Der lange Weg zum Bordell-Verbot

Fast eineinhalb Jahre nach der peinlichen Watschn des Verwaltungsgerichts Saarlouis hat der Stadtrat in dieser Woche endlich den Bebauungsplan für das Gebiet zwischen Busdepot und ehemaligem Milchhof-Gelände in Alt-Saarbrücken verabschiedet.

Mit keinem Wort erwähnten Verwaltung und Fraktionen während der Sitzung das besagte Gerichtsurteil, das jetzt zu dem Bebauungsplan führte. Es war wahrlich kein Ruhmesblatt für die Stadt. Der Richter war im April 2013 aufgebracht, weil das Baudezernat unter Dezernentin Rena Wandel-Hoefer keine konkrete Planung für das Gebiet vorgelegt hatte, sondern eben nur etwas verhindern wollte. Das reiche nicht, also dürfe ein Bordell eröffnen, entschied der Richter. Dass es nicht dazu kam, war nur Glück, weil laut Oberbürgermeisterin Charlotte Britz ein Haftbefehl gegen den möglichen Betreiber vollstreckt worden war. Nun sollen nur noch Gewerbe und Hochschuleinrichtungen auf dem Areal erlaubt sein, Bordelle und Spielhallen sind tabu. Fragt sich, warum die Verwaltungsbürokratie so lange dafür gebraucht hat.

Unverständlich ist das Verhalten des Baudezernats auch bei einem anderen Projekt: In der Stadtratsvorlage zum Gesundheitszentrum auf dem Kieselhumes hat es den Beginn der Bauarbeiten schon festgelegt, obwohl das Konzept des Investors noch gar nicht auf dem Tisch liegt. Unsensibler geht's nicht. Die Verwaltung sollte deshalb schnell eine Bürgerversammlung am Kieselhumes einberufen, wo der Investor seine Pläne erläutert. Dann kann Wandel-Hoefer auch alle kritischen Fragen zum voreiligen Spatenstich-Termin beantworten.