Der Charme des Morbiden

Stephan Padel stellt im Grünen Eck Fotos einer menschenleeren Saar-Uni aus.

Eigentlich ist Stephan Padel gar kein Fotograf. Wer aber seine Fotografien sieht, merkt schnell, dass da einer nicht nur ein gutes Auge für Architekturen und ein gutes Gefühl für den richtigen Moment der Aufnahme hat, sondern dass er mit seinen Fotos auch etwas aussagen will. "Meine ersten Fotos habe ich noch mit dem Handy gemacht", erzählt er vor seinen Arbeiten, die derzeit im "Grünen Eck" in der Mainzer Straße 23 in St. Johann zu sehen sind. "Erst seit dem Jahr 2013 ist das Fotografieren für mich ein ernsthaftes Hobby".

Seinen Lebensunterhalt verdient Stephan Padel zurzeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität des Saarlandes. Der gebürtige Aachener kam Ende 2012 nach Saarbrücken. "An der Uni war eine Stelle im Fach Philosophie ausgeschrieben. Und da habe ich mich beworben und die Stelle bekommen", berichtet er weiter. Das Fach Philosophie hat den jungen Mann mit den kurzen Haaren, wachen Augen und dem Dreitagebart schon immer interessiert. "Ich wollte den Dingen auf den Grund gehen", ist seine Erklärung zur Wahl des Fachs, in dem er zurzeit auch promoviert.

Stephan Padel fühlt sich in Saarbrücken wohl, es sei fast sein Zuhause, sagt er. Vielleicht ist das auch ein Grund, warum ihm die Universität so besonders am Herzen liegt. Denn sie ist das Motiv seiner Serie "Under Destruction". "Eigentlich wollte ich an einem Samstagmorgen im Wald fotografieren. Auf dem Weg dahin bin ich noch in mein Büro und habe die Universität menschenleer und daher mit ganz anderen Augen gesehen", erzählt Stephan Padel.

Die leeren Räume, Gänge, Ecken und Eingänge haben ihn dann zu einer faszinierenden Foto-Serie inspiriert.

Mit verschiedenen Digital- und Systemkameras hat er die Orte abgelichtet, die Aufnahmen dann am PC bearbeitet. Dafür hat er allerdings kein einfaches Bearbeitungsprogramm gewählt. Um seinen Fotografien einen verwaschenen, gebrauchten, alten und altmodischen Look zu verleihen, hat Stephan Padel mehrere Aufnahmen übereinander gelegt, darunter auch Fotografien von alten Papieren. Außerdem hat er alle Farben beseitigt, diese Serie zeigt nur Schwarz-Weiß-Aufnahmen.

Dabei herausgekommen sind Fotografien der Universität, die zwar in gewisser Weise auch den Charme des Morbiden zeigen, die aber vor allem darauf hinweisen, wie abgenutzt diese Orte sind. Die leeren Gänge, das Mobiliar, die Fliesen und auch die schiefen und abgetretenen Waschbetonplatten, auf denen sich Pfützen bilden, sind sehr ästhetisch abgebildet, gleichzeitig sieht man aber auch mit Schrecken die Vernachlässigung. "Diese Fotos sollen ein Weckruf sein, sie sollen klarmachen, dass ein weiteres Sparen an diesem Ort nicht mehr möglich ist", erklärt Stephan Padel dazu engagiert.

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