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Dem Saar-Wald geht's nicht gut

Problembaum: Besonders schlecht steht es um die im Saarland weit verbreitete Buche. Foto: Anton Didas
Problembaum: Besonders schlecht steht es um die im Saarland weit verbreitete Buche. Foto: Anton Didas FOTO: Anton Didas
Saarbrücken. Nur jeder vierte Baum im Saarland ist gesund. So lautet das Fazit des jüngsten Waldzustandsberichts. Zu schaffen machen den Bäumen unter anderem Frost, Borkenkäfer, Schadstoffe – und der Klimawandel. Udo Lorenz

Von Waldsterben reden die Forstexperten im Saarland schon länger nicht mehr, doch die Erholung des Waldes als Öko-Oase und Freizeitmagnet der Bevölkerung kommt derzeit kaum voran. Nur etwa jeder vierte Baum in den noch herbstlich bunt gefärbten Saar-Wäldern ist ganz gesund, wie aus dem am Dienstag von Umweltminister Reinhold Jost (SPD ) im SaarForst-Landesbetrieb in Von der Heydt vorgelegten Waldzustandsbericht 2016 hervorgeht. Dagegen sind 29 Prozent der Waldbäume deutlich geschädigt. Im Vorjahr waren es 30 Prozent. Die größten Sorgen machen den Experten laut der Stichproben-Erhebung an mehr als 2000 Bäumen vom Juli/August derzeit die Buchen. Ihr Kronenzustand hat sich in diesem Jahr ausgelöst durch sehr starke Fruchtbildung, Spätfrostschäden und Befall mit dem Schädlingskäfer Buchenspringrüssler auffallend verschlechtert. Mehr Schäden gibt es auch bei den Fichten . Die Eichen und Kiefern erholen sich dagegen etwas. Untersucht wurden die Bäume von Experten des Saar-Forst und der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft in Trippstadt. "Der Wald ist immer noch nicht gut, aber er war schon mal wesentlich schlechter dran", bilanziert Minister Jost. Er sieht auch negative Auswirkungen des Klimawandels und sagt: "Das zu leugnen, wäre töricht". Je nach Baumart machen dem Wald ferner Luft- und Bodenschadstoffe, insbesondere Stickoxide und Ammoniak von Verkehr, Industrie und aus der Landwirtschaft, aber auch Pilzbefall und Insektenfraß zu schaffen. Als Gegenmaßnahmen kündigt Minister Jost eine Fortführung des Kalkungsprogramms gegen versauerte Waldboden und den angestrebten Ersatz von mehr und mehr Fichten durch robustere Weißtannen an. Den Ertrag durch Holzeinschlag des Saar-Forstes in den staatlichen Wäldern beziffert Jost für dieses Jahr auf zehn Millionen Euro, betont aber: "Jedes Jahr wächst mehr Wald nach als entnommen wird". Laut Waldzustandsbericht weisen nur 24 Prozent aller Bäume keine Schadmerkmale auf.

Die Buchen sind im Saarland mit knapp einem Viertel Anteil an der Waldfläche die wichtigste Baumart. Von ihnen sind nur noch 14 Prozent ohne jegliche Schäden. Dagegen weisen jetzt 60 Prozent von ihnen deutliche Schäden auf. Bei den Eichen , der zweithäufigsten Baumart in den Saar-Wäldern, sieht es dagegen spürbar besser aus. Unter ihnen sind jetzt 27 Prozent gesund und nur noch 19 Prozent haben deutliche Schädigungen in den Kronen. Bei den Fichten , den am meisten verbreiteten Nadelbäumen im Saarland, ist der Anteil der gesunden Bäume auf 20 Prozent weiter gesunken. Schuld daran tragen vor allem Sturmwurf und Borkenkäferbefall.

Am besten sieht es dagegen bei den Kiefern aus. Sie sind jetzt zu 38 Prozent ohne Schäden und der seit zehn Jahren zu beobachtende positive Trend ihrer Erholung hat sich weiter fortgesetzt.

Reinhold Jost
Reinhold Jost
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