Das treibt Saarbrücker über die Grenze

Viele Franzosen besuchen Saarbrücken zum Einkaufen oder Feiern. Im Alltag nehmen wir die Stadtbesucher wahr. Aber wie ist das umgekehrt? Was machen Saarbrücker Bus- und Bahnreisende in Frankreich? Dieser Frage widmen wir uns im zweiten Teil der Serie „Grenzverkehr“.

 Joachim Hase
Joachim Hase
 Monika Kremser
Monika Kremser
 Yvonne Weisgerber
Yvonne Weisgerber
 Die Kinder der inklusiven Kita der Lebenshilfe Saarbrücken machen regelmäßig Ausflüge nach Saargemünd.
Die Kinder der inklusiven Kita der Lebenshilfe Saarbrücken machen regelmäßig Ausflüge nach Saargemünd.

Mehr als 325 000 Personen haben im vergangenen Jahr mit der Saarbahn und den Buslinien 30 und MoselleSaar (MS) die Grenze passiert. Aber wozu nutzen Saarbrücker die grenzüberschreitenden Busse und Bahnen? Gehen sie einkaufen, fahren sie zu Badeseen oder zum Lieblingsbäcker mit den besten Baguettes?

Die Fahrzeiten der Linie MS sind laut Busunternehmer Andreas Baron besonders auf Pendler zugeschnitten, die in Frankreich wohnen und in Deutschland arbeiten. Außerdem fahren viele Schüler mit, die etwa in Saarbrücken das Deutsch-Französische Gymnasium besuchen. Schon um 4.40 Uhr fährt der erste MS-Bus in St. Avold los in Richtung Grenze, von Saarbrücken aus erst um 11 Uhr. "Die meisten sind Franzosen, die in Saarbrücken arbeiten", sagt Eileen Kluge über die Fahrgäste der Linie MS. Nur sehr wenige Deutsche fahren mit dem Bus, so schätzt sie es ein. Außer diejenigen, die wie sie in Naßweiler wohnen. Da sie vorher in Burbach gewohnt habe, sei ihr ganzes Leben noch in der Landeshauptstadt, wo sie studiert und gerade von einem Arztbesuch kommt und nun am Hauptbahnhof auf den Bus für die Rückfahrt wartet.

Bei einer Umfrage an der Bushaltestelle, an der die Linie 30 abfährt, warten hauptsächlich französische Bürger, die vom Einkaufsbummel in Saarbrücken zurückkehren. Eva Maria Dorscheid wartet zwar gerade auf einen anderen Bus, aber die Linie 30 habe sie schon öfter genutzt. "Ich bin schon lange nicht mehr gefahren", sagt sie, aber sie erinnert sich an die tolle Stimmung in den Bussen und an Busfahrer, die Musik laufen ließen, "wenn es französische war", fügt sie hinzu. Mittlerweile fährt sie mit ihrer französischen Nachbarin, die noch gut Autofahren könne, nach Frankreich. "Saarländer freuen sich über guten Käse, Paté und Flûtes. Und ich finde es schön, dass im Gegenzug so viele Franzosen zu uns zum Einkaufen kommen."

Die Französin Martine Mauser möchte mit dem Regionalexpress zu ihren Eltern nach Forbach fahren. An den Gleisen wartet sie auf den Zug und erzählt, dass sie seit zwei Jahren in Saarbrücken lebe. Da an diesem Tag Feiertag ist, ist der Regionalexpress für sie die einzige Möglichkeit: Die grenzüberschreitenden Busse fahren nur von Montag bis Samstag.

Die Saarbahn nach Saargemünd ist an diesem Tag für Joachim Hase und Monika Kremser die erste Etappe zu einem Fahrradausflug an den Stockweiher. "Bis Saargemünd sind wir schon so oft gefahren", erzählt Hase. Die beiden sparen sich daher diesmal die ersten Kilometer und radeln erst hinter der Grenze los.

In Ausflugsstimmung sind auch die Kinder der inklusiven Kita der Lebenshilfe Saarbrücken , die ebenso nach Saargemünd fahren. Regelmäßig benutzen sie die Saarbahn, um dorthin zu kommen, erklärt Erzieherin Yvonne Weisgerber: "Wir sind eine bilinguale Kita". Diesmal wollen sie den "parc municipal", den Stadtpark, besuchen. Ihr Französisch dürfen die Kleinen in einer Boulangerie testen. Die Kinder freuen sich schon riesig auf Crêpes und Croissants. Nur das "Cheese" für das Lächeln auf dem Foto hört sich nicht französisch an. Aber natürlich kennen sie das Wort: "Frommaaaage".

> wird fortgesetzt

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