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Der Kontinent tanzt

Zirkus-Höchstleistung auf afrikanische Art. Foto: AFRIKA! AFRIKA!
Zirkus-Höchstleistung auf afrikanische Art. Foto: AFRIKA! AFRIKA! FOTO: AFRIKA! AFRIKA!
Saarbrücken. André Heller will mit der Show „Afrika!Afrika!“ ein anderes Bild des Kontinents und seiner Menschen zeigen – jenseits aller Klischees. Das ist ihm mehr als gelungen: Selten hat man in der Saarlandhalle solche Bewegungslust und Lebensfreude gesehen. Von SZ-Redakteur Oliver Schwambach

Welches Bild haben wir eigentlich von Afrika? Das des Krisen-Katastrophen-Kriege-Kontinents aus der Tagesschau? Das der fantastischen Schatzkammer voller Gold, Diamanten und Erzen, das schon die Kolonialherren lockte? Oder das des 10-Tage-all-inclusive-Traumsafariurlaubs? Klar, all das ist irgendwie auch Afrika, aber eben nur ein Teil davon. Vielleicht aber waren es ja genau diese westlich schlichten Bilder von Afrika, die André Heller, den Wiener Universalkünstler, der den Glauben an die Macht des Poetischen im Leben wie in der Kunst nie aufgegeben hat, dazu brachten, vor neun Jahren sein Zirkusereignis "Afrika!Afrika!" zu kreieren. Es sollte ein anderes Bild von Afrika und seinen Menschen zeigen. Mit vielen Tänzern, Artisten und Akrobaten aus Afrika - damals noch im Zirkuszelt.

Jetzt hat es Heller zusammen mit dem Choreographen Georges Momboye noch einmal gewagt, entgegen seiner sonstigen Gepflogenheiten, "nie zwei Mal in den selben Fluss zu steigen". Warum? Weil so viele afrikanische Künstler nach der ersten Auflage sich bei ihm bewarben, mit atemberaubenden neuen Hochleistungen, ihn geradezu bestürmten, so dass Heller nicht anders konnte als weiterzumachen. Diesmal aber nicht für die Manege, sondern für die Halle. Und damit moderner, tempo- und actionreicher. Mit donnernden Beats und einer gigantischen LED-Wand, die aus der Halle auch einen Kinosaal macht.

Die Show, die nun für drei Tage in Saarbrücken gastiert, zählt fraglos zum Großartigsten, was je in der Saarlandhalle zu sehen war. Der Bogen spannt sich quasi über Jahrtausende: von rituellen Tänzen in farbenprächtigen Kostümen bis zu den Urururenkeln dieser frühen Afrikaner, die heute in den USA und sonstwo in der Welt leben. Ihre Bewegungslust, das Körpergefühl aber blieb: Auch wenn dies nun im Breakdance oder Basketball seinen Ausdruck findet. Die Werfer von Acrodunk fliegen etwa nach einem fixen Trampolinsprung gleich in Serie zum Korb, springen über- und durcheinander, passen sich auch kopfüber noch die Bälle zu, so wild, so tollkühn, aber auch so perfekt, dass die Harlem Globetrotters dagegen wie ein Pensionärsclub wirken.

Tempo und der mitreißende Livesound der Band sind der Herzschlag dieser Show: Kein Artist hält sich lange mit Verbeugen auf. Alles greift ineinander. Das Tor in der Mitte der Bühne spuckt ständig neue Kunststück-Könner aus. Wie den Wassermann Dickson Oppong, der fast ein Dutzend Wasserschalen gleichzeitig in der Luft hält und dabei, aus welch unergründlichen Tiefen seines Bauches auch immer, Wasser spucken kann wie ein Wal. Übrigens einer der wenigen, die schon 2005 dabei waren.

Gut 70 Artisten sollen es sein, die seit Herbst vorigen Jahres in Österreich und Deutschland touren, gefühlt sind es aber 700, so facettenreich ist das, was sie können. Ob mit Basketbällen jongliert wird als seien es bloß Kügelchen, oder ein Schlangenmensch seinen Gummileib durch einen Tennisschläger windet. Und als wäre das nicht schon orthopädisch unmöglich genug, klappt er auch noch ein Bein hoch und zieht es mit hindurch. Gewiss, zirzensische Höchstleistung hat man auch anderswo schon gesehen: Tempojongleure, Kraftakrobaten, Equilibristen. Doch "Afrika!Afrika!" hat so gar nichts von der Trommelwirbel-Eitelkeit üblicher Zirkusabende. Trotz aller Anstrengung, aller Entbehrung, die natürlich auch hier hinter jedem Auftritt steckt, wird alles mit herzlichem Lachen präsentiert, erzählt jede Nummer von der unbändigen Lebensfreude Afrikas, von seinen großartigen Menschen. Und das ist vielleicht sogar das Schönste an diesem Afrika-Bild.

Heute Abend findet die letzte Vorstellung in der Saarlandhalle statt, Beginn ist um 20 Uhr. Karten gibt es im Internet unter www.afrikaafrika.de.