Der besondere Reiz ist weg

Nicht so zufrieden waren viele Filmfans diesmal mit der Blauen Stunde. Zu früh, zu eng, zu wenig Atmosphäre. Und aktuelle Kurzfilme gab es auch nicht.

Der Andrang war groß wie immer. 3500 Tickets erstanden die Fans des Max-Ophüls-Preis-Festivals am Samstag in der ersten Stunde nach Vorverkaufsbeginn. Auch wenn die Hälfte der Karten übers Internet wegging, so standen Hunderte von Fans doch auch diesmal wieder geduldig bis zu zwei Stunden vor den Kinokassen an. Doch was ist bloß aus der Blauen Stunde geworden? Die Festivalleitung hatte sie diesmal vom Rathaus wieder in den Filmhaus-Innenhof zurückverlegt, auf 14 Uhr am Nachmittag vorgezogen und, weil's da ja noch hell war, die Kurzfilme statt auf Großleinwand im Freien im kleinen Filmhaus-Schauplatz vorgeführt.

Vom besonderen Reiz des Eröffnungs-Rituals sei ja kaum noch was geblieben, hörte man langjährige Ophüls-Fans in der Filmhaus-Schlange murren. "Abends, mit diesem blauen Licht - das hat eine Atmosphäre geschaffen, die wirklich schön war", klagte etwa Isabella B., die eigens aus dem Rheingau zum Kartenkaufen angereist war und auch die Angabe der Filmhaus-Anschrift auf der Webseite vermisste. Sowieso fand sie Stadtgalerie- oder auch den Rathaus-Innenhof viel besser, auch weil es da nicht so eng sei.

Und auch noch das: "Da drin zeigen sie ja Kurzfilme vom vorigen Jahr!", stellte Carmen Dresen nach einer Stippvisite im gut gefüllten Schauplatz enttäuscht fest. "Ja, stimmt, weil wir diesmal lauter Premieren zeigen, haben wir nicht die Rechte, die Kurzfilme vorab zu zeigen", bestätigte Festival-Pressesprecherin Karin Kleibel später gegenüber der SZ.

Neben all diesen Punkten stieß der Saarbrückerin Judith Müller aber noch etwas übel auf: Zwar waren sowohl die Festivalchefs, als auch die Oberbürgermeisterin und der Kulturdezernent im Innenhof zugegen - doch niemand hielt eine Ansprache. "Selbst wenn es in der Filmbranche locker zugeht, man möchte doch begrüßt und willkommen geheißen werden, das gehört sich doch wohl unter Erwachsenen", zeigte sich Müller enttäuscht - und Kulturdezernent Erik Schrader war überrascht. "Echt?! Wir dachten doch, wir tun den Leuten damit was Gutes", begründete er das Fehlen von Reden.

Sascha Markus und Helga Barrois haben noch einen Tipp für die Stadt: Sie sollte mit der Saarbahn einen Vertrag abschließen, damit die Ophüls-Besucher zwischen den Kinos gratis mit der Tram pendeln können, erklärt das Paar, das sich in der Festivalzeit immer eine Wochenkarte kauft.

max-ophuels-preis.de