Der lange Kampf gegen die Sucht

Am Anfang steht das Geständnis: Ich bin Alkoholiker und brauche Hilfe. Die suchen viele Betroffene in der Gruppe der Anonymen Alkoholiker. Dort finden sie Verständnis für ihre Leidensgeschichte.

Es war der 26. Mai 1966. In einem Nebenzimmer des Café Detzler in Saarbrücken trafen sich vier Freunde zum ersten Treffen der Anonymen Alkoholiker (AA) im Raum Saarbrücken . Freunde und Freundinnen, so nennen sich auch heute die Mitglieder der AA-Gruppen. Ab diesem Zeitpunkt verbreitete sich die Idee der AA im gesamten Saarland. Mit Erfolg. Heute sind es bereits sechs wöchentliche Gruppensitzungen alleine im Raum Saarbrücken . Auch der technische Fortschritt hat die Anonymen Alkoholiker weitergebracht. Denn heute gibt es sogar eine Online-Hilfe, bei der Menschen, die fürchten, dass sie an Alkoholismus leiden, per E-Mail dringende Fragen stellen können. Auch gibt es einen dauerhaft besetzten Handy-Dienst für Anonyme Alkoholiker , die fürchten, sie könnten rückfällig werden, ganz nach dem Motto: "Ein Anruf ist billiger als ein Glas Bier."

Am Samstag soll nun an das erste AA-Gruppentreffen von vor 50 Jahren erinnert werden - und zwar von 10 bis 18 Uhr in der Sporthalle der Klinik Tiefental in Saarbrücken . Die Feier, bei der Freunde der AA ihre Lebensgeschichte erzählen werden und bei der zu einer gemeinsamen Sitzung eingeladen wird, steht unter dem Motto "Erfahrung, Kraft und Hoffnung teilen". Diese Hoffnung ist nach wie vor wichtig. Gerade in Zeiten, in denen bei Jugendlichen der Alkoholkonsum stark gestiegen ist, sei eine AA-Gruppe ein noch wichtigerer Beitrag zur Hilfe aus der Sucht. Denn wie die Anonyme Alkoholikerin Martha sagt: "Trocken ist man immer nur 24 Stunden." Eigentlich heißt Martha anders, ihr Name wurde im Sinne der Anonymität geändert. Denn diese steht absolut im Vordergrund. Deshalb gibt es keine Teilnehmerlisten und auch keinen Erfolgsdruck in der Gruppe. Es geht darum, sich selbst sein Problem einzugestehen und gemeinsam über die Erfahrungen in seinem Leben zu sprechen. Denn im Prinzip erleben sie alle Ähnliches, sagt Dietmar, ein mittlerweile trockener Alkoholiker . "Ich war im Schwarzwald in Therapie, und dort besuchte ich auch ein Treffen der AA. Ich dachte, die erzählen dort meine eigene Lebensgeschichte, so ähnlich hat sich das für mich angehört."

Aber für viele ist der Satz "Mein Name ist..., und ich bin Alkoholiker " bereits das allerschwerste, sagt Martha. "Ich sagte damals - ich denke, ich bin Alkoholikerin - das Andere war mir zu endgültig", erzählt sie. Gerade wegen dieser Endgültigkeit orientierten sich die Anonymen Alkoholiker daran, die nächsten 24 Stunden nüchtern zu bleiben. "Wenn jemand direkt am Anfang sagt, ich trinke nie wieder Alkohol, das scheint viel zu lang, das hält man selten durch", sagt sie.

Eins ist sicher, wirklich geheilt wird man vom Alkoholismus nie und ein Rückfall ist immer möglich. "Es bleibt immer schwer, weil man nie weiß, was einmal im Leben passieren wird", sagt Martha. Deswegen ist es schön, wenn es Freunde und Freundinnen gibt, die den Leidensweg kennen und bereit sind, sich gegenseitig zu unterstützen. Denn wie Dietmar sagt, trocken zu sein bedeutet eine ganz andere Lebensqualität: "Man kriegt wieder alles mit, das ist nicht wie früher."