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Den Außenseiter mögen - gar nicht so leicht

Saarbrücken. „Der Tag, als ich lernte die Spinnen zu zähmen“ ist ein erfolgreiches Kinderbuch von Jutta Richter. Für das Saarbrücker Kindertheater Überzwerg hat Petra Wüllenweber das Werk nun für die Bühne bearbeitet, und sie führt auch Regie. Am 22. März ist Uraufführung. Alexander Stallmann

. "Er läuft wie ein Furchendackel", sagt ein Mädchen über den stets schlurfenden Jungen Rainer. Die anderen Kinder mögen Rainer nicht - er ist ein Außenseiter. Nur Meechen mag Rainer. Aber sie merkt, dass es gar nicht leicht ist, mit jemandem befreundet zu sein, der am Rand steht.

Am Sonntag hat das Stück "Der Tag, als ich lernte die Spinnen zu zähmen" im Theater Überzwerg Premiere. Die Ex-Überzwergin und erfolgreiche Regisseurin Petra Wüllenweber führt bei dem Schauspiel für Kinder ab acht Jahren Regie und hat auch die Bühnenfassung geschrieben. Die Romanvorlage stammt von der Kinder- und Jugendbuchautorin Jutta Richter, die mit dem Werk 2001 den Deutschen Jugendliteraturpreis gewann.

In dem lebendig und unterhaltsam inszenierten Bühnenstück geht es zum einen um Angst: Angst vor Spinnen, vor der riesigen Kellerkatze oder Angst vor Ratten. Es geht aber auch um Mut: Und zwar um den Mut, zu jemandem zu stehen, der von der Gesellschaft ausgegrenzt wird. "Schafft man es, jemandem die Stange zu halten, auch wenn der gesellschaftlich nicht anerkannt ist? Das ist eines der Hauptthemen, um die sich das Stück dreht", sagt Wüllenweber im Gespräch mit der SZ.

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen die Figuren von Meechen und Rainer. Meechen ist ein fantasievolles, aufgewecktes Mädchen, das mit einigen Ängsten, etwa der Angst vor Spinnen, zu kämpfen hat. Ihre Eltern nehmen das alles nicht sonderlich ernst. Rainer ist ein wenig älter als Meechen und kommt aus sozial schwierigen Verhältnissen. Die anderen Kinder machen sich lustig über ihn, Meechens Eltern würden ihn am liebsten im Kinderheim sehen. Aber Rainer ist der Erste, der Meechens Ängste ernst nimmt. Mit spannungsaufbauender Musik unterlegt vertreibt er die Kellerkatze aus dem Keller. Später rettet er Meechen vor einer Spinne in ihrem Zimmer. Sie werden beste Freunde.

Aber Meechen steht zwischen den Stühlen: Sie will zur Gruppe dazugehören, aber dennoch Rainer nicht als Freund verlieren. Petra Wüllenweber erklärt: "Einerseits ist Rainer ein toller Typ und nimmt Meechen ernst. Aber es wird in dem Stück auch klar, dass er kein Superheld ist. Und Meechen steht vor dem Problem: Entweder entscheidet sie sich für Rainer oder für die Gruppe."

Trotz des durchaus brisanten Themas bleibt das Stück äußerst erfrischend und humorvoll. Neben großartigen Gags bietet sich den Zuschauern auch ein besonderes Bühnenbild. Die Handlungsorte wechseln oft, mal spielt die Szene in Meechens Zimmer, mal im Keller oder auch im Gruselhaus. Damit der Handlungsort schnell wechseln kann, steht auf der Bühne ein großes drehbares Konstrukt, das je nach Position verschiedene Bühnenbilder parat hält und gleichzeitig für die ein oder andere Show-Einlage sorgt.

Bis zur Premiere wird noch fleißig geprobt. Wüllenweber gibt während der Probe hier und da kurze Einwürfe: "Die Musik etwas leiser. Ja, jetzt der Lichtwechsel." Insgesamt wirkt es aber schon sehr rund.

Uraufführung Sonntag, 22. März, 15 Uhr, im Theater Überzwerg am Kästnerplatz. Karten: (06 81) 9 58 28 30.



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