Das Wiegen sorgt für weniger Abfall

Seit in der Landeshauptstadt der Müll gewogen wird und die Gebühren maßgeblich nach Gewicht gehen, werfen die Saarbrücker weniger in die Tonne. In der City haben dreißig Prozent ein Schloss dran.

Seit Einführung der Müllverwiegung am 1. Januar 2011 sind in Saarbrücken die Restmüllmengen um 27 Prozent gesunken. Wie der Zentrale Kommunale Entsorgungsbetrieb (ZKE) mitteilte, wurden im Jahr 2010 noch 39 400 Tonnen Hausabfall aus den Saarbrücker Mülltonnen zur Verbrennungsanlage Velsen gebracht. Im ersten Jahr der Verwiegung sank die Masse auf 30 600 Tonnen, verringerte sich 2012 und 2013 weiter auf 29 200 und 28 600 Tonnen, um sich im Jahr 2014 bei 28 500 Tonnen zu stabilisieren.

Umweltdezernent Thomas Brück (Grüne) sieht in der Entwicklung die Bestätigung, "dass die Einführung der Müllverwiegung für Saarbrücken die richtige Entscheidung war". Die Bedenken, wonach das Wiegen des Hausmülls in einer Großstadt wie Saarbrücken nicht praktikabel sei, hätten sich nicht bestätigt. Wie ZKE-Sprecher Otto Drossel unserer Zeitung bestätigte, gebe es durch die Umstellung in nennenswertem Umfang weder wilde Müllablagerungen noch Fehlbefüllungen in anderer Leute Tonnen.

"Die Saarbrücker haben die Möglichkeit genutzt, durch ihr Entsorgungsverhalten Geld zu sparen und die Umwelt zu schonen. Seit Einführung der Abfallverwiegung trennen sie erheblich mehr Müll. Das belegen die gestiegenen Mengen von eingesammelten Wertstoffen wie Glas, Papier und Verpackungen", so ZKE-Werkleiter Bernd Selzner.

Nach Mitteilung des ZKE erzeugt ein Saarbrücker Bürger pro Jahr 428 Kilogramm Gesamtmüll - deutlich weniger als der Durchschnittsdeutsche (617 Kilogramm) und auch weniger als "der" Europäer (481 Kilogramm). In seine Restmülltonne steckt "der" Saarbrücker 162 Kilo, das sind zwölf Kilo mehr als "der" Saarländer.

In den innerstädtischen Saarbrücker Stadtteilen sind dreißig Prozent der Restabfalltonnen mit einem abschließbaren Schloss versehen.

In den Umlandstadtteilen, wo mehr Achtsamkeit unter den Bewohnern herrscht, dagegen nur 24 Prozent. Von den innerstädtischen Bioabfalltonnen verfügen 16 Prozent über ein Schloss, in den Umlandstadtteilen zwölf Prozent.

Die Müllgebühr für einen durchschnittlichen Saarbrücker Haushalt beträgt nach Auskunft des Entsorgers ZKE seit dem 1. Januar 2015 für Restmüll 177 Euro im Jahr (120-Liter Restmülltonne bei 14-täglicher Leerung) und für Bioabfall 49 Euro im Jahr (120-Liter Biotonne bei 14-täglicher Leerung).

Bis Ende 2010, also vor der Einführung der Müllverwiegung, betrug die durchschnittliche Müllgebühr 172 Euro , bei Biomüll 45 Euro . Seit Einführung der Verwiegung hat sich also demnach die Restmüllgebühr um fünf Euro und die Biomüllgebühr um vier Euro erhöht. Die Gesamtgebühreneinnahmen liegen seit 2010 konstant bei knapp unter 17 Millionen Euro . Die Müllgebühren wurden seit Einführung der Verwiegung einmal erhöht, und zwar ab dem 1. Januar 2015 um durchschnittlich 7,2 Prozent. Nach Rechnung des ZKE wären die Gebühren heute mindestens zehn Prozent höher, wenn man am alten System festgehalten hätte. Durch die landesweit sinkenden Müllmengen stieg der Verbrennungspreis pro Gewichts-Tonne wegen der Fixkosten . "Diesen Effekt konnte die Verwiegung verhindern", so Sprecher Drossel.