Den Niedergang in Aufschwung verwandeln

Aus dem Gelände des ehemaligen Burbacher Drahtwerks Heckel wieder einen Ort machen, an dem Menschen arbeiten – so lautete der erste Auftrag für die Gesellschaft für Innovation und Unternehmensförderung. Inzwischen sieht sich die städtische GmbH als „eine der führenden Projektentwicklungsgesellschaften im Südwesten“.

 Fenster aufstoßen – darum ging es nicht nur symbolisch auf den Saarterrassen. Foto: Becker&Bredel
Fenster aufstoßen – darum ging es nicht nur symbolisch auf den Saarterrassen. Foto: Becker&Bredel Foto: Becker&Bredel
 Der ehemalige GIU-Geschäftsführer Dieter Blase am ehemaligen Ausbesserungswerk Burbach. Foto: Maurer
Der ehemalige GIU-Geschäftsführer Dieter Blase am ehemaligen Ausbesserungswerk Burbach. Foto: Maurer Foto: Maurer
 Für das neue Wohngebiet auf dem Gelände der ehemaligen Artilleriekaserne gab es 2008 den Bauherrenpreis. Foto: Serra
Für das neue Wohngebiet auf dem Gelände der ehemaligen Artilleriekaserne gab es 2008 den Bauherrenpreis. Foto: Serra Foto: Serra

Eine Unterschrift von Oskar Lafontaine ist keine Arbeit. Jedenfalls wertet das offenbar die städtische Gesellschaft für Innovation und Unternehmensförderung (GIU) so. Sie feiert am Donnerstag ihr 30-jähriges Bestehen. Dabei ist die Firma bereits 1984, also vor 31 Jahren, gegründet worden. 1984 habe der damalige Saarbrücker Oberbürgermeister lediglich die Gründungs-Unterschrift geleistet, hieß es jetzt bei der GIU. "Angefangen zu schaffen" habe man erst 1985.

In jenem Jahr begann die GIU damit, aus dem ehemaligen Heckel-Gelände in Burbach, das als ein Symbol des industriellen Niedergangs galt, das "Saarbrücker Innovations- und Technologiezentrum" (SITZ) zu machen. Das Gelände, 1999 erweitert, 2002 in "IT-Park Saarland" und vor wenigen Wochen in "InnovationsCampus Saar" umbenannt, bleibt bis heute eins der wichtigsten GIU-Projekte.

1995 startete die GIU die Entwicklung der Saarterrassen auf dem Gelände der ehemaligen Burbacher Hütte, 1999 die Entwicklung des ehemaligen Bahn-Ausbesserungswerks in Burbach. 2003 wurde die frühere Wagenrichthalle zum Handwerkerzentrum umgebaut.

Das Engagement der GIU beschränkte sich allerdings nicht nur auf Burbach. 2004 beriet die GIU die Macher der rheinland-pfälzischen Landesgartenschau in Trier und übernahm die "Prozesssteuerung" bei der Entwicklung des Wohngebiets Trier-Petrisberg. Im selben Jahr begann die GIU mit der Entwicklung und Vermarktung des neuen Wohngebiets auf dem Gelände der ehemaligen Artilleriekaserne in St. Arnual - ein Projekt, für das es 2008 den deutschen Bauherrenpreis gab. Mit der Entwicklung des inzwischen fast komplett belegten neuen Quartiers Eurobahnhof begann die GIU 2007. 2010 begannen die Arbeiten zum Wohngebiet "Bellevue 2.0" auf einem ehemaligen Sportplatz. Auf der Berliner Promenade hat die GIU das Drescher-Haus gekauft, abreißen lassen und das Rivage-Gebäude errichtet, das in diesen Tagen fertiggestellt wird. Für ZF hat die GIU, die 45 Mitarbeiter hat, im Industriegebiet gebaut. Zurzeit ist die Entwicklung des Wohngebiets Franzenbrunnen im oberen Alt-Saarbrücken das größte Projekt der seit 2001 von Geschäftsführer Jürgen Schäfer geleiteten GIU.

Eine makellose Erfolgsgeschichte also? Nicht ganz. Weil die GIU bei all diesen Projekten meist auf sich allein gestellt war und nicht wie andernorts üblich Geld für ihre Arbeit als Wirtschaftsförderer bekam, gerieten sie beziehungsweise ihre Tochterunternehmen gelegentlich in Schwierigkeiten und mussten mit Millionenzuschüssen aus der Stadtkasse vor der Pleite gerettet werden.

Das sorgte unter anderem für politischen Zwist. Die CDU wollte die Gesellschaft immer mal wieder auflösen, was allerdings an der SPD scheiterte. "Wir mussten die Gesellschaft finanziell auf gesunde Füße stellen und gegen den Privatisierungswahn der Konservativen verteidigen", sagt Peter Bauer, der Vorsitzende der SPD-Stadtratsfraktion, anlässlich der Jubiläumsfeier. Die von Oskar Lafontaine begonnene Arbeit habe sich gelohnt.