Der Kriegsbeil-Bestatter

20 Jahre Schiedsmann – da erlebt man einiges. Hans-Jürgen Kiefer weiß um die kleinen und großen Auseinandersetzungen, die ein friedliches Zusammenleben unmöglich machen. Er ist da, um den Streit zu schlichten.

Die Fälle, in denen böse Wörter die tragende Rolle spielen, haben sich einigermaßen verflüchtigt. In Zeiten, in denen Begrüßungsformeln wie ,,Ey, Alder" den Umgangston prägen, sind die Beleidigungen eben ins Hintertreffen geraten. ,,Meist geht es um eine hohe Hecke, manchmal steht sie zu nah an der Grundstücksgrenze, oder sie wird nicht gestutzt."

Das und noch viel mehr weiß Hans-Jürgen Kiefer aus Neuweiler. Denn - vergangenes Jahr zum Vorsitzenden der Bezirksvereinigung Saarbrücken des Bundes Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen gewählt - ist er diese Woche für sein 20-jähriges, segensreiches Wirken geehrt worden.

Und zwar von Bürgermeister Michael Adam und Markus Mahler, dem stellvertretenden Amtsgerichtspräsidenten.

Kiefer, der schon viel erlebt hat mit mehr oder weniger giftigen Streithähnen in nachbarschaftlicher Beziehung, ist ein Mensch, der offenkundig in sich ruht - und für den Humor kein Fremdwort ist.

Der passionierte Jagdhornbläser kann vor allem ,,mit de Leut schwätze". Das ist wichtig, wenn man die angespannte Atmosphäre zwischen Kontrahenten beseitigen will.

Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch, Verletzung des Briefgeheimnisses und anderes mehr - der Auseinandersetzung vor Gericht ist oft der ehrenamtlich tätige Schiedsmann vorgeschaltet. Einen kleinen Obolus erhält er für seine Mühen. Dafür aber das wunderbare Gefühl, etwas richtig Gutes getan zu haben.

Doch nun ein kleiner Blick in die Praxis: Der 58-Jährige erinnert sich an seinen größten Fall, ,,eine Nachbarschaftsstreitigkeit, bei der wir mit knapp 20 Personen über zwei Stunden verhandelten."

Der kleinste geregelte Fall war eine Beleidigung, ,,anscheinend mit viel Übung". Der Beschuldigte kam zur Sitzung die Tür herein, legte die Gebühren auf den Tisch, gab dem Antragsteller die Hand, sagte ,,Entschuldigung" und verschwand, ohne die Verhandlung abzuwarten: Sache erledigt.

,,Das Kriegsbeil ist erst dann begraben, wenn man nicht mehr weiß, wo es liegt", zitiert der Schiedsmann en passant eine alte Indianer-Weisheit.

Das Schiedsamt bezeichnet er als ,,eines der interessantesten kommunalen Ehrenämter". Manchmal etwas schwierig, oft aber verbunden mit einem Happy End.

Wenn der Frieden hergestellt ist, alle Beteiligten aufatmen und sich wieder freundschaftlich begegnen. Werbung macht der Mann für seine Tätigkeit, will junge Leute dafür begeistern. Und würde sich freuen, wenn sich der ein oder andere bei ihm einfinden würde, damit er ihn überzeugen kann. Schiedsleute werden im Übrigen für fünf Jahre gewählt, von den politischen Gremien einer Kommune.

,,Der Schiedsmann fällt keine Urteile, er bemüht sich um einen Vergleich, mit dem beide Parteien leben können", stellt Kiefer am Ende des Gesprächs mit der SZ noch klar. Er, dem kaum was Menschliches fremd ist. Und der weiß, dass manchmal ein qualmender, stinkender Gartengrill ausreicht, dass aus Freunden eben Feinde fürs Leben werden. Weil ein Nachbar dem anderen ganz gewaltig stinkt - und der Grill nur als Anlass zum unerquicklichen Palaver herhalten muss.

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