Das wird eine Operation „am offenen Herzen“

Im nächsten Jahr soll die Wilhelm-Heinrich-Brücke grundlegend saniert werden. Wie das geschieht, erklärt Baudezernent Heiko Lukas.

Fürst Wilhelm Heinrich (1718-1768) hat Saarbrücken so einiges zu verdanken. Das Schloss, die Ludwigskirche, die Basilika St. Johann. Die nach ihm benannte Brücke natürlich nicht. Wilhelm hätte das von Friedrich Joachim Stengel (1694-1787) so nie bauen lassen. Nun hat Heiko Lukas als Baudezernent die Chance - oder die Mühe -, in Stengels Fußstapfen zu treten. Lukas ist mit der Sanierung der Brücke beauftragt, einer der wichtigsten Verkehrsadern von Saarbrücken.

Die Sanierung soll zügig voranschreiten. Von März bis Oktober kommenden Jahres soll alles fertig sein, wie Lukas mitteilte. Derzeit bereite man die europaweite Ausschreibung des Projektes vor. Kommende Woche, am 9. Juni, will man die Ausschreibung rausgeben. Wichtig sei jetzt, so Lukas zur SZ, dass die Übergangskonstruktion für die Brücke angegangen werde. Das werde mehrere Monate in Anspruch nehmen, müsse aber natürlich bis Baubeginn im März stehen.

Die beiden Fahrbahnhälften - die eine stadteinwärts, die andere stadtauswärts - sollen jeweils innerhalb von zweieinhalb Monaten saniert werden. Im Grunde, so Lukas, handele es sich bei der Wilhelm-Heinrich-Brücke eigentlich um zwei Brücken, die nebeneinander stünden. Schätzungen zufolge fahren jeden Tag 20 000 Autos über die Brücke.

Umstritten ist die neue Verkehrsführung für Radfahrer. Die Stadt plant zwischen den Fahrspuren einen breiten Streifen, der für die Radler reserviert ist und mit deutlichen Markierungen in roter und weißer Farbe abgegrenzt wird. Kritiker befürchten, dass die Sicherheit der Radfahrer damit nicht gewährleistet sei. Dem entgegnet Lukas: "Der Streifen wird ausreichend breit sein. Wir wollen den Radverkehr in Saarbrücken ja wieder attraktiv machen." Zudem, so betont Lukas ausdrücklich, könnten Radfahrer auch weiterhin rechts und längst der Fahrbahnen radeln. Alle die langsamer unterwegs seien oder auch ängstlicher könnten diese Möglichkeit auch in Zukunft nutzen. Wer schneller fahren möchte, könnte die "Schnellspur" zwischen den Fahrbahnen nehmen.

Die Gesamtkosten für die Sanierung der Brücke belaufen sich nach Angaben der Stadt auf 8,5 Millionen Euro. Zuletzt ergab sich ein Kostenplus von 2,9 Millionen, das Lukas mit der Anpassung an das laufende Planungsverfahren erklärt. In diesen 2,9 Millionen seien auch 775 000 Euro Risikozuschlag enthalten, die man eingeplant habe, falls die Ausschreibung teurer würde. Lukas: "Wir stellen derzeit bundesweit fest, dass die Baukosten steigen. Das hängt mit dem langjährigen Sanierungsstau in Deutschland zusammen und dem Boom in der Baukonjunktur.

Bürger und Öffentlichkeit will Lukas bei dem Großprojekt, das SPD-Fraktionschef Peter Bauer schlicht "eine Operation am offenen Herzen" nennt, jederzeit mitnehmen. Ein Team von Kommunikationsprofis soll jeden Tag aktuelle über die Bauabschnitte und eventuelle Sperrungen informieren. Dies geschehe über die Medien und ein Internetangebot. Zu Zeiten von Wilhelm Heinrich konnten die Saarbrücker von solchen Informationsmöglichkeiten nur träumen. Die mussten damals Saarbrücker Zeitung lesen. Die gab's damals nämlich auch schon. Seit 1761.