Der Kakadu will zum Phönix werden

Der neue Kultur-Newsletter der Stadt kann den Kakadu nicht ersetzen. Die freie Szene überlegt nun, selbst ein Heft herausgeben.

Totgesagte leben länger? Zumindest ein gewisser Kakadu zeigt womöglich eine überraschende Überlebensfähigkeit. Die Rede ist natürlich nicht von einem echten Tier, sondern von Saarbrückens legendärem Veranstaltungsmagazin, das Ende letzten Jahres überraschend eingestellt wurde. Der Kakadu informierte mehr als 30 Jahre über nahezu alles, was in und um Saarbrücken kulturell passierte. Organisiert und herausgegeben wurde er vom Kulturamt und da in Person von Thomas Altpeter, der dem Magazin so manchen Urlaubstag opferte.

Aber in Zeiten von Internet und immer neuen Informationswegen war der Kakadu zuletzt etwas in die Jahre gekommen. Hinzu kamen, wie Kulturamtsleiterin Sylvia Kammer-Emden im SZ-Gespräch erklärt, dass eine Stelle, die über das Job-Center finanziert wurde, ausgelaufen war und die redaktionelle Zuarbeit nun zusätzlich im Team verteilt werden musste - "was zu Konflikten geführt hat", wie Kammer-Emden unumwunden zugibt. Es hat halt jeder auch so schon genug zu tun. Den letztlichen Ausschlag gab dann eine technische Sache: der Rechner, auf dem ein spezielles Programm für den Kakadu-Terminkalender installiert war, stürzte aus Altersschwäche ständig ab. "Ein neues Programm zu schreiben wäre aufwendig und teuer". All diese kleinen Faktoren summierten sich - und als dann noch die Meldungen aus der Kultur-Info der Stadt kamen, dass die Absatzzahlen des Kakadu rückläufig seinen, entschloss man sich, so Kammer-Emden, das Veranstaltungsmagazin einzustellen - trotz Protesten aus der Saarbrücker Kulturszene.

Ersetzt werden soll der Kakadu eigentlich durch einen neuen Kultur-Newsletter, der monatlich an Abonnenten gemailt wird. Der ist seit ein paar Wochen am Start, hat bisher 241 Abonnenten, und wird jeweils am Monatsanfang verschickt. Die Handhabung des Newsletters dürfte allerdings nicht jedem so ganz leicht von der Hand gehen. Man muss schon viel hin und her klicken, sich Zusammenhänge suchen und wird auch nicht so nebenbei auf Veranstaltungen hingewiesen, sondern findet doch eher, das, wonach man gezielt sucht. Auch hat man keinen direkten Zugriff auf einen Monats-Kalender, der alle Veranstaltungen - von Kino über Theater bis Musik, Vernissagen und Kabarett - jeweils zum Tag auflistet. Der Vorteil des Kakadu war ja, dass man beim Stöbern und über den Terminkalender auch mal über Themen und Angebote stolperte, die man zwar nicht gesucht hatte, aber trotzdem interessant fand.

Dieses Problem sieht man vor allem in der Freien Szene, deren Haupt-Werbemedium der alte Kakadu war. "Die Szene hätte gern wieder ein Druckmedium", sagte Kammer-Emden. Und weil auch im Kulturamt durchaus eine Sensibilität dafür da ist, dass eine Stadt wie Saarbrücken ein Programm-Magazin braucht, wolle man gern bei der Wiederauferstehung des Kakadu helfen - allerdings in anderer Form. "Die freie Szene will jetzt selbst einsteigen", sagt Sylvia Kammer-Emden. Vertreter des Netzwerks Freie Szene seien bei ihr gewesen.

Wobei das Wollen so eine Sache ist, wenn man Ralf Peter zuhört, dem Sprecher der Freien Szene. Es ist wohl eher ein Gefühl des Müssens, weil man das Medium braucht, die Stadt es aber nicht mehr liefert. Das Kulturamt will nicht mehr zuständig sein, nur noch unerstützen. So würde die Stadt den Vertrieb übernehmen und einen kleinen Zuschuss geben. Die Mittel dazu würden nach aktueller Planung allerdings aus dem Gesamt-Etat für die Szene umgeschichtet. Und da liegt derzeit noch das Haupt-Problem: Künstlerische Projekte zu Gunsten eines gedruckten Magazins beschneiden, das sei der Szene nicht vermittelbar, sagt Ralf Peter.

Mögliche Lösung: Das Netzwerk freie Szene würde in einem neuen Magazin auch Veranstaltungen aus dem ganzen Land präsentieren, da gäbe es mögliche weitere Geldgeber. Die Netzwerker wollen sich nun um einen Termin im Kultusministerium bemühen. Wer weiß, vielleicht steigt der Kakadu ja bald als Phönix aus der Asche . . .

So erscheint der neue Kultur-Newsletter der Stadt auf dem heimischen Bildschirm. Im März war das Festival Tamis der Aufmacher. Screenshot: SZ/Foto: Stadt. Foto: Stadt

Den neuen Kultur-Newsletter kann jeder bestellen, man muss einfach auf www.saarbruecken.de gehen, dort den Menü-Punkt "Kultur" anklicken, und auf dieser Seite rechts findet man eine Hinweis zum Kultur-Newsletter (meistens gleich unter der Sparkassen-Anzeige).