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Dem Ingeniör ist nichts zu schwör

Saarbrücken. Als Professor müsse man aufpassen, was man sagt, sagt Professor Matthias Nienhaus. Vor allem dann, wenn man promovierter Ingenieur ist, einen Lehrstuhl für Antriebstechnik an der Universität des Saarlandes innehat und nach Daniel Düsentrieb gefragt wird. Nach einem Kollegen, den es gar nicht gibt und den doch Millionen von Menschen kennen Von SZ-Redakteur Martin Rolshausen

Saarbrücken. Als Professor müsse man aufpassen, was man sagt, sagt Professor Matthias Nienhaus. Vor allem dann, wenn man promovierter Ingenieur ist, einen Lehrstuhl für Antriebstechnik an der Universität des Saarlandes innehat und nach Daniel Düsentrieb gefragt wird. Nach einem Kollegen, den es gar nicht gibt und den doch Millionen von Menschen kennen.



Was darf ein Professor, der einen Motor in der Größe eines Centstücks entwickelt hat, der in der Raumfahrttechnik gearbeitet und eine eigene Firma gegründet hat, ein Mann also, der in der realen Welt sehr erfolgreich ist, über einen Ingenieur aus Entenhausen sagen, ohne sich lächerlich zu machen? "Er ist einer, der begeistert. Figuren wie Daniel Düsentrieb machen junge Leute neugierig", sagt Professor Matthias Nienhaus schließlich. Erst lesen junge Leute Düsentrieb-Comics, dann schon etwas anspruchsvollere populärwissenschaftliche Bücher, um sich dann womöglich selbst für den Beruf des Ingenieurs zu entscheiden, spekuliert der Professor.

Daniel Düsentrieb hatte im Mai 1952 in Heft 140 der Reihe "Walt Disney's Comics and Stories" auf fünf Bildern seinen ersten Auftritt. Er hüpfte auf einem Stock durchs Bild. Er hatte sich ein Butterfass umgeschnallt, um die darin befindliche Sahne durch das Hüpfen in Butter zu verwandeln. Dem ersten Kurzauftritt folgte einen Monat später eine Geschichte mit Daniel Düsentrieb in der Hauptrolle. Es ging um die Erfindung von "Denkkästen", die Tieren das Reden ermöglichen.

"Um Gottes Willen, was macht der da?" Das habe er sich gelegentlich gefragt, sagt Bernd Heidemann. Er ist auch Ingenieur, und er ist auch Professor. Heidemann lehrt "Produktentwicklung und Konstruktionstechnik" an der Saarbrücker Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW). Er versucht seinen Studierenden zu vermitteln, wie man "von einer ersten Idee bis zum tragfähigen Konzept" kommt.

Und die Ideen, mit denen seine Studentinnen und Studenten da kommen, seien schon manchmal nicht weniger zum Schmunzeln wie das, was Daniel Düsentrieb versucht. Stehtische, bei denen Getränke aus einer integrierten Kühlung kommen; Heckenscheren, die man auch als Rasenmäher einsetzen kann; eine Maschine, in die man oben Kartoffeln reinwirft und aus der unten Pommes frites rauskommen - das habe schon Düsentriebpotenzial, findet Professor Heidemann. Wie sein Kollege Matthias Nienhaus findet Bernd Heidemann, dass Daniel Düsentrieb, der Vogel mit dem Motto: "Dem Ingeniör ist nichts zu schwör!", viel für den Ingenieursberuf leistet. In den Fernsehserien, die junge Leute bei der Berufswahl beeinflussen, geht es um Ärzte, um Anwälte, Polizisten, ja sogar Bestatter - "Ingenieure kommen da nicht vor", weiß Heidemann. Um so wichtiger sei "ein kleiner Vorzeigeingenieur" wie Daniel Düsentrieb. "Eine unterhaltsame Figur", die ähnlich wie die "Sendung mit der Maus" neugierig auf die Welt macht. Wobei Daniel Düsentrieb ganz nebenbei auch noch etwas vermittelt, was auch für Ingenieure im richtigen Leben wichtig sei: "Es kann auch Rückschläge geben, und aus denen sollte man das Beste machen", so Heidemann.

Er selbst habe übrigens auch Micky-Maus-Comics gelesen, bekennt Heidemann - und es habe ihm nicht geschadet. Professor Nienhaus spricht lieber nicht über Comics, sondern über den "schönen Beruf des Ingenieurs, der Technik formt, der Dinge formt". "Er ist für die Volkswirtschaft von Wert, weil er die Neugier auf wichtige Berufe weckt."

Professor Matthias Nienhaus über Daniel Düsentrieb

"Er ist ein echter Vorzeigeingenieur. Und manchmal denkt man: Um Gottes Willen, was macht der da?"

Professor Bernd Heidemann über Daniel Düsentrieb

Auf einen Blick

In Deutschland erscheinen die Abenteuer von Daniel Düsentrieb im 1951 gegründeten Egmont Ehapa Verlag. Der Verlag gibt auch das "Micky-Maus-Magazin" und "Disneys Lustiges Taschenbuch" heraus. Auch die Comic-Helden Asterix und Lucky Luke werden im Egmont Ehapa Verlag verlegt. Außerdem im Verlagsprogramm: Barbie, Winnie Puuh, Bibi Blocksberg, Benjamin Blümchen, SpongeBob und das Y-Heft. ols

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