Der König der "Filmstadt" tritt ab

Saarbrücken. Gabriella Bandel sorgte an diesem Montag-abend des langen Abschieds und der Anekdoten im Saarbrücker Filmhaus gleich zu Anfang für den ersten Lacher von vielen. In seinem Büro gab's immer einen Piccolo, sagte die heutige Leiterin des Festivals Max Ophüls Preis (MOP) über ihren langjährigen Chef Albrecht Stuby

Saarbrücken. Gabriella Bandel sorgte an diesem Montag-abend des langen Abschieds und der Anekdoten im Saarbrücker Filmhaus gleich zu Anfang für den ersten Lacher von vielen. In seinem Büro gab's immer einen Piccolo, sagte die heutige Leiterin des Festivals Max Ophüls Preis (MOP) über ihren langjährigen Chef Albrecht Stuby. Und damit der auch im Ruhestand weiterhin gut versorgt sei, erklärte sie im Namen der MOP-gGmbH, "schenken wir ihm einen Koffer mit Dosen-Sex" - gemeint war natürlich -Sekt. Nun ja, das Thema "Sex XXL" kam dann aber doch erst später dran.

Doch auch für die amtierende Saarbrücker Oberbürgermeisterin gab es gleich darauf etwas zu korrigieren. Hatte Charlotte Britz ihrem scheidenden Filmamtsleiter und "Vater der blauen Herzen" schon bei der MOP-Festival-Eröffnung im Januar ein Abschiedsgeschenk überreicht, so drückte sie ihm mit den Worten "diesmal aber der richtige" nun erneut ein Weinpaket in die Hand.

So viel Abschiednehmen wie von Stuby war nie. Welcher Amtsleiter schafft es schon, vier Oberbürgermeister bei seiner Abschiedsparty zu versammeln, dazu zwei Kultur- und einen Finanzdezernenten? Ganz zu schweigen von den übrigen Weggefährten aus 40 Jahren kommunaler Filmarbeit, früheren Angestellten, Kooperations- und Geschäftspartnern, und Filmverrückten, die die 125 Filmhausplätze füllten.

Dass Stuby kein Amtsleiter wie andere war, zog sich leitmotivisch durch diesen Abend. Der Mann, der wie OB Britz betonte, als Beamter "wie alle, die hier Rang und Namen haben, zuerst im Sozialamt eingesetzt" war, "hat die Stadt zur Kinostadt gemacht". In einem filmischen Rückblick, den sein Lebenspartner zusammengestellt hatte, erfuhr man, dass selbst Stuby entscheidend durch eine Frau geprägt wurde. "Ich hatte eine Kino-begeisterte Großmutter, die mich als Kind in alle möglichen Filme mitschleppte, auch Filme, die ich eigentlich noch gar nicht hätte sehen dürfen", erzählt der designierte Pensionär da zwischen Fernsehmitschnitten aus alten Festival-, Camera- und Filmhauszeiten. Weder die skandalauslösende "Taxi-zum Klo"-Szene noch seine "Erfindung des 1. Pissoirkinos in Deutschland" oder der Hinweis auf den ersten Männerstrip im Saarland auf der Ophüls-Party durften in dieser nostalgischen Rückschau fehlen.

Ohne Frechheiten, die Stuby sich erlaubt habe und die im Film ziemlich geschönt seien, "wäre einiges nicht möglich gewesen", sagte danach Ex-OB Hajo Hoffmann Stuby anerkennend ins hingestreckte Mikrofon. Während Ex-OB Oskar Lafontaine schlicht befand, Stuby "gehört zum kulturellen Erbe" der Stadt, meinte Ex-OB Koebnick: "Du hast uns mit deiner Kreativität beseelt" - und das obwohl Stuby "kein Akademiker" sondern (nur?) "gelernter Beamter" sei. Der frühere Kulturdezernent Rainer Silkenbeumer würdigte den gewieften Rechenkünstler Stuby, durch dessen Finanzen "selbst der Kämmerer nicht durchstieg". Besorgt um die Zukunft seines Hauses, nutzte Stuby denn auch die Chance, Finanzdezernent Ralf Latz eine Erklärung abzuringen. "Niemand hat die Absicht, das Filmhaus abzuschaffen". So ähnlich klang das schonmal bei den Schwimmbädern. . .

 Ratschläge für den Neuen? Albrecht Stuby (links) am Rande seines Abschieds-Fests im Gespräch mit seinem Nachfolger im Filmhaus-Kino, Michael Jurich.
Ratschläge für den Neuen? Albrecht Stuby (links) am Rande seines Abschieds-Fests im Gespräch mit seinem Nachfolger im Filmhaus-Kino, Michael Jurich.