeschäfts konnte wegen hoher Absätze nicht ganz Schritt halten, ein Mitarbeiter des benachbarten Fahrradladens hatte bei der Verfolgung aber leichtes Spiel, zumal er ein Elektrorad benutzte. Zum Pech für den Täter kam hinzu, dass ein Polizist aus Heusweiler in privater Angelegenheit vor dem Supermarkt weilte, sich aber sofort in Dienst begab, den Täter mit festhielt und die Kollegen herbeirief.

Die unversehrte Beute wurde umgehend an die Boutique zurückgegeben, der Täter wurde erkennungsdienstlich untersucht (unbewaffnet, kein Terrorverdacht, kein Haftbefehl) und gerichtsfest mit Dolmetscherin vernommen. Er zeigte sich höflicherweise sogar bereit, einen möglichen deutschen Strafbefehl zu bezahlen, wenn man ihn nur laufen lasse. Auf Inhaftierung verzichtete die Justiz in der Tat.

Der Mann sagte aus, er habe die Jeans am Saarbrücker Bahnhof an Hehler verkaufen wollen, um sich eine Rückfahrkarte leisten zu können. Zur Not könne er aber auch mit den 25 Euro und dem Personalausweis die Heimreise antreten, au revoir dann. Bis ein andermal? Wo er inzwischen gelandet oder gestrandet ist, war bis gestern unbekannt. Im Gangsterfilm-Klassiker "Der Mann aus Marseille" (Foto: Verleih) versucht Jean-Paul Bellmondo verzweifelt, in der Unterwelt Fuß zu fassen und scheitert furios - jedoch auf anderem Niveau als unser Hosendieb, mit dem sich vermutlich auch Claudia Cardinale nicht einlassen würde. red