Der ATSV-Trainer, der offiziell keiner ist

Der ATSV Saarbrücken muss an einem Tag gleich zwei Mal ran. Morgen spielt er in Schwabhausen und in Langweid. Beide Male wird Wolfgang Scholer wieder die Spielerinnen betreuen. Trainer ist er offiziell nicht.

Wer sich eine Partie von Tischtennis-Zweitligist ATSV Saarbrücken anschaut, sieht neben den Spielerinnen rund um die Nummer eins Na Yin auch Wolfgang Scholer neben der Platte wirbeln. Offizieller Trainer ist er nicht - der Verein hat keinen, wie Scholer erklärt: "Im Tischtennis gibt es selten Mannschaften mit einem festen Trainer. Spielerinnen werden früh dazu erzogen, das Training selbst zu gestalten, weil man ja Spielzüge - außer vielleicht im Doppel - nicht aufeinander abstimmen muss. Man muss einfach fit sein. Den Rest verlernt man nicht."

Vor den Partien trainieren die ATSV-Spielerinnen, die am morgigen Samstag um 14.30 Uhr beim TSV Schwabhausen sowie um 19 Uhr beim TTC Langweid ran müssen, oft noch miteinander - das muss dann reichen. Sowieso wäre es schwer, ein Training mit allen zu veranstalten. Tessy Gonderinger und Ann-Kathrin Herges wohnen in Luxemburg und Leipzig, wo sie sich selbstständig fit halten, während die 36 Jahre alte Na Yin laut Scholer "nach eigenem Gutdünken im Verband trainiert", wo ihr Mann Wang Zhi Trainer ist. Dieser gesellt sich vor den Spielen auch oft zur Saarbrücker Mannschaft, wo er vor allem den beiden jüngeren Spielerinnen des ATSV, der 16 Jahre alten Carolin Freude sowie der drei Jahre älteren Ann-Sophie Daub, als Unterstützung dient.

Ein weiterer Punkt, der den ATSV Saarbrücken von der Verpflichtung eines Trainers abhält, ist der finanzielle. "Wer bezahlt so etwas?", fragt Scholer, der eine Doppelfunktion innehat. Auf der einen Seite ist er seit 20 Jahren Abteilungsleiter und kümmert sich um alles Organisatorische - während den Partien fungiert er als Trainer. "Vor dem Spiel bespreche ich mit den Spielerinnen die taktische Marschrichtung und analysiere die jeweilige Gegnerin. Während der Partie darf man den Spielerinnen seit neustem auch Kommentare zurufen. Wenn sie zum Beispiel zu hektisch sind, erinnere ich sie daran, dass sie mal durchatmen und eine Pause machen sollen", sagt Scholer, der mit dem ATSV als Spieler vier Mal deutscher Meister wurde. Später war er drei Jahre lang hauptberuflich Trainer der Herren-Mannschaft, weshalb er eine Lizenz als Bundesliga-Trainer hat, "Nach jedem Satz hat man auch noch zwei Minuten Beratungspause - dort überprüfen wir dann, ob sich die Gegnerin so verhält wie gedacht und dementsprechend passt man die taktische Anweisung nochmal an. Da hat man als Trainer schon große Einflussmöglichkeiten."

Erfahrene Adams und Herges

Scholer wird während Spielen unterstützt von den erfahreneren Akteurinnen des ATSV Saarbrücken - allen voran Theresa Adams und Ann-Kathrin Herges, die früher sechs Mal wöchentlich miteinander trainiert haben. "Die beiden spielen seit 15 Jahren zusammen und kennen sich gegenseitig auswendig", sagt Scholer: "Sie beraten sich aber nicht nur gegenseitig, sondern helfen auch anderen Spielerinnen, wenn gerade zwei Einzel gleichzeitig stattfinden und ich eine jüngere Spielerin am Betreuen bin."

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