Der Griff nach den Sternen

Saarbrücken · Der Judoclub Folsterhöhe sieht sich nicht nur als reiner Sportclub. Mit zahlreichen Aktivitäten ist der Verein darum bemüht, zum sozialen Miteinander im Saarbrücker Wohngebiets beizutragen. Dafür gab es zuletzt erneut eine Auszeichnung.

 Im vereinseigenen Dojo toben sich die Kinder in sämtlichen Sportarten aus. Fotos: Bock/Verein

Im vereinseigenen Dojo toben sich die Kinder in sämtlichen Sportarten aus. Fotos: Bock/Verein

 Der JC Folsterhöhe steht auch für soziale und gesellschaftliche Aspekte. Wie hier mit Mikroskopen, können die Kinder bald mit Teleskopen experimentieren.

Der JC Folsterhöhe steht auch für soziale und gesellschaftliche Aspekte. Wie hier mit Mikroskopen, können die Kinder bald mit Teleskopen experimentieren.

Es ist Mittwochnachmittag gegen 17 Uhr. Über dem Saarbrücker Wohngebiet Folsterhöhe hat sich schon längst die Abenddämmerung breitgemacht. Im Schatten der Hochhäuser-Reihen wirkt die Szenerie etwas düster, doch die Trainingsstätte des Judoclubs Folsterhöhe ist hell erleuchtet. Lothar Bock, der Vorsitzende des Vereins von der "Folschder", steht in seinem blauen Judo-Anzug auf der Matte im Inneren des Dojos. Vor ihm eine Gruppe von Kindern. "Schön da stehen bleiben", ruft er den zweieinhalb bis fünf Jahre alten Teilnehmern des Krabbeltrainings lächelnd zu. Dann wird ein großes, buntes Tuch ausgepackt, die Kinder nehmen es an den Ecken und haben sichtlich Spaß, einen Schaumstoffball auf dem Tuch zu halten.

In der Zwischenzeit füllt sich der Trainingsraum immer mehr. Nach und nach trudeln weitere Kinder im Dojo ein und erwarten den Beginn der nächsten Übungseinheit. "Hier ist immer irgendwas los, sieben Tage die Woche", sagt Bock. "Bei uns braucht sich keiner langweilen." Es ist ein Ablauf, den der 57-Jährige schon seit eh und je kennt. Eine Trainingseinheit jagt die nächste, "fünf oder sechs Mal die Woche, täglich bis zu vier Stunden", sagt Bock.

Dennoch ist es nicht nur der sportliche Aspekt, der beim Judoclub großgeschrieben wird. Das hat der Verein mit seinem Projekt "Bewegen, lernen, forschen" zuletzt aufs Neue unterstrichen - und wurde dafür zum wiederholten Male ausgezeichnet. Ende November belegte der JC bei den "Sternen des Sports", einer Auszeichnung, die an Sportvereine für ihr soziales Engagement vergeben wird, im Saarland Platz drei. "Es ist schön, dass uns erneut eine solche Ehre zuteilwurde. Das zeigt ja auch, dass wir uns auf unseren Lorbeeren nicht ausruhen", meint der Vorsitzende.

Bereits 2010 hatte sich der Club mit seinem Projekt "Treffpunkt statt Brennpunkt" beworben - und nach dem silbernen Stern im Saarland bundesweit den zweiten Platz erreicht. "Wir sind eine Anlaufstelle für alle, für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Es dreht sich bei uns nicht nur um Judo ", sagt Bock. Das neue Projekt bezieht sich vor allem auf die Jüngeren. Sie kommen nicht nur her, um gemeinsam Sport zu treiben. Auf der Folsterhöhe wird dem Nachwuchs auch darüber hinaus einiges geboten. "Das Ganze ist als offene Kinder- und Jugendarbeit ausgerichtet. Wir wollen die Kinder beim Einstieg in das gesellschaftliche Leben unterstützen, ihnen helfen, sich zu orientieren und Perspektiven aufzeigen. Dazu reichen schon einfache Dinge. Neben der sportlichen Betätigung bringen wir den Kindern zum Beispiel bei, eigene Gärten anzulegen, oder sie haben bei uns die Möglichkeit, eine eigene Zeitung herzustellen", nennt Bock Aspekte des Projekts. "In der heutigen Gesellschaft kümmern sich die Menschen immer weniger umeinander. Wir müssen einfach lernen, die vorhandenen Potenziale an die nächste Generation weiterzugeben."

Auf der Folsterhöhe, die als Wohngebiet nicht den besten Ruf genießt, steht der Judoclub mit rund 350 Mitgliedern jedem, der möchte, mit Rat und Tat zur Seite - und bietet gerade für sozial schwächer gestellte Menschen eine wichtige Anlaufstelle. Mit dem Preisgeld von 1000 Euro, das durch Platz drei bei den Sternen des Sports in die Kasse fließt, wird der Verein zwei neue Teleskope anschaffen. So können sich die Kinder schon mal darin üben, nach den Sternen zu greifen.

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