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Demenzkranke Tante im Heim: Neffe veruntreut über 100 000 Euro

Demenzkranke Tante im Heim: Neffe veruntreut über 100 000 Euro

Nach dem Tod ihres Ehemannes hatte eine alte Dame praktisch nur noch ihren Neffen. Als sie demenzkrank wurde und ins Seniorenheim kam, räumte der ihr Konto leer. Nun wurde der Neffe zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Wegen Untreue in 87 Fällen hat das Landgericht einen 61-Jährigen aus dem Saarland zu zwei Jahren Gefängnis auf Bewährung erurteilt. Er hatte zwischen 2009 und 2011 mehr als 100 000 Euro seiner demenzkranken Tante veruntreut.

Der Angeklagte und die alte Dame hatten über Jahrzehnte ein besonders enges Verhältnis. Sie hatte ihn quasi aufgezogen. Auch der erwachsene Mann hielt engen Kontakt zu seiner Ziehmutter. Das galt insbesondere nach dem Tod ihres Ehemann. Im August 2008 erteilte die damals 77 Jahre alte Dame dem Neffen eine Vorsorgevollmacht. Diese berechtigte ihn dazu, sämtliche Geld- und Vermögensangelegenheiten der Tante zu erledigen. Dabei war der Rentnerin bewusst, dass ihr Ziehsohn in finanziellen Schwierigkeiten steckte. Sie meinte dazu damals, dass sie ihm gern helfen wolle. Er könne deshalb einen Teil ihres Vermögens kraft Vollmacht auch zu eigenen Zwecken und zur Rettung seines Wohnhauses verwenden. Wenige Tage nach Erteilung der Vollmacht erlitt die Rentnerin einen Schlaganfall. Sie konnte sich kaum noch bewegen und orientieren, verlor die Fähigkeit zur Kommunikation und wurde demenzkrank. Im Oktober 2008 kam die Frau in ein Pflegeheim. Das kostet 3100 Euro im Monat; sie hat eine Rente von 950 Euro .

In der Folgezeit wurde der Neffe auch zum amtlichen Betreuer seiner Tante bestellt, und war für die Verwaltung ihres Vermögens verantwortlich. Er verkaufte das Haus der Frau und löste deren Anlagen auf. Das Geld ging auf das Konto der Rentnerin. Von dort hob der Angeklagte es nach und nach ab, meist in Beträgen in Höhe von 1000 Euro . Diese verbrauchte er für eigene Belange. Ende 2011 war das Konto der Tante leer, ihr Vermögen aufgebraucht. Es wurde ein Kontrollbetreuer bestellt, der nach kurzer Prüfung Strafanzeige erstattete. Daraufhin wurde der Neffe Ende 2013 erstmals vor Gericht gestellt und in 90 Fällen von Untreue zu drei Jahren Gefängnis ohne Bewährung verurteilt.

Dieses Urteil wurde anschließend vom Bundesgerichtshof weitgehend bestätigt. Allerdings wurden drei von 90 Fällen anders gewichtet, weshalb die Akten zurück ans Landgericht gingen. Hier hat der Angeklagte die Taten zugegeben. Er versucht zudem, den Schaden so weit gut zu machen, wie es ihm möglich ist. Und er bereut sein Tun offensichtlich sehr. Deshalb und wegen des ansonsten makellosen Lebenslaufes des Angeklagten haben die Richter jetzt die ursprünglich vom Landgericht verhängte Strafe reduziert und in eine Haftstrafe auf Bewährung umgewandelt.

"Sie haben Ihre kranke Tante um mehr als 100 000 Euro beklaut," sagte der Vorsitzende, "so etwas tut man nicht". Das sei eine schwere Straftat. Aber andererseits mache es auch keinen Sinn, den 61-Jährigen dafür einzusperren. Der Mann habe in Zeiten eigener finanzieller Nöte das Geld seiner Tante entwendet. Jetzt, rund drei Jahre nach der letzten Tat, habe er wieder Fuß gefasst und Arbeit gefunden. Eine Haft würde dies zunichte machen. Damit werde keinem gedient.